»Ist was, Liebling?«, hatte sie ihn endlich gefragt und er hatte schweigend, aber verneinend den Kopf geschüttelt. Womöglich hatte das verbiestert ausgesehen? Jedenfalls war ihm das sorgenvolle Mienenspiel seiner Frau nicht entgangen, hatte sie deshalb ganz besonders freundlich und beruhigend angelächelt.
Seinen Entscheid, Henry Huxley in die Türkei zu begleiten, hatte sie ohne Widerrede entgegengenommen und Alina hatte den in wenigen Tagen anstehenden Lichtumzug ihrer Schule wohl im Moment vergessen, legte jedenfalls keine Widerspruch ein. Sie fragte nur, ob sie ihn den nicht begleiten konnte, was er bedauernd verneinte.
War es Scham oder Gerissenheit, dass er sich in dieser Nacht ganz besonders intensiv um Alabima bemühte? Er hatte nach dem zu Bett gehen nach ihr gegriffen, hatte sie stürmisch geküsst und geleckt, ihr das Negligé vom Körper gestreift, sich auf sie gesetzt, mit ihren Brüsten gespielt, seinen Penis zwischen ihnen steif gerieben, hatte ihre Zunge über seine Eichel streichen lassen, ihre dunkelroten Lippen gespürt, war wenig später in sie eingedrungen, in dieses heiße, feuchte, schwüle Fleisch, dass ein anderer besessen hatte, zumindest noch vor zwei Jahren, vielleicht aber auch noch kürzlich? Ob der verdammte Kerl sie auch auf diese Weise gestoßen hatte? Oder von hinten? In all ihre Löcher?
Seine hässlichen Gedanken übernahmen die Kontrolle über ihn und er spürte, wie sein Penis zu erschlaffen drohte.
Schei ß e , schrie es in ihm, ich muss an was anderes denken .
Sofort stiegen Bilder von Monique auf. Das schneeweiße, pummelige Mädchen mit den Hängebrüsten, wie sie sich von ihm benutzen ließ, ihre Qualen wie Geschenke entgegennahm, den Schmerz begrüßte, den ihr der Meister zufügte, sich hemmungslos seiner Lust hingab, nach noch mehr verlangte, nach Demütigungen, Schlägen, Peitschenhieben und heißem Wachs, wie sie sich wie ein Wurm in ihren Fesseln windete, wie sie ihre Schenkel lüstern spreizte und mit den Fingern ihre Schamlippen für ihn auseinanderzog, damit er sie möglichst hart stoßen konnte.
Die Bilder in seinem Kopf erzielten die gewünschte Wirkung. Jules konnte sich wieder auf Alabima konzentrieren. Ihre dunkle Haut glänzte vor Schweiß. Sie hielt ihre Augen geschlossen. Ihr Gesicht lag ruhig. Nur ihre Mundwinkel zuckten, im Rhythmus des Lustgefühls, das auf und ab schwappte, sich immer mehr steigerte.
Komm endlich, du Hure , schoss es ihm durch den Kopf und das Wort Hure störte ihn seltsamerweise nicht, war für ihn eher Ansporn. Er steigerte seine Kadenz, klatschte laut gegen ihre großen Schamlippen, die sich mit der Geburt der Tochter erweitert hatten, spürte die Anspannung ihrer Schenkel und ihres Unterleibs, wie sie sich aufrichtete, ihm entgegen hob, offen für ihn und für alles. Und endlich konnte er mit einem lauten Grunzen in sie hineinspritzen, seinen Samen in sie vergießen und gleichzeitig spüren, wie auch sie kam, mit langgezogenem Stöhnen, das später fast in ein Wimmern überging und dann durch ein heftiges Keuchen abgelöst wurde. Noch immer stieß er in sie hinein, holte wohl den letzten Tropfen aus seinem Hodensack, fühlte gleichzeitig auch die Lust bei Alabima langsam abklingen, blieb heftig atmend auf ihr liegen, stützte sich mit den Unterarmen auf der Matratze ab, wollte nicht zu schwer auf sie niederdrücken.
»Oh, Jules, du bist der beste Liebhaber der Welt.«
Verhöhnte sie ihn? Bestimmt hatte dieser verfluchte Babtiste einen Riesenschwanz, auf dem sie gemeinsam gen Himmel geritten waren, immer und immer wieder. Vielleicht auch noch in letzter Zeit? Vor einer Woche? Einem Monat? Freddie würde das bestimmt noch herausfinden können, falls dem so war. Und bis dahin?
In wenigen Stunden konnte er abreisen, Henry in Istanbul treffen, mit ihm weiter zum Kloster Mor Gabriel fliegen, ein paar Tage lang seine Gedanken und Gefühle ordnen. Doch was hatte er schon für Möglichkeiten? Trennung? Niemals. Verachtung? Das wäre kein Leben.
Hilflosigkeit?
Er löste sich von Alabima, legte sich neben sie, spürte ihre tastende Hand und wie sie seinen rechten Arm ergriff und ihn liebevoll festhielt.
War es wichtig, was vor zwei Jahren oder so geschehen war? Wie die Umstände lagen? Was Alabima für diesen Studenten damals empfunden hatte?
Jules spürte die Eifersucht. Aber nicht aufgrund der Untreue seiner Frau, sondern nur der Gefühle, die sie diesem Jean-Robert womöglich entgegengebracht hatte.
