„Hast du nicht davon gehört? Die Situation unseres Ordens wird in Europa immer prekärer“, sagte Perrot leise und nutzte einen Moment, in dem niemand in unserer Nähe war. „Die Höfe von Spanien und Portugal haben vor, unsere jesuitischen Brüder des Landes zu verweisen, und auch in Rom müssen sie Angriffe der anderen Orden erdulden.“ Perrot zog die Augenbrauen zusammen. „Seit langer Zeit hat unsere Kirche in Beijing keine jährlichen Zahlungen mehr erhalten, so dass wir unseren Lebensunterhalt nur noch von ein paar Spenden aus Übersee und Ersparnissen vergangener Zeiten bestreiten können. Aber wie lange wird das reichen?“ Frater Perrot fuhr fort: „Unsere Oberen in Europa sind außerhalb unserer Reichweite und vor allem damit beschäftigt, sich selbst zu schützen.“ Perrot war sehr besorgt. Es wirkte wie ein Selbstgespräch, da weder Frater Attiret noch ich irgendeine Antwort gaben.
„Wie groß ist die kaiserliche Werkstatt?“, brach ich das Schweigen mit einem Themenwechsel. Frater Attiret antwortete, dass es zwei davon gäbe, eine innerhalb von Beijing, die andere im Sommerpalast Yuanmingyuan, dem Garten der vollendeten Klarheit. Das Quartier zum Glückszepter diene insbesondere als Werkstatt für die Maler. „Es liegt im Yuanmingyuan“, sagte Frater Attiret. Er und die anderen westlichen Maler hielten sich, von Ausnahmen abgesehen, nicht in Beijing auf, sondern seien die meiste Zeit im Sommerpalast. Im Quartier zum Glückszepter und der Uhrmacherwerkstatt arbeiteten derzeit insgesamt sieben ausländische Maler und Uhrmacher.
„Wird in den Werkstätten auch Porzellan hergestellt?“, fragte ich.
„Die Vorlieben des Kaisers wechseln häufig, das wirst du mit der Zeit auch noch merken. Aber recht beständig ist er in seiner Wertschätzung des puderfarbenen Porzellans. Erst kürzlich hat er Chinas Manufakturen für farbiges Porzellan hochgelobt.“ Frater Attirets Gewand war mit Farbe bespritzt. „Ich bin eigentlich nur ein Handwerker. Was der Kaiser will, das male ich.“ Er sprach es nicht aus, aber ich erriet, was er sagen wollte: Den Kaiser zufriedenzustellen ist mühsam und der Umgang mit den Eunuchen alles andere als leicht. Er erzählte, dass alle Arbeit, die der Kaiser anordne, als äußerst wichtig und eilig gelte. Der Jesuit und Maler Giuseppe Castiglione male beispielsweise für den Kaiser gerade Blumenmuster auf Vasen. Natürlich wurde ich hellhörig: „Also wird im Palast Porzellan hergestellt?“
„Die Rohlinge werden in Jingdezhen hergestellt und zum Glasieren in den Palast gebracht. Manchmal wird Bruder Castiglione dann gerufen, um die Pigmente und Glasuren für den Porzellanbrand zu inspizieren.“
„Gibt es denn im Palast einen Brennofen für Porzellan?“
„Davon weiß ich nichts.“
Frater Attiret sieht so arglos aus wie ein neugeborenes Kind, aber ich kann sehen, dass er schon einigen Kummer ertragen musste, denn dieser hat sich in sein Gesicht gegraben.
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