Zu seinen Eigenarten gehört es, dass er im alkoholisierten Zustand und ganz im Gegensatz zu seinem grimmigen Aussehen, jeden der ihm begegnet, überfallartig begrüßt und abküsst - ein für Betroffene sehr gewöhnungsbedürftiges Vergnügen.
Im Moment ist er gerade dabei, Karin zu umarmen und zu küssen. Deren Begeisterung über diese stürmische, feuchte wie geruchsintensive Begrüßung hält sich sehr in Grenzen. Da er trotz ihres Widerstandes nicht von ihr ablässt, kommt ihr Wolfgang zur Hilfe, um sie zu befreien, wird nun aber selbst abgeküsst. Das löst bei Wolfgang einen Wutanfall aus. Er wehrt sich unverhältnismäßig heftig gegen die unerwünschten Liebkosungen. Ich bin überzeugt davon, wenn Georgios und Spyros nicht eingegriffen hätten, wäre Wolfgang tätlich geworden. Schon die jetzige Reaktion empfinde ich als überzogen und verstehe seine Aggressivität nicht. Aufgewühlt und zitternd vor Erregung, läuft er zur Toilette, um sich zu säubern. Georgios redet derweil ruhig, aber energisch auf Theophilos ein und schiebt ihn mithilfe von Spyros in Richtung Tür. Nur widerstrebend lässt sich dieser wegschleppen, wehrt sich an der Tür beharrlich gegen den Rausschmiss, kichert laut und ruft uns Unverständliches zu.
Meinem Leichtsinn, mich umzudrehen, ist es zuzuschreiben, dass Theophilos neue Kräfte mobilisiert, sich losreißt und auf mich zustürmt, mich umarmt und mir die linke Gesichtshälfte abschleckt. Ich drücke ihn von mir weg.
Georgios und Spyros fangen ihn wieder ein, bringen ihn zurück und bugsieren ihn durch die Tür nach draußen.
Theophilos verschwindet in der Dunkelheit, steht aber bereits im nächsten Moment wieder wankend in der Terrassentür und ruft etwas.
Spyros springt auf und will sich auf den Eindringling stürzen. Bevor er ihn jedoch erreicht, ist dieser blitzschnell verschwunden und bleibt es.
Die Lust am Singen ist vergangen. Die Bouzouki wird verpackt. Ein Ouzo wird von Georgios als Gute-Nacht-Trunk angeboten, und man macht sich auf den Weg ins Nachtquartier. Ich warte, bis Anna und Klaus aufbrechen.
Vor dem Verlassen des Raumes, Klaus befindet sich bereits draußen, dreht Anna sich zu mir um und schaut mich mit einem Anflug von Traurigkeit an. Ich puste ihr einen Handkuss zu. Sie greift mit der Hand in die Luft, tut so, als finge sie ihn auf und führt die geschlossene Hand an ihren Mund. Ihre Mimik sagt, dass sie ihn genießt. Nun öffnet sie ihre Hand, küsst die Handfläche und pustet ihren Kuss zu mir zurück, winkt den anderen zu, geht heraus und schließt die Tür.
Eleni hat diese Szene genau beobachtet und sagt ironisch: „Aha, nun hast du mich wirklich überzeugt, dass sie nicht deine neue Freundin ist“, dann mit leichtem Vorwurf, „mir brauchst du doch nichts vorzumachen!“
Schuldbewusst verabschiede ich mich von Eleni, nehme den letzten Schluck Ouzo und spüle danach das restliche Bier herunter, schleppe mich die Treppe hinauf und erreiche etwas betrunken und nach Ziege riechend mein Zimmer. Ich wasche gründlich mein Gesicht, um die Überbleibsel von Theophilos
Freundschaftsbekundungen zu beseitigen.
Es ist halb vier Uhr morgens. Hinter den Bergen im Osten wird es hell. Ich falle in mein Bett, durchlaufe in Gedanken noch einmal den Abend. Dabei sehe ich Annas Mund, ihre blonden Nackenhaare und ihr Dekolleté. Mit diesen Bildern schlafe ich ein.
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