Golubkardian öffnet das Tor nach außen. Davor ist es schon ziemlich dunkel, doch Robert erkennt einen kurzen Feldweg, der sich durch das dichte Gebüsch schlängelt. Schon kommt ein Motorengeräusch näher, und der braune Lieferwagen taucht mit abgeblendeten Scheinwerfern hinter den Büschen auf. Nachdem er in die Garage herein gefahren ist, schließt Golubkardian das Tor wieder. Fahrer und Beifahrer steigen aus und öffnen, ohne ein Wort der Begrüßung zu sagen, die Hecktüren des Fahrzeuges. Da stehen sie, die vier Kästen, die Robert schon im Keller der Gulays gesehen hat. Darin muss eine Riesensumme verstaut sein.
„Okay, bringt die Kästen in Raum vier.“ Damit dreht sich Golubkardian wieder zu Robert hin. „Du hast uns einen großen Schritt vorwärts gebracht, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Ich sage ja: Phi irrt sich nicht.“
Golubkardian bringt Robert wieder zur Treppe und nimmt ihm endlich die Polizeiakten ab. „Du weißt ja: Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir viel, viel Geld“, sagt er und schaut Robert intensiv an, „diese großen Geldsummen zu besorgen, wird uns noch einige Zeit beschäftigen! Banken, Industrie und vermögende Privatleute werden uns das nötige Geld geben, und auch mit Rauschgift lassen sich tolle Geschäfte machen. Das ist immer noch die erste Stufe, danach geht es weiter, aber bis dahin wirst du eine Top Ausbildung bekommen. Und jetzt, Robert, fahr nach Hause, es ist spät geworden. Wenn du mich brauchst, rufe mich jederzeit an.“ Golubkardian gibt ihm eine Karte mit seiner Telefonnummer und ermahnt ihn nochmals, die blauen Taler weiter an wichtige Menschen zu verteilen. Dann öffnet er wieder die Tür auf der Rückseite des Gebäudes und entlässt Robert.
In tiefe Gedanken versunken geht Robert langsam zur Bushaltestelle. So vieles ist seit Mittag auf ihn eingestürzt, so vieles, was er noch immer nicht versteht ... Was ist jetzt und was war vorher? Irgendetwas läuft doch jetzt anders, ganz anders als bisher! Was ist eigentlich bei Herrn Werner und Fred geschehen? Einerseits erscheint es Robert ganz natürlich, dass die beiden die Geldkassetten herausgegeben haben und dass das Geld jetzt in der Phi-Zentrale ist. Aber trotzdem stimmt da etwas nicht! Unmittelbar kommen fühlbar positive Impulse von seinen Lapislazulis: von den vielen Talern aus der Schatulle dicht an seiner Haut und von seiner wunderschönen glänzenden Halbkugel. Plötzlich fühlt Robert sich wieder glücklich und mit sich im Reinen. Auf dem Lerchenberg steigt er aus dem Bus und geht lässig zum Hochhaus. Es ist mittlerweile wirklich sehr spät geworden, aber er ist wegen seiner Eltern absolut nicht beunruhigt. Was sollen sie schon sagen, wenn er so spät ankommt?
Erst als er mit dem Fahrstuhl in den elften Stock hochfährt, bemerkt er, dass er keinen Wohnungsschlüssel dabei hat. Er muss mehrmals lange läuten, bis endlich sein Vater die Tür öffnet.
„Komm rein“, knurrt er seinen Sohn missmutig an und lässt ihn in die Wohnung.
Im Morgenmantel kommt seine Mutter aus dem Schlafzimmer und will gerade zu einer Strafpredigt ansetzen. Doch Robert kommt ihr rasch zuvor. Entschlossen zieht er die schmale Schatulle mit den blauen Talern aus dem Hemd und öffnet sie.
„Ich habe hier etwas für euch, was euch beiden gefallen wird.“ Damit nimmt er einen der blau schimmernden Taler heraus und legt ihn auf den Wohnzimmertisch.
„Oh, wie schön! Der ist ja märchenhaft!“
Fasziniert schauen seine Eltern auf den blauen Taler, der im Licht der Stehlampe ein geheimnisvolles Leuchten ausstrahlt. Dieses Blau muss einfach jeder lieben, der es sieht. Roberts Eltern lassen sich auf der Couch nieder und versinken ganz im Anblick des Talers. Dass sie eigentlich mit ihrem Sohn schimpfen wollten, weil er so spät nach Hause gekommen ist, haben sie ganz vergessen.
Robert fühlt sich nun absolut sicher und überlegen. Als er später aus dem Bad kommt und beide noch immer ganz verzückt im Wohnzimmer sitzen, geht er hin und verdeckt den Taler mit der Hand. Benommen blicken seine Eltern auf. Sie sehen aus, als wären sie eben aus einem tiefen Schlaf aufgewacht. „Das ist ganz fantastisch, was du uns hier mitgebracht hast.“ Sein Vater streicht ihm anerkennend über den Kopf.
„In der Küche haben wir noch Essen für dich aufgehoben“, sagt seine Mutter und nimmt den Taler an sich. „Wir beide gehen wieder ins Bett. Gute Nacht!“
In dieser Nacht wird Robert, die Lapislazuli-Halbkugel in der Hand, von schlimmen Träumen gequält. Das Amulett erscheint in dem vertrauten milden Licht vor ihm und will mit ihm reden, doch bevor es etwas sagen kann, wird es plötzlich von einem grellen Blitz überstrahlt und versinkt in einem blauen Leuchten, das Robert sehr bekannt vorkommt. Er fühlt sich wohl in diesem blauen Licht und kann nicht verstehen, warum von dem blasser werdenden Amulett so schauderhafte Schreie kommen, die schließlich mit dem immer schwächeren Leuchten verstummen. Robert hat plötzlich das schreckliche Gefühl, dass er einen wertvollen Freund verliert, aber der Gedanke gleitet sofort wieder weg. Kaum ist es wieder dunkel geworden und das Blau verschwunden, schwebt schon wieder das Amulett im milden Licht auf ihn zu.
„Robert, du bist in großer Gefahr, trenne ...“
Ein greller Blitz überdeckt erneut das schwache Leuchten, dann wird Robert von intensivem Blau eingehüllt. Wieder hört er schreckliche Schreie, doch jetzt nur gedämpft, denn sofort kommen die Gedanken an Phi, die ihn voll ausfüllen. Sie wirken beruhigend auf Robert ein und geben ihm Sicherheit. Es ist ein fantastisches Gefühl, und Robert ist unendlich dankbar, dass Phi sich um ihn kümmert und ihn beschützt.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.