Er zeigte auf mich und erhob das Wort. Danach sprach der Bärtige wieder aufgeregt und winkte, um den Sänger zum Aufbruch zu ermahnen. Dieser aber lachte nur wieder. Der Bärtige fügte etwas hinzu und verwies dabei auf mich. Er klang abschätzig, was mich erneut in Rage versetzte. Der Neuankömmling betrachtete mich eingehender aus der Ferne und rief mir etwas zu. Seine Worte kamen mir bekannt vor. Es waren jene, die auch der andere Mann nach meiner Züchtigung gesprochen hatte, als er mich mit dem Schaft angestoßen hatte, damit ich mich wieder vor die beiden kniete, erniedrigt und verprügelt, bevor mir der Dolch an die Kehle gehalten wurde. Nun warf ich den Kopf zurück und ging im Gras auf die Knie, während die Kette vom Halsreif vor mir herabbaumelte. Ich hockte mich wieder auf die Fersen, richtete mich betont gerade auf und legte die Hände auf die Oberschenkel, hielt das Kinn hoch und schaute geradeaus. Dabei schob ich die Schultern zurück und drückte die Brust heraus. Auch wie ich die Knie ausrichten musste, vergaß ich nicht: Ich spreizte die Beine, so weit ich konnte – auf Wunsch der Männer hin, wie ich wusste. Erneut nahm ich vor ihnen jene grazile und doch hilflose Stellung ein, die sie einer Frau aufzwingen durften und die, wie ich alsbald erfahren sollte, jene einer goreanischen Vergnügungssklavin entsprach.
Der Sänger äußerte sich nun mit einem nachdrücklichen Tonfall und der Bärtige und sein Begleiter konterten verärgert. Am Rande meines Gesichtskreises sah ich, dass der Fremde wieder auf mich zeigte und weiterhin grinste. Ich zitterte und ekelte mich. Er forderte mich für sich ein! Er gab ihnen zu verstehen, dass sie mich an ihn abtreten sollten! Dieses Monster! Wie ich ihn hasste ... und wie sehr ich mich gleichzeitig darüber freute! Die Männer lachten, während ich Ängste ausstand. Sie waren zu zweit, er alleine! Am besten ergriff er wohl die Flucht. Er sollte um sein Leben rennen! Ich blieb weiterhin angekettet auf meinen Fersen sitzen.
»Kajira canjellne!«, rief der Sänger. Während er entschlossen mit seinem Speer auf mich zeigte, schaute er die beiden anderen an. Jetzt ließ er sie nicht mehr aus den Augen.
Der Bärtige starrte ihn finster an. »Kajira canjellne«, stimmte er zu.
»Kajira canjellne«, wiederholte auch sein Gefährte trocken.
Der Neuankömmling trat ein paar Schritte zurück, ging in die Hocke, zupfte einen Grashalm ab und fing an, darauf herumzukauen.
Der Bärtige kam zu mir herüber. Er zog zwei jeweils ungefähr achtzehn Zoll lange Stücke aus dünnem geknüpftem Schwarzleder unter seiner Tunika hervor und kauerte sich dann hinter mir nieder. Anschließend zog er mir die Arme auf den Rücken, verschränkte sie und band sie fest zusammen. Das Gleiche tat er auch mit meinen Füßen, die ebenso nachdrücklich verschnürt wurden. Das geknüpfte Leder schnitt tief in die Haut an meinen Gelenken ein. Ich zuckte zusammen und konnte doch nichts dagegen unternehmen. Daraufhin griff er mit der linken Hand von hinten in mein Haar, und ich bekam mit, wie er einen schweren Schlüssel, den er ebenfalls aus seinem Rock gezogen haben musste, in das große Schloss an dem Reif unterhalb meines linken Ohrs steckte. Das massive Metall und die Schließvorrichtung stachen in die linke Seite meines Halses. Als er den Schlüssel umdrehte, hörte ich, wie der Riegel aufsprang. So laut, wie es klang, musste es sich um einen klobigen, schwerfälligen Mechanismus handeln.
Nachdem er den Schlüssel in die Wiese fallen gelassen hatte, zerrte er mit beiden Händen an dem Reif, um ihn zu öffnen. Auch ihn ließ er mit der daran befestigten Kette ins Gras fallen. Jetzt war ich das Ding endlich los! Ich blickte darauf hinab, nun sah ich es zum ersten Mal. Wie ich es geahnt hatte, passten Reif und Kette perfekt zueinander. Ersterer war klobig, rund geformt und aus unbeschichtetem Eisen. Er war mit einem Schließgelenk versehen, praktisch, auf Funktionalität ausgerichtet und Furcht einflößend. Er verfügte über eine Klammer und eine steife Öse, in welche ein Glied der Kette gehakt worden war. Der Durchmesser dieser Öse betrug etwa zweieinhalb Zoll.
