Die Männer betrachteten mich weiter. Das beunruhigte mich, aber ich bewegte mich kein bisschen.
Ich blieb so auf den Knien hocken, wie sie es mir gezeigt hatten. Dabei schaute ich geradeaus und kam nicht einmal auf die Idee, ihren Blicken zu trotzen. Nichtsdestotrotz befürchtete ich, versehentlich etwas zu tun, das sie gegen mich aufbringen würde. Ich zuckte mit keinem Muskel, mein Gewicht ruhte auf den Fersen, ich drückte den Rücken durch und behielt die Hände auf den Oberschenkeln, während ich das Kinn hob. Die Knie hingegen presste ich aus Scham fest aneinander.
Die Männer sagten wieder etwas, das ich nicht verstand.
Ich war fassungslos, als mich der eine mit der Stange seiner Lanze grob dazu zwang, die Beine zu spreizen.
Ich war Judy Thornton, eine Englischschülerin und Dichterin.
Ich musste unweigerlich aufstöhnen. In dieser Position fühlte ich mich unheimlich grazil und doch so hilflos.
Die Haltung, die ich vor ihnen angenommen hatte, so sollte ich später erfahren, war jene einer goreanischen Vergnügungssklavin.
Anscheinend befriedigt, drehten sich diese Monster irgendwann von mir weg. Ich bewegte mich trotzdem noch nicht. Sie begaben sich in die Nähe des Felsens. Wie es aussah, suchten sie dort etwas.
Auf einmal kehrte der Bärtige zurück und blieb nicht weit von mir entfernt stehen. Er sprach wieder mit mir; es klang nach einer Frage. Er wiederholte sie. Ängstlich starrte ich geradeaus, meine Augen füllten sich mit Tränen. »Ich weiß es nicht«, wisperte ich. »Ich verstehe Sie nicht, ich weiß nicht, was Sie wollen.«
Er wandte sich ab und suchte weiter. Nach einer Weile stapfte er abermals zornig auf mich zu und schaute mich an. Sein Begleiter kam ebenfalls. »Bina?«, fragte er sehr deutlich. »Bina, Kajira? Var Bina, Kajira?«
»Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen«, wiederholte ich kleinlaut. »Ich verstehe Sie nicht.«
Ich schlussfolgerte, dass sie nach dem fragten, was sie suchten. Sie hatten sich gründlich in der Umgebung umgesehen und dabei sogar lange Grashalme mit den Spitzen ihrer Speere zur Seite geschoben.
Fündig waren sie nicht geworden.
»Var Bina, Kajira?«, fragte der Bärtige noch einmal.
Ich kniete da, wie sie mich zurückgelassen hatten, mit der schweren Kette an meinem Halsreif.
»Ich weiß es nicht«, flüsterte ich abermals.
Plötzlich schlug er mir jähzornig mit dem Rücken seiner rechten Hand auf den Mund, sodass ich nach links ins Gras kippte. Der Schlag war brutal und schmerzte schlimmer als der erste, die Kraft dahinter, die Unbarmherzigkeit und Schnelligkeit war nicht zu glauben. Ich konnte nicht mehr richtig sehen und kämpfte gleichermaßen gegen die Pein, die Schwärze und das grelles Licht an. Ich verharrte mit gesenktem Kopf, auf allen vieren, auf der Wiese. Abermals schmeckte ich Blut, der Reif an meinem Hals tat weh. Ich spuckte das Blut ins Gras.
Er hatte mich geschlagen; wusste er denn nicht, dass ich eine Frau war? Er zerrte mich mit der Kette am Halsreif auf die Knie und packte mich beidhändig am Schopf.
»Var Bina, Kajira!«, brüllte er. »Var Bina!«
Ich rief: »Ich verstehe Sie nicht! Oh ...« Gequält schrie ich auf, während er meinen Kopf kräftig mit beiden Händen schüttelte. Der Schmerz war kaum auszuhalten. Vergeblich umfasste ich seine Unterarme mit meinen zierlichen Händen.
»Var Bina!«, blaffte er.
»Bitte, bitte!«, rief ich jämmerlich.
Er stieß mich vor sich nieder, sodass die Kette wieder klirrte, dann lag ich plötzlich entgeistert auf der Seite. Nachdem er das Schulterhalfter ausgezogen hatte, warf er es mitsamt dem Schwert in der Scheide beiseite und öffnete nun rasch seinen Hüftgürtel. Bevor er ihn zusammenlegte, entfernte er den Dolch mitsamt seinem Futteral, dann schlug er einmal damit in seine Hand, ängstlich drehte ich den Kopf weg, um ihn nicht ansehen zu müssen. Nun lag ich von ihm abgewandt auf der Wiese. Ich vernahm plötzlich ein Pfeifen in der Luft und schrie vor Pein auf. Wieder und wieder schlug er unbändig auf mich ein. Irgendwann hielt er inne und fragte erneut: »Var Bina, Kajira?«
Ich flehte ihn an: »Bitte tun Sie mir nicht mehr weh.«
Doch er fuhr fort. Ich zuckte zusammen, rutschte bäuchlings im Gras herum, weinte und riss an den Grasbüscheln. Vor lauter Qual begriff ich kaum, dass ich gerade verprügelt wurde! Wusste er denn nicht, dass ich eine junge Frau war?
