„Was ist das?“, fragte ich abgelenkt, weil ich gerade überlegt hatte, ob die Badewanne noch ging oder es schon nötig hatte. Eher nötig.
„Kennen Sie so was nicht?“
Ich guckte genauer hin. Ein Schwangerschaftstest?
„Glauben Sie, jede Frau braucht so was dauernd? Können Sie bei der Obduktion feststellen, ob Trixi schwanger war?“ Er schluckte. „N-natürlich.“
„Müssen Sie da teilnehmen?“
„Einer von uns sollte schon“, antwortete er leise und schüttelte die Schachtel kurz, „Kann man die mehrfach benutzen?“
„Nicht dass ich wüsste. Ich glaube, man muss auf den Teststreifen pinkeln, und das geht ja wohl nur einmal, oder? Wenn noch was in der Schachtel ist, hat sie ihn wohl noch nicht benutzt. Gucken Sie doch mal rein!“
Er tat es, und der Inhalt sah ziemlich vollständig aus, Plastikhalterung, ein weißer Stift, alles mit der Anleitung umwickelt. Plötzlich merkte ich, dass ich so nahe bei ihm stand, dass ich sein Aftershave riechen konnte. Gar nicht übel, ein bisschen wie Bittermandel. Hastig trat ich einen Schritt zurück, mehr ging in diesem engen Raum nicht. Wieso benutzte er Aftershave, wenn er sich doch gar nicht rasierte? Und wieso interessierte mich das?
Er inspizierte weiter das Schränkchen und packte alles, was er fand, in eine neue Tüte, während ich die Badewanne einschäumte und schrubbte. Nachdem Klo und Wanne funkelten, schüttelte ich den Badeteppich aus und hängte ihn über den Wannenrand. Dabei fand sich der zweite Türkisohrring, den ich Weiß reichte. Der schnupperte gerade an Trixis Flasche mit Shalimar und rümpfte die Nase.
„Bisschen schwül, was? Kann ich das Waschbecken abwischen?“
Er trat beiseite, und ich gab dem Waschbecken den letzten Schliff. „So“, meinte ich dann, „jetzt trifft Trixis Eltern wenigstens nicht mehr der Schlag. Die restliche Unordnung ist normal, denke ich.“
„Sind die Eltern so streng?“
„Weiß ich nicht, ich kenne sie nicht. Sie scheinen nach Trixis Erzählungen das Übliche zu sein, halb besorgt und halb enttäuscht, weil sie noch nicht mit Mann und Kinderchen aufwarten konnte. So geht´s doch den meisten.“
„Ihnen auch?“
Ich drehte mich zu ihm um. „Nein, meine Eltern sind echt okay, die nerven mich nicht mit so was. So. Können Sie bestätigen, dass ich keine Beweise ruiniert habe?“ Er brummte etwas Zustimmendes und folgte mir ins Zimmer, wo Spengler gerade den Laptop einpackte und dann den Filofax dazuquetschte. „Daniel, das gibt noch einen langen Abend, bis wir das alles durchsucht haben.“ Weiß sah schon ziemlich fertig aus.
„Müssen Sie das denn wirklich noch heute machen?“, fragte ich. „Reicht es nicht, wenn Sie Ferdi und Sonja fragen, ob sie was über diesen Lover wissen, und sich den Rest morgen vornehmen?“
„Sagen Sie uns nicht, wie wir unsere Arbeit machen sollen“, blaffte Weiß mich prompt an. Bitte, dann nicht, du Idiot!
„Sie hat Recht“, meinte Spengler. „Schnappen wir uns die beiden und machen wir danach Feierabend. Mir langt es eigentlich auch.“
„Erzählen Sie mir, was Sie rausgefunden haben?“, bettelte ich, als Spengler die Wohnung abschloss und ein neues Siegel aufklebte. Spengler lachte. „Na, mal sehen. Wir kommen morgen garantiert in Ihrer Buchhandlung vorbei. Vielleicht gibt´s dann ein Häppchen.“ Weiß verdrehte die Augen – das war wohl wieder mal unkorrekt?
Sie fuhren mich brav nach Hause, und Spengler bedankte sich sogar für die Hilfe. „Und erzählen Sie die Sache noch nicht rum, heute wenigstens noch nicht. Wir haben die Eltern noch nicht ausfindig gemacht. Wieso muss sie auch Berger heißen!“ Ich winkte den beiden nach, wartete, bis sie abgebogen waren, und schoss dann zum Bahnhofskiosk. Ob in der Sonntagszeitung schon was stand?
Zu Hause warf ich mich mit der Beute aufs Sofa und blätterte hastig. Da, ja, unter letzte Meldungen, aber nur, dass anscheinend jemand in Selling von seinem Balkon gefallen war und die Polizei noch keine Stellungnahme abgegeben hatte. Dürftig. Trotzdem schnitt ich den winzigen Artikel aus und hob ihn auf.
Dann versuchte ich, mich an die Fundstücke zu erinnern. Diese Streichholzheftchen... typisch für jemanden, der immerzu sein leeres Feuerzeug einsteckte und nie daran dachte, sich ein neues zu kaufen. Ganz normale Kneipen, oder? Charlie´s hatte ich gesehen, den Herzogsgarten , das Café de la Nuit , den Rest kannte ich nicht. Und diese Afrika-Visitenkarte hatte ich auch, die kriegte man von den Afrikanern, denen man in der Kneipe keine Holz- und Elfenbein-Ketten abkaufen wollte. Ob dieser Weiß daraus was konstruierte? Oder sollte ich ihn warnen, bevor er sich da verrannte? Himmel, der Kerl war nicht viel älter als ich, der musste sich doch in der Kneipenszene auskennen und das selber wissen! Bis jetzt hatte er mir jede Einmischung übel genommen, also sollte er doch schauen, wie er selbst zurechtkam. Ich jedenfalls würde die beiden ignorieren, bis sie mich um Hilfe baten. Naja, und natürlich selbst ein bisschen über die Sache nachdenken...
Leider war das einzige Ergebnis, dass ich auf dem Sofa einschlief und mit knurrendem Magen aufwachte, als es schon wieder Zeit war, ins Bett zu gehen. Ich aß ein paar Chips und verzog mich dann in meine frisch bezogene Pracht. Tolles Wochenende, wirklich!
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