Oder war dieser Kerl bloß ein Callboy gewesen? Einer, den sich die Frauen kauften, um ein paar nette Stunden zu verleben?
Der Schweizer schallt sich einen Narren, dass er nicht gleich auf diese Idee gekommen war. Freddie konnte bestimmt herausfinden, ob sich dieser ewige Student als Lustknabe verkauft hatte, womöglich sogar an beiderlei Geschlecht. Das hätte alles am Ehebruch von Alabima geändert, wäre dasselbe gewesen, wie seine Untreue mit der achtzehnjährigen Monique, der kleinen, pummeligen Sklavin aus dem Sado-Maso Club in Vevey.
Oder zumindest etwas Ähnliches.
Doch warum hatte ihm seine Frau dann nicht von diesem Babtiste erzählt, als er sich ihr gegenüber offenbart hatte? Und wie passten die Porno-Fotos von Alabima in dieses neue Bild eines gekauften Callboys?
Erneute Zweifel stiegen in Jules hoch, zusammen mit einer kaum zu kontrollierenden Wut.
Er würde Freddie morgen früh vom Flughafen aus noch einmal anrufen und ihn mit weiteren Abklärungen beauftragen. Jules musste unbedingte Gewissheit erlangen, bevor er Alabima zur Rede stellte. Sonst konnte ihm das Gespräch rasch entgleiten. Und Kontrolle war das, was Jules unter allen Umständen behalten musste, das spürte er.
Endlich nahm er die ruhigen Atemzüge einer Schlafenden neben sich bewusst wahr, löste vorsichtig seinen Arm aus ihrer Hand, rückte ein wenig von ihr ab. Die Laken würden morgen früh bestimmt von seinem Samen getränkt sein, wahrscheinlich auch die Matratze.
Hatten es Alabima und dieser Babtiste etwa auch hier, auf ihrem Ehebett, getrieben? Lag er seit zwei Jahren auf den Samenergüssen eines anderen?
Jules ekelte sich plötzlich, rückte noch weiter wen und zum Rand der Matratze hin, wälzte sich vorsichtig über die Kante und landete neben dem Bett, richtete sich dort leise auf, nahm den Morgenmantel von der Sessellehne, schlüpfte hinein, gürtete sich, verließ das Schlafzimmer lautlos wie ein Geist.
Eine halbe Stunde lang schlich er durchs Haus, erst die Treppe hinunter in die Eingangshalle, von dort hinüber ins Wohnzimmer, dann hinunter in den Keller. Er musste sich für die Reise in die Türkei eh noch mit etwas Bargeld ausstatten. Später stand er wieder im Wohnzimmer an der Fensterfront zum Garten. Lange starrte er hinaus in die Dunkelheit, erkannte den See, der an manchen Stellen vom Mondlicht getroffen wurde und geheimnisvoll schimmerte. Die Wolkendecke musste aufgerissen haben. Vielleicht gab es morgen einen etwas schöneren Tag? Er hatte keinen Wetterbericht gehört.
Jules spürte seine Müdigkeit. Er tapste bis zum Sofa, ließ sich darauf nieder, streckte sich auf ihm aus. Das Leder fühlte sich unangenehm kalt an durch den seidenen, dünnen Morgenmantel. Gleichzeitig wirkte die Kühle aber auch äußerst erregend auf ihn. Er begann an seinem Penis herumzuspielen, spürte die Reste seines Ergusses an den Fingern kleben, was schmutzig und darum verlockend zugleich war und sein Glied rasch versteifen ließ. Ja, seine Lanze richtete sich nun steil auf, war härter als zuvor bei seiner Frau, fühlte sich stark und mächtig an. Nur kurz dachte Jules wieder an Monique. Danach an andere Frauen in seinem Leben, an Dr. Grey, die er allerdings noch nie nackt gesehen hatte. Ihr Pferdegesicht mit dem etwas zu langen Hals saß auf geraden, beinahe männlichen Schultern. Zwei kleine, feste Brüste mit riesigen Warzenhöfen, dazwischen ein mit Sommersprossen übersäter Busen, ein recht flacher, schon welker Bauch und die schmalen Hüften eines Knabe, dazu lange, dünne Oberschenkel, zwischen ihnen ein brauner oder gar roter Wulst an Haaren. Sie rieb ihre Klitoris ohne Scham vor ihm, machte sich geil und bereit, würde sich gleich auf ihrem schmalen Patientensofa hinlegen, ihre Schenkel weit spreizen und ihn lockend zu sich rufen, ihn in sich aufnehmen, kühl und alles beherrschend, denn sie war die Doktorin, die Psychologin, die alles im Griff behielt und er ihr Sklave und Liebhaber, der tat, was sie ihm befahl. Wie herrlich musste es doch sein, von ihr angeleitet, ja befohlen zu werden. Stoß mich, du Dreckskerl , herrschte sie ihn in seinen Gedanken an, fester, du Schlappschwanz . Er tat, wie ihm geheißen, gab sich größte Mühe, konnte ihren Ansprüchen trotzdem kaum gerecht werden, wie ihre Worte ihm bewiesen. Lass es sein, du kleiner Wicht. Du bringst es nicht. Dafür darfst du mich nun lecken. Hopp, knie dich dort auf den Boden.
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