a) Meine Geschwister kümmern sich rührend um meine Eltern. 2
b) Ich telefoniere täglich mit meiner Mutter und meinen Schwestern.10
c) Mein Mann kümmert sich um die familiären Kontakte. 5
d) Ich habe keine Eltern und/oder Geschwister. 0
Saublöd, wirklich. Die b)-Tussi würde bald keinen Mann mehr haben, befürchtete ich; a) war doch der totale Glücksfall. War es unweiblich, wenn man das günstig geregelt hatte und sich nicht selbst aufopfern musste? Und was war mit munteren Eltern, die sonst wo lebten und überhaupt keine Pflege brauchten? Meine jedenfalls saßen seit zwei Jahren in Seattle, weil Papi dort eine Gastprofessur übernommen hatte. Vernachlässigte ich jetzt ihre Pflege? Wir telefonierten keinesfalls täglich, sondern maximal zweimal im Monat. Mein Bruder - Himmel, wann ich zum letzten Mal von dem gehört? Der arbeitete im Moment in Südafrika – oder war es doch jetzt Hongkong? Keine Ahnung, der Konzern, für den er tätig war, jagte ihn dauernd rund um den Globus, und ihm schien das auch Spaß zu machen.
Aber wie sollte ich das alles verbuchen? Ich beschloss, dass sich alle rührend um sich selbst kümmerten, und gab mir trotzig zwei Punkte. Aber Mami und Papi konnte ich eine Karte aus Wien schicken, dann hatte der bescheuerte Test doch wenigstens etwas Gutes gebracht.
4.) Ihre Nächte. Schließen Sie die Augen – wen sehen Sie vor sich, Leidenschaft im Blick?
a) Richard Gere. 5
b) Einen Kollegen/Nachbarn. 2
c) Ihren Mann.10
d) Niemanden. 0
Gott, wie simpel! Warum gab es für Richard Gere mehr Punkte? Weil das abartigere Geschmack war oder weil ein real existierender Kollege/Nachbar die Ehe wohl mehr gefährdete? Konnte man sich statt Richard Gere auch jemand Schöneren vorstellen? Ben Affleck? Och nö... Ich schloss gehorsam die Augen – niemand. Auf jeden Fall nicht Norbert. Norbert und Leidenschaft im Blick? Das war vielleicht mal. Außerdem liebte Norbert es eher im Dunklen, da konnte man die Leidenschaft zumindest im Blick nicht so leicht erkennen. Null Punkte. Klasse Privatleben – ganze zwei Punkte.
B) Ihr Zuhause.
1.) Kreuzen Sie an, was Ihr Zuhause aufzuweisen hat. Maximal zehn Punkte dürfen Sie sich geben.
a) einen Garten 2
b) eine Fußbodenheizung 2
c) einen Whirlpool 2
d) eine Traumküche. 2
e) einen Raum für Sie allein 2
f) Parkettböden 2
g) Stuckdecken 2
Noch blöder! Und wenn jemand die totale Traumwohnung hatte, aber Parkett nicht ausstehen konnte? Na gut, auf zehn konnte er/sie immer noch kommen. Einen Raum für mich hatte ich, genau genommen die ganze Wohnung. Parkett (kaputt) und Stuck (grau und bröckelig) hatte ich auch, aber wer würde denn so pingelig sein! Sechs Punkte, immerhin.
2.) Beurteilen Sie die Lage Ihrer Wohnung!
a) Sie liegt romantisch und ruhig im Grünen.10
b) Sie liegt zentral und mitten in der Szene. 5
c) Sie liegt in einer ordentlichen Wohnsiedlung. 2
d) Unser Viertel war noch nie schön oder in. 0
Wie platt! Was war gegen eine ordentliche Siedlung einzuwenden, solange das heiße Wasser ging? Immerhin kam ich zu fünf Punkten, die mir gar nicht zustanden, wenn man es genauer besah.
C) Ihre materielle Sicherheit.
1.) Denken Sie an Ihr Alter. Was haben Sie schon erreicht?
a) Ich habe einen gutverdienenden Mann. 5
b) Ich habe hohe Rentenansprüche. 10
c) Ich besitze Wohneigentum. 2
d) Ich spekuliere an der Börse. 0
Kopfschüttelnd notierte ich null. Ich spekulierte zwar nicht an der Börse (wovon auch?), aber alles andere hatte ich auch nicht. Vielleicht einen ganz, ganz kleinen Rentenanspruch. Und dass meine Bruchbude nicht mein Eigentum war, stimmte mich eher froh – so musste ich den Abriss wenigstens nicht selbst finanzieren! Immerhin, dass die Rente mehr galt als der reiche Mann, zeigte, dass die Testentwickler doch nicht ganz so bescheuert waren, wie ich gedacht hatte. Aber fast!
