1 ...8 9 10 12 13 14 ...22 „Ich sehe schon, dass ich wirklich mal alle Singles um mich versammeln muss, um eine Partnerbörse abzuhalten“, stellte ich schließlich fest. „Au ja, das wolltest du doch sowieso mal machen“, freute sich Barbara.
„Was geht´s dich an?“, fragte Heike streng. „Du hast doch schon einen!“
Barbara schmollte, und ich lenkte ein. „Naja, ein, zwei Pärchen, um den anderen den Mund wässrig zu machen – aber zanken dürft ihr euch dann nicht, sonst schreckt ihr alle ab, klar?“
„Klar“, antwortete Barbara brav. Ich ließ mir von Ulli, die immer alles in ihrer Riesentasche hatte, etwas zu schreiben geben und legte eine Liste an.
Frauen
Heike
Ulli
Barbara
Männer
Peter
Alfred
Marc
Robbi
Paul
Dann sah ich die anderen ratlos an. „Ist das alles? Wieso kenne ich nicht mehr bedürftige Frauen? Fünf Männer und drei Frauen, das ist doch keine Party, es soll ein rauschendes Fest werden, mit richtig Riesenauswahl für alle. Helft mir, verflixt!“
„Du hast dich selbst vergessen“, begann Barbara, und ich sah sie tadelnd an. „Ich bin die Organisatorin, kein Gast. Ach ja, diesen Bernd aus dem Theater wollte ich noch einladen. Sechs Männer, drei Frauen.“
„Klingt wie eine von diesen doofen Matheaufgaben“, warf Heike ein, „auf wie viele Arten können die alle in einer Reihe nebeneinander sitzen oder so.“
Ich schauderte noch bei der Erinnerung. „Erwähne bloß diesen Tag der Schande nicht!“
„Ich hab eine nette Nachbarin“, fing Ulli an, „die könnte ich fragen. Sie arbeitet in diesem Kunstgewerbeladen neben dem San Carlo , du weißt schon, Art & Fun . Sie ist neunundzwanzig, heißt Claudia und ist ein bisschen esoterisch angehaucht.“
„Wie weit geht das?“, fragte ich misstrauisch. „Erzählt sie allen Leuten, ihre Aura sei nicht gut?“
„Nein, aber sie kann Karten legen und pendeln und all so Zeug. Ich weiß nicht, wie arg sie selbst daran glaubt, jedenfalls ist sie meistens ziemlich normal drauf. Ich finde sie eigentlich nett.“
„Na gut, wenn sie solo ist, lad sie ein. Passt auf, ich denke an Freitag in zwei Wochen, ist euch das recht? Der Siebzehnte?“ Alle guckten in ihre Terminplaner, als wären sie freitags grundsätzlich ausgebucht, aber wie erwartet, hatten sie an diesem Tag noch nichts vor.
Heike bot ihre liebe und häusliche Kollegin Lici an, eigentlich Felicitas, die ich im Stillen schon mal für den guten Marc vormerkte, der ja eine suchte, die kochen konnte. Die Kartenlegerin passte vielleicht zu unserem Siebzigerjahrefreak – vielleicht sollte ich Age of Aquarius auflegen, damit sie Gemeinsamkeiten entdeckten?
Barbara brachte eine Pfarrerstochter namens Ruth ins Spiel, die sie noch aus der Schule kannte und die ganz in ihrer Nähe wohnte und ihr ab und zu Einladungen zukommen ließ. Für den guten Alfred?
„Pfarrerstochter? Dann ist sie evangelisch? Alfred scheint mir eher katholisch zu sein, jedenfalls will er mich immer zu St. Korbinian schleifen. Nicht, dass die beiden sich erst finden und dann die Reformation noch mal durchspielen!“
„Ach komm, so krass ist heute doch keiner mehr drauf! Leute, die so fundimäßig sind, gehen erst gar nicht auf Parties.“
„Okay, wenn sie sich beide weigern, geben wir ihnen die jeweiligen Telefonnummern. Für meine armen, unfähigen Brüder haben wir jetzt noch niemanden, wenn ihr euch nicht erbarmt.“ Energisches Kopfschütteln, Barbara grinste: „Bin ich froh, dass ich schon einen habe! Deine Brüder sind mir zu anstrengend. Was ist mit deiner Berufsschulfreundin, Steffi? Hieß sie nicht – nee, ich komm nicht mehr drauf? Die Rothaarige?“
„Conny! Gute Idee, sofern sie nicht schon versorgt ist.“
„Wenn du deine Brüder verkuppelst, kann ich doch meinen Bruder auch mitbringen“, schlug Heike vor, „der arme Torsten wurde gerade wieder mal verlassen.“ Ulli schnaubte prompt wieder. „Kann ich mir denken!“
„Ach komm, so schlimm ist er nicht“, verteidigte Heike ihren Bruder lahm. „Bloß weil ihr euch damals gestritten habt!“
„Außerdem ist das elf Jahre her und verjährt“, fügte ich hinzu.
