Ich beschränkte mich darauf, mir die Hände dick einzucremen, und machte mich dann auf in Richtung Stadt. In den Schaufenstern war nichts wirklich Aufregendes zu sehen, hauptsächlich bauchfreie Tops in Bonbonfarben, wofür ich gut zehn Jahre zu alt war. In der Rathausbuchhandlung war alles mit Der Herr der Ringe dekoriert, und Fantasy hatte ich immer schon gehasst. Lieber schlenderte ich in Richtung Burggasse, wo die Möbelgeschäfte dicht gedrängt standen, und guckte, ob ich ein paar Ideen klauen konnte. War ich schon zum Workaholic geworden? Am Pfingstmontag Ideen sammeln? Nach dem dritten Schaufenster – von wegen Ideen! – verlor ich ohnehin wieder die Lust. Lieber ein Eis! Im San Carlo war es brechend voll, aber ich ergatterte noch einen winzigen Tisch, der gerade frei wurde, und bestellte mir einen kleinen Eisbecher, Pfirsich, Nuss und Schokolade mit gehackten Mandeln. Natürlich blieb ich an diesem Tisch nicht lange alleine; als ich gerade genüsslich einen Löffel voll Schokolade mit Mandeln im Mund zergehen ließ, fragte eine Stimme: „Ist hier noch frei?“ Ich antwortete nur mit einer Handbewegung und zog mein Eis näher zu mir hin.
„Kühl geworden“, versuchte der neue Gast etwas Konversation.
„Kein Wunder nach dem Gewitter.“ Smalltalk konnte ich auch, wenn ich auch
keine rechte Lust hatte. Ich sah mit mäßigem Interesse auf. Etwas dicklich und schwabbelig, mein Gegenüber – und der affige Schnurrbart! Er musterte mich ebenfalls, wobei es mir schien, dass sein Blick etwas unterhalb meines Gesichts länger verweilte.
Ich konzentrierte mich wieder auf mein Eis. „So allein, schöne Frau?“
Gott, wie originell! Eine Antwort würde er darauf doch wohl nicht erwarten?
„Sind Sie schüchtern?“
Ich warf ihm einen giftigen Blick zu, und er lachte albern. „Huch!“
Dann bestellte er sich bei der Serviererin ein Pils. Pfui Teufel, um diese Tageszeit! Er spielte mit seinem Autoschlüssel herum, der auf dem kleinen Eisentisch klackerte und klimperte, was mir ziemlich auf die Nerven ging. Ich hatte den Mercedes-Anhänger wohl bemerkt, hütete mich aber, das Gespräch darauf zu bringen.
„Könnten Sie das lassen? Das Geräusch tötet einem ja den Nerv!“
„Ah, Sie haben gestern gefeiert, was? Kopfweh? Dann brauchen Sie ein Bier zum Abgewöhnen, absoluter Geheimtipp!“ Geheimtipp ? Das wusste doch jeder!
„Nein, danke, ich finde Bier widerlich.“ Das stimmte nicht, aber näher konnte ich an Ich finde Sie widerlich aus Höflichkeit auch nicht herankommen.
„Sie sind aber schwer zu erobern!“
Allmählich hatte ich Lust, den Tisch umzuschmeißen, aber damit sollte ich vielleicht warten, bis sein Bier darauf stand, dann lohnte es sich wenigstens. Ich stellte mir kurz vor, wie das Bier sich über ihn ergoss – schade, auf dem Hawaiihemd würde man es gar nicht richtig sehen! „Wie heißen Sie? Ich heiße Berger, Heinz Berger. Heinz!“
Er streckte die Hand aus und hätte fast meinen Eisbecher umgeworfen. Ich sah die Hand nur an, bestimmt war sie feucht, der Kerl schwitzte ohnehin ziemlich. „Minnie Maus“, antwortete ich dann und hoffte, das sei nun endlich deutlich genug. Er lachte etwas beleidigt auf und zog seine Hand zurück, dann hellten sich seine Züge wieder auf. „Sie stehen auf Frauen?“
„Nein. Ich bin wählerisch.“
„Was soll das heißen?“
„Sie sind nicht mein Typ, okay?“ Ich winkte der Serviererin und zahlte schon mal, um bei Bedarf schnell flüchten zu können.
„Verstehe ich nicht. Sie wissen doch noch gar nichts von mir!“
Großer Gott, wie konnte man so doof sein!
„Ich weiß genug“, behauptete ich und kratzte meinen Eisbecher leer. „Sie sind aufdringlich, zu sehr von sich selbst überzeugt und mir außerdem zu alt.“
„Unverschämtheit! Was bilden Sie sich eigentlich ein? Glauben Sie, für Sie kommt noch der Märchenprinz angeritten?“
„Nein, aber deshalb muss ich noch lange nicht jedes Angebot annehmen. Schönen Tag noch.“
Ich stand auf und ging. Da sah man es doch wieder – Männer kennen lernen war einfach lästig! Einen haben, das wäre vielleicht so schlecht nicht, aber einen suchen müssen – grauenvoll! Ich hatte keine Lust, kiloweise Frösche zu küssen, um dann doch keinen Prinzen zu finden. Bloß gut, dass ich morgen wieder arbeiten durfte; auf die Kniestockschränke freute ich mich wirklich. Saskia würde sicher prima zu Lukas passen – wollte ich das überhaupt noch? Oder wollte ich ihn für mich selbst? Unsinn, so etwas musste doch schließlich auf Gegenseitigkeit beruhen, und das war absolut nicht der Fall. Aber an Werktagen konnte ich ihn wenigstens sehen... Heiliger Blödsinn, ich benahm mich ja ein Teenager, der dem Angebeteten in der Pausenhalle auflauerte und sich dann doch nicht traute, ihn unter irgendeinem Vorwand anzusprechen! Genauso fühlte ich mich leider auch, und das durfte Lukas auf keinen Fall mitkriegen. Vor Marc hatte ich in dieser Hinsicht keine Angst, der war nicht schlau genug, mich zu durchschauen. Außerdem war er jetzt sicher genügend mit seiner neuen Eroberung beschäftigt und hinreichend abgelenkt.
Ich bastelte zu Hause noch etwas an den Kniestockschränken herum und überlegte mir eine Lösung für die Ecke, die eleganter war als die, die wir bisher ins Auge gefasst hatten; dann schob ich ein Video rein und entspannte mich endlich etwas: harte Action, keine Liebe, irgendeinen Quatsch, den ich vor einiger Zeit aufgenommen und immer noch nicht angesehen hatte.
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