2.) Sind Sie zukunftstauglich?
a) Ich kann mit einem Computer umgehen. 2
b) Ich kenne mich im Internet aus. 2
c) Ich bin mobil und immer erreichbar (Auto/Handy) 2
d) Meine Kinder halten mich auf dem Laufenden. 5
Blödes Pack, murrte ich. Wenigstens vier Punkte. Mobil war ja im Moment wohl nichts – solange die Rostlaube im Koma lag. Oder reichte es, einen Führerschein zu haben und sich vorzunehmen, bei Gelegenheit ein weniger ältliches Fahrzeug zu erwerben? Doch, schon, beschloss ich und gönnte mir zwei weitere Punkte. Und meine Spontanreise nach Wien zeigte ja wohl, wie mobil ich war, oder?
3.) Wie sieht Ihr Berufsleben aus?
a) Ich habe eine unkündbare Position erreicht. 10
b) Meine Familie ist mein Beruf – der schönste, den es gibt! 5
c) Ich leite meine eigene Firma. 2
d) Ich habe den idealen Beruf noch nicht gefunden. 0
d), leider. Aber warum gab es für eine eigene Firma nur zwei Punkte und für einen öden Beamtenjob gleich zehn? Wurde Sicherheit hier nicht etwas reichlich hoch bewertet? Und dieses schmalzige Muttergetue! Mütter mussten wohl so viele Punkte kriegen, dass sie gar nicht unzufrieden sein konnten ? Wahrscheinlich stellten sie den Löwenanteil der Leserinnen und Werbekundinnen, da durfte man sie nicht vergrätzen.
D) Ihre Änderungswünsche.
Was würden Sie an sich gerne verbessern? Ziehen Sie für jeden Aspekt zwei Punkte von der bisherigen Summe ab, aber insgesamt nicht mehr als zehn. Notieren Sie dann die Gesamtsumme und lesen Sie die Auflösung auf Seite 125.
a) Ich sähe gerne besser aus.- 2
b) Ich würde gerne besser kochen können.- 2
c) Ich hätte gerne eine schönere Wohnung.- 2
d) Ich sollte einen Computerkurs machen.- 2
e) Ich möchte einen Partner finden. - 2
f) Ich würde gerne mehr Sport treiben. - 2
g) Ich möchte befördert werden. - 2
Unglaublich, vor allem f). Von Gesundheit war im ganzen Test nicht die Rede gewesen! Ich kreuzte c) und g) an und rechnete dann nach – ganze fünfzehn Punkte! Maximal hatte man neunzig schaffen können. Ich konnte ja schon froh sein, dass ich nicht unter Null gerutscht war.
Auf der nächsten Seite stand das übliche Geschwafel, ich sollte an mir arbeiten, mit fünfzehn Punkten sei ich von meinen eigenen Idealvorstellungen allzu weit entfernt. Man riet mir, die Punkte der einzelnen Rubriken zu untersuchen. Na gut, ich verschwendete hier ohnehin meine Zeit.
A) Privatleben - 2
B) Zuhause - 11
C) Materielle Sicherheit - 6
D) Änderungen - 4
Das hieß also, dass ich zwar eine schöne Wohnung hatte, aber ein einsames Mäuschen war und dringend entscheiden musste, was ich beruflich machen wollte. Bis auf den letzten Punkt war das absoluter Schwachsinn, entschied ich ärgerlich und warf das Heft aus dem Bett: Die Wohnung war fast das Schlimmste, einen Job fand ich allemal, und einen Kerl wollte ich erstmal gar nicht. Wenn ich so heiß darauf wäre, hätte ich ja Norbert behalten können, für die Grundversorgung hatte es gereicht. Vielleicht nicht bei den Streicheleinheiten, aber so schlecht war es mit ihm im Bett auch nicht gewesen. Nur reichte das nicht, wenn man den Betreffenden eigentlich nicht mehr so recht mochte. Lieber erstmal keinen!
Und morgen musste ich wirklich mal feststellen, ob Frances mir mein Restgehalt überwiesen hatte! Ich kletterte aus dem Bett und stellte die halbleere Knabbermischung außer Reichweite, dann zog ich mich aus und duschte lange und heiß. Davon konnte ich nie genug kriegen! Ach, ein Nachthemd hatte ich mir kaufen wollen! Zu spät, aber ich konnte wenigstens mein T-Shirt und die Wäsche schnell durchwaschen. Schon Mittwochabend... am Freitag musste ich wohl leider wieder nach Hause und mich um einen neuen Job, ein neues Auto und eine andere Wohnung kümmern. Und ich sollte meine Zeit nicht mit Tests verschwenden, die offensichtlich von Halbkretins entwickelt worden waren. Ich schlüpfte unter die Bettdecke und schlief, vollgefressen, wie ich war, sofort ein.
Читать дальше