Er hatte mir den Reif abgenommen! Aber jetzt war ich wehrlos gefesselt. Ich zerrte an den Lederriemen, aber das brachte nichts.
Der Bärtige hob mich hoch in seine Arme, als sei ich nur ein Fliegengewicht. Allem Anschein nach wollte er dem Fremden eine Gelegenheit zum Rückzug geben. Lag hier vielleicht ein Irrtum vor? Eventuell handelte es sich nur um ein Missverständnis.
Der Neuankömmling hockte, mit dem Schild neben sich, im Gras und hatte seinen Speer aufgerichtet, sodass die Spitze gen Himmel zeigte und nickte. Nein, es war kein Irrtum.
»Kajira canjellne«, bemerkte er lapidar.
Der andere Mann stellte sich verärgert ein wenig abseits auf. Dort hielt er den Speer auf die Erde und zeichnete aufgeregt mit der Spitze einen Kreis ein. Dieser besaß einen Radius von annähernd zehn Fuß. Daraufhin wuchtete mich der Bärtige über seine Schulter und trug mich zu dem Kreis. Ich wurde in der Mitte fallen gelassen, wo ich gefesselt auf der Seite liegen blieb.
Die Männer besprachen sich, als wenn sie ihr weiteres Vorgehen festlegen wollten. Lange dauerte es nicht. Ich raffte mich auf und kniete schließlich innerhalb des Zirkels.
Der Fremde erhob sich wieder. Er zog seinen Helm an, steckte einen Arm in die Schlaufen seines Schildes und passte sie an, dann zog er das Kurzschwert an seiner linken Hüfte ein paar Zoll weit heraus, steckte es aber gleich wieder ein. Er konnte es anheben und zurückrutschen lassen, also steckte es nur locker darin. Zuletzt nahm er den Speer zur Hand. Dessen Schaft war ungefähr sieben Fuß lang und mit einer Dicke von etwa zwei Zoll sehr stabil. Der Kopf der Waffe maß zusammen mit der Fassung, mit welcher er verschraubt war, rund zwanzig Zoll; seine tödlich scharfen Kanten begannen knapp zwei Zoll oberhalb der Befestigung, die ihn zusätzlich versteifte, und liefen zweischneidig bis auf acht Zoll unterhalb der Spitze zusammen. Das Blatt bestand aus Bronze, breit am Ansatz und nach oben hin immer schmaler werdend. In Anbetracht der Robustheit der Waffe, der geringeren Schwerkraft auf diesem Planeten und der Stärke ihres Besitzers rechnete ich damit, dass sie durchschlagende Wirkung zeigte. Dass die Schilde dieser Männer, so dick sie auch sein mochten, einen frontalen Stoß mit voller Wucht verwinden konnten, bezweifelte ich; bestimmt ließ sich ein solcher Speer bis zu einem Viertel seiner Länge in den Körper eines Gegners treiben, womöglich sogar bis zur Hälfte, wenn es sich um eine Frau handelte, deren Leib schmächtiger und zarter war. Ich betrachtete die Waffe; sie beeindruckte mich zutiefst und ich fürchtete mich vor ihr. Meine beiden Fänger beratschlagten sich kurz untereinander. Der Bartlose trat mit seinem Schild am Arm und dem Speer in der anderen Hand vor, er stand dem Fremden nun in einer Entfernung von rund vierzig Fuß gegenüber.
Ich beobachtete die zwei. Sie verharrten reglos im Gras – jeder war in Rot gekleidet, behelmt und mit ähnlichen Waffen ausgestattet. Keiner von ihnen würdigte mich eines Blickes, man hatte mich komplett vergessen. Ich kniete in dem Zirkel und versuchte, mich zu befreien, konnte es aber nicht. Schließlich gab ich es auf.
Die Gräser der Wiese wiegten sich im Wind und die Wolken zogen am blauen Himmel vorbei.
Lange Zeit rührte sich keiner der Männer, dann hob der Fremde unvermittelt seinen Speer, lachte und rammte ihn in die Erde. »Kajira canjellne!«, wiederholte er heiter.
Kaum zu fassen, er freute sich. Ihm gefiel die Aussicht auf einen Kampf. Wie fürchterlich er war! Wie stolz, wie prachtvoll! Jetzt glaubte ich nicht ohne Grauen, die Wesensart der Männer zu begreifen.
»Kajira canjellne!«, rief der andere Mann.
Dann fingen sie an, einander vorsichtig zu umkreisen.
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