„Gespräche mit den angrenzenden Verbandsgemeinden also?“
„Ja, aber was soll die Fragerei?“, wurde Schultze nun sichtlich ungeduldig. „Kooperationsgespräche sind keine Fusionsgespräche. Dieses Recht hat doch jeder. Ich weiß immer noch nicht, was das mit meinem … was das mit dem zu tun hat, was man mir angetan hat.“
„Vielleicht hat der Täter da etwas missverstanden“, flüsterte Overbeck Leni zu. „Das wäre eine Erklärung.“
„Was sagen Sie?“ meldete sich Schultze. „Sie wissen doch etwas?“
„Herr Schutze, wir werden wieder auf Sie zukommen. Vielleicht wissen wir in den nächsten Tagen mehr“, versuchte Leni im ruhigen Ton weitere Fragen im Keim zu ersticken.
Die Diskussion war ohnehin beendet, denn die Tür des Krankenzimmers öffnete sich und ein Mann in weißem Kittel und dem Namensschild Dirk Paulus stellte sich als der Stationsarzt vor.
„Die Herrschaften von der Kripo? Dr. Paulus, mein Name“, stellte er sich vor. „Da hat jemand Onkel Doktor gespielt. Körperverletzung mit anschließender Wundversorgung. Wie nennt man so etwas in Ihren Kreisen? Tätige Reue?“
„Bei tätiger Reue wäre der Finger wieder dran“, belehrte ihn Overbeck schnippisch. „Beschreiben Sie uns die Verletzung.“
„Da gibt es nicht viel zu berichten“, sagte Paulus und nahm die Hand Schulzes in die seinen, als beobachte er durch den Verband, was er den Beamten beschrieb. „Wer auch immer das war, er hat die Fingerkuppe des kleinen Fingers im Gelenk abgetrennt und die Wunde anschließend versorgt.“
„Er hat ihn verbunden und den Finger mitgenommen, wollen Sie sagen?“
„Genau, aber das wissen Sie ja auch. Wenn Sie mich fragen, ob hier fachlich vorgegangen wurde, so muss ich das verneinen. Es kam zwar ein Skalpell zur Anwendung, aber die Abtrennung des Gliedes war schon dilettantisch. Wir haben den Finger nun fachmännisch versorgt und die Wunde vernäht. Haben Sie den Finger eigentlich gefunden?“
„Das wurde er bereits gestern.“
„Warum haben Sie ich nicht hergebracht? Man hätte zumindest versuchen können, ihn anzunähen.“
„Aus dem einfachen Grund, weil wir vor einer halben Stunde erst erfahren haben, dass sein ehemaliger Eigentümer Herr Schultze ist.“
Overbeck sah Leni an. „Hast du noch Fragen?“
„Eine vielleicht noch, Herr Doktor: Wie kommt man als Nichtmediziner in den Besitz eines Skalpells?“
„Das ist nun wirklich kein Problem“, sagte Paulus und schüttelte dabei bedächtig den Kopf. „Im Internet können Sie Hunderte davon bestellen, ohne dass sich jemand dafür interessiert.“
„Ich gehe davon aus, Sie werden Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung stellen?“, wandte sich Overbeck an Schultze. „Ich schlage Ihnen vor, dass Sie damit warten, bis Sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. Wir melden uns bei Ihnen. Ich habe das Gefühl, dass sich bis dahin einiges tun wird.“
„Warum eigentlich Schultze? Ein Ortsbürgermeister? Verstehe ich nicht“, fragte Leni, als sie das Krankenzimmer verlassen hatten.“
„Vielleicht denkt der Täter, sein Opfer müsse in der Kommunalpolitik angesiedelt sein. Er hat die Politik auf dem Kicker, also hält er sich an Politiker.“
„Aber Schultze kann doch am wenigsten für eine geplante Reform. Verantwortlich sind doch die da oben.“
„Da gebe ich dir Recht, Leni, aber was ist, wenn Schultze ein Befürworter der Reform ist und der Täter weiß das? Es wurde ja immerhin viel geschrieben in der Zeitung in den vergangenen Wochen. Auch die Gemeinden haben ihr Statement angegeben. Wir werden uns darum kümmern. Die Zeitungsartikel können wir im Internet abrufen.“
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