Stephano war ein wenige Kilometer entferntes Restaurant, in dem man sich traf, wenn man nicht nach Siena oder dem noch weiter entfernten Grosseto fahren wollte. Man konnte dort hervorragend essen oder nur den guten Hauswein trinken.
Theresa schloss die Haustür hinter sich und ging den Weg zurück, den sie gerade gekommen war.
Raffael saß vor seinem Haus auf den Stufen. In der Hand hielt er ein Glas. Manchmal glaubte er zu träumen, wenn sie so wie jetzt auf ihn zuschritt. Er fürchtete, ihr Bild könnte sich auflösen. Aber da war sie, berührte ihn, setzte sich neben ihn auf die Steinstufen.
»Konstantin will mich zur Schwiegermutter machen.«
»Ein schwerer Schlag, Liebste.« Er lachte. »Zumal ich mir denken kann, wie es weitergeht.«
»Was meinst du?«
»Aus Schwiegermüttern werden schnell Großmütter.« Er sprang auf, bevor sie ihn schlagen konnte.
»Ich hole dir ein Glas Wein.«
»Wirst du eine Nonna lieben können?«
Belustigt blickte er auf sie hinab. »Wenn diese Nonna so klug und sexy und so unglaublich schön ist wie du, könnte ich mich dazu durchringen.« Er nahm sie in die Arme und küsste sie zärtlich. Seine Hände glitten über ihre Schultern.
»Nein, Raffael, ich will reden.«
»Gut, reden wir.«
»Konstantin will nach Afrika gehen.« Sie seufzte. »Ich habe Angst um ihn. Gambia ist keineswegs ein sicheres Land. Ich fürchte, der neue Präsident ist nicht viel besser als der alte. Nach zweiundzwanzig Jahren Diktatur, Entführungen und Folter wird es in den nächsten Monaten bestimmt nicht viel besser werden.«
»Ist er fest entschlossen?«
»Ja. Und Annabel wird mit ihm gehen.« Theresa trank ihren Wein aus und reichte Raffael das Glas. »Hast du noch einen?«
»So schlimm?« Raffael lächelte, sie trank normalerweise sehr wenig.
»Es ist mir ernst. Am liebsten würde ich mich für ein Jahr ins Koma trinken. Erst die Hochzeit, dann Afrika, ich werde vor Angst sterben.«
»Nein, das wirst du nicht. Außerdem hast du keine Wahl, du musst ihn gehen lassen.«
Seine Gedanken wanderten Jahre zurück. Seine Mutter hatte geweint, als er mit sechzehn Jahren den kleinen elterlichen Hof zwischen Lucca und Pisa verließ. Australien und Neuseeland schienen ihr so weit entfernt wie der Mond. »Ich werde dich nie wiedersehen«, hatte sie geschluchzt.
Wäre ich geblieben, wenn ich gewusst hätte, dass ihre Worte wahr werden würden, fragte er sich.
Raffael horchte auf die Laute der Nacht. Ununterbrochen das Zirpen der Zikaden, weit entferntes Hundegebell. Einer der beiden weißen Maremma-Hunde im Stall antwortete. Es raschelte im Gebüsch. Ein Hauch streifte ihn, ein weißer Schatten, die Eule auf der Jagd. Ein Vogel zirpte im Schlaf. All diese Geräusche ließen die eigentliche Stille der Nacht noch deutlicher werden.
Vor seinen Augen sah er die Apfelwiese hinter dem Haus, die Olivenbäume und die Ziegen, die seinen Eltern gehört hatten. Das ganze Anwesen stank nach diesen Tieren. Seine Mutter machte Käse aus der Ziegenmilch und fuhr damit am Wochenende zum Markt. Ja, sie hatten ein Auskommen, aber Raffael wollte mehr. Sechs Jahre hatte er im Ausland verbracht. Als er zurückkam, tat er es, um seine Mutter zu beerdigen und dem Vater beizustehen.
Das Haus und ein paar Nebengebäude hatte er nach dem Tod seines Vaters verkauft. Nur ein kleines Steinhaus hatte er behalten. Sein Rückzugsort.
»Woran denkst du?« Theresa sah ihn fragend an.
»An nichts. Komm ins Bett!«
Er stand auf, half ihr von den Stufen hoch und zog sie mit sich.
In seinen Armen vergaß sie ihre Ängste, fand Ruhe, für eine Weile.
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