„Dass ich so einen Idioten für mein erstes Mal ausgesucht hatte, wird mich mein Leben lang fuchsen“, murmelte Ulli.
„Er war doch auch nicht älter als du – und sein erstes Mal war es auch, also woher hätte er besser sein können?“, wandte Heike ein. „Er hat gesagt, er kennt sich aus!“
„Ja, aus dem Schulmädchenreport !“
Wir lachten schallend, sogar Ulli kicherte widerwillig mit.
Immerhin hatten wir jetzt genügend Leute für eine mittelgroße Party, aber ich bat alle, noch mehr Leute mitzubringen – Hauptsache, solo – damit sich die Auswahl etwas üppiger gestaltete. Schließlich wusste man ja, dass sich niemand für den Menschen interessierte, den man ihm ausgesucht hatte!
Je mehr Marc mich mit den Eigenschaften seiner Traumfrau anödete, desto sicherer war ich, dass diese mir unbekannte Lici genau die Richtige für ihn sein musste. Natürlich verriet ich ihm nichts dergleichen, sondern scheuchte ihn nur herum und verlangte mit barscher Stimme das passende Werkzeug.
Der Laden brummte wirklich, wir kamen kaum noch damit nach, die gewünschten Ein-, An- und Ausbauten fertig zu entwerfen und bei den Kunden in der kurzen Frist, mit der wir eigentlich zu werben pflegten, aufzutauchen.
Als ich mit Lukas zusammen die Schrankwand mit den intarsierten Türen aufbaute, war es schon so weit gekommen, dass der Schorschi, unsere Hilfskraft, das Telefon bewachen musste, weil Marc bei verschiedenen Neukunden ausmessen und Wunschvorstellungen notieren musste. Hoffentlich blamierte der Schorschi uns nicht am Telefon, manchmal hatte er schon eine recht seltsame Art!
Die Schrankwand war fast drei Meter lang, und während ich den Rahmen aufbaute und wieder einmal erleichtert feststellte, dass er exakt in die vorgesehen Nische passte (ich wartete immer auf den Tag, an dem wir einen Zentimeter zu kurz zugeschnitten hatten – und dann konnte man eine ganze Tür wegschmeißen), bereitete Lukas die Türen vor, auf denen er auf den oberen äußeren Ecken das gewünschte Symbol und in den unteren äußeren Ecken das Monogramm des Kunden angebracht hatte – Kiefer und Nussbaum auf Buche. Ich hielt die Idee für bescheuert, und Lukas fand Intarsien wohl auch eher für Tischplatten passend, aber des Kunden Wille ist sein Himmelreich, und wenn er seine Schranktüren brauchte, um sich zu erinnern, wie er hieß, dann bitte!
Immerhin ließ uns dieser Auftraggeber in Ruhe, baggerte mich nicht an, gewährte Lukas keine Einblicke, die dieser gar nicht wollte, wusste nicht alles besser und hatte auch nicht im letzten Moment die ultimative Idee. Er guckte nur einmal pro Stunde in das Schlafzimmer und nickte billigend, wenn er die Fortschritte gesehen hatte.
Lukas schickte mich mittags zum Metzger, zwei Leberkässemmeln und zwei Flaschen Limo zu holen. Ich kam wieder mit einer Leberkässemmel, einer Flasche Limo, einer Flasche Cola und einem Käsesandwich.
„Du machst ja auch nicht, was man dir sagt“, stellte Lukas kopfschüttelnd fest.
„Soll ich essen, was du magst? Ich mag eben was anderes.“
Er brummte nur, und wir saßen einträchtig auf der Zeitungspapierschicht und verputzten unsere Brotzeit. „Besser als Marc“, stellte Lukas dann fest.
„Was?“ Ich war in Gedanken versunken und hatte nicht aufgepasst.
„Na, man kann neben dir sitzen und einfach nichts sagen. Marc muss die Leere sofort mit Geplapper füllen.“
„Hm. Hat dieser Reimers sich noch mal gerührt?“
„Ja, ich hab abgelehnt.“
„Und?“
„Nichts und. Kein neues Angebot, kein gar nichts. Die werden sich woanders umschauen, denke ich.“
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