»Bitte hören Sie auf«, rief ich. »Bitte!« Ich verschränkte die Arme über dem Kopf und presste mich auf die Erde. Jeder Hieb ließ mich erbeben. Ich hätte alles getan, damit er aufhörte. Leider wusste ich nicht, was er von mir wollte.
Endlich ließ er von mir ab, obwohl er immer noch verärgert schien. Ich versuchte gar nicht erst, den Kopf anzuheben, sondern blieb wimmernd liegen, die Hände immer noch über dem Kopf, die Ketten nach wie vor zwischen meinen Beinen, wo sie an meinem Körper entlang bis zum Halsreif führten. Ich hörte, wie er den Gürtel wieder durch das Futteral mit dem Dolch zog und ihn umlegte. Danach hob er den Schultergurt mit dem Schwert auf und zog auch ihn wieder an. Ich schaute nicht hoch, sondern blieb lieber weinend und zitternd an meiner Kette liegen. Ich hätte alles getan, was er verlangte, wirklich alles.
Einer der beiden sprach mich wieder an und stieß mich mit dem Schaft seines Speers.
Ich erhob mich auf Händen und Knien. Die Kette an meinem Halsreif erschwerte es. Abermals wurde ich mit dem stumpfen Ende des Spießes gestoßen.
Mit roten Augen – Tränen klebten an meinen Wangen und dem Oberkörper – und brennenden Schmerzen am Rücken, an den Seiten und den Beinen schob ich die Kette zurecht und kniete mich so hin, wie ich es ursprünglich getan hatte. Mein Mund blutete und ich kniete ganz genau so da wie vorher. Nur, dass man mich zuvor niedergeworfen und verprügelt hatte.
Die beiden Männer diskutierten miteinander. Als sich der Bärtige wieder näherte, erschauderte ich. Er ging vor mir in die Hocke und zog seinen Dolch aus dem Futteral: eine schmale, ungefähr sieben Zoll lange Klinge, zweischneidig und gleichmäßig geschärft. Ohne etwas zu sagen, hielt er sie mir vor das Gesicht. Der andere Mann ging hinter mir in die Hocke. Er fasste mir mit links ins Haar, zog meinen Kopf zurück und drückte den klobigen Metallreif an meinem Hals hoch bis unter das Kinn. Es schmerzte. Dadurch, dass er mich so festhielt, trat meine Schlagader hervor. Sie pochte auffällig unter dem verschließbaren Rundeisen.
»Nein!«, jammerte ich. »Nein!«
Ich glaubte, dass ich wertlos für diese Kerle war. Das feine, rasiermesserscharfe Blatt des Dolches lag weiterhin an meiner Kehle.
»Var Bina, Kajira?«, fragte der Mann. »Var Bina?«
»Bitte!«, wimmerte ich leise. »Bitte!« Ich hätte alles getan, ja, wirklich. Ich hätte ihnen alles erzählt und alles getan, was sie wollten, aber ich wusste nicht was. Mir war es einfach nicht möglich, ihnen die Information zu geben, die sie verlangten.
»Töten Sie mich nicht!«, bettelte ich. »Ich werde alles tun, egal was Sie verlangen! Nehmen Sie mich mit, behalten Sie mich als Geisel, als Gefangene! Als ... was Sie wollen! Bin ich denn nicht hübsch? Kann ich Ihnen nicht gute Dienste leisten?«
Unverhofft, irgendwo aus meinem Inneren, von dem ich gar nicht gewusst hatte, dass es so tief war, kam es mir – nein, überkam es mich, erschreckte und verblüffte mich mit meiner eigenen Sündhaftigkeit. »Töten Sie mich nicht! Ich bin sogar bereit, Ihre Sklavin zu werden! Ja! Ja! Ich bin bereit, Ihre Sklavin zu sein! Ihre eigene Sklavin! Töten Sie mich nicht! Ich werde Ihnen dienen! Lassen Sie mich Ihre Sklavin sein! Ich bitte darum, Ihre Sklavin sein zu dürfen!«
Ich erschauderte vor Grauen, vor Empörung und wegen der Schmach dessen, was ich gerade gesagt hatte. Dann jedoch flüsterte ich tollkühn, verzweifelt und dennoch selbstbewusst, resolut und ohne zu leugnen, während ich nach oben schaute, weil er mir den Kopf mit den Händen in meinen Haaren nach hinten zog.
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