Lynn? , rief er mittlerweile in Gedanken nach ihr, weil sie noch immer nicht antwortete.
Er knöpfte sein Hemd zu und eilte die Treppe hinunter. Irgendein seltsamer Geruch lag in der Luft und stieg ihm gleich in die Nase. Vermutlich ein … Hund ? Hatten sie gestern noch Besuch gehabt?
„Komm schon, Lynn. Es ist Zeit, wir sollten uns beeilen.“
In der Küche war sie auch nicht. Das Haus war still und leer. Vielleicht ist sie einkaufen , dachte er und schüttelte den Gedanken gleich wieder ab. Sie wusste doch, dass er nach Woods Hole musste. Etwas genervt über den Verbleib seiner Frau, angelte er sich eine Tasse aus dem Schrank, als sein Blick auf den Tisch fiel und auf den kleinen Zettel, der dort lag. Er trug ihre Handschrift. Tom stutzte für eine Sekunde, stellte die Tasse ab und überflog die geschwungenen Zeilen.
Tom,
ich besuche eine Freundin aus meiner Zeit in Colorado,
sie verbringt das Wochenende in Philadelphia.
Sollten dir in der Zwischenzeit ein paar gute Gründe einfallen,
wieso du mich zurückhaben willst, lass es mich wissen.
Lynn
Fassungslos las er die Nachricht noch einmal. Das konnte unmöglich ihr Ernst sein! Mit zerknirschtem Gesichtsausdruck knüllte er das Papier zusammen und schleuderte es brüllend an die Wand. Dann raufte er sich die Haare. Sollten sie doch alle verschwinden! Er würde schon irgendwie allein zurechtkommen. Wenn es das war, was die Menschenwelt ihnen zu bieten hatte …
Tom sank zu Boden und ließ sich von jener Schwäche überkommen, gegen die er zunehmend machtlos war. Lange würde es ohnehin nicht mehr gutgehen mit ihm und dem Vakuum in seinem Kopf. Allein, dass er doppelt so viel geschlafen hatte, als er jemals benötigt hätte, zeigte ihm, dass die gähnende Schwärze einen weiteren Triumpf in ihm errungen hatte. In Sekundenschnelle huschten gleißende Blitze durch seine Erinnerungen. Bilder aus einer längst vergangenen Zeit an Lehandras Seite. Einer Zeit, in der er die Kraft zu Kämpfen noch gehabt hätte. Doch jene Zeit war längst in lähmender Schwäche untergegangen.
Kriemhild
Es war der letzte Abend vor Saras Abreise nach Hamburg. Kriemhild verbrachte ihn mit ihrer Freundin in einem Café. Irgendwie hatte der Ort etwas vom Judy’s, dem Lokal in Falmouth, auf das Brooke schwor. Kriemhild schaute betrübt auf ihren Drink hinab. Wieder einmal musste sie Abschied nehmen. Eine unangenehme Angelegenheit, die sich in letzter Zeit ziemlich häufte, wie sie fand.
„Mann, zieh doch nicht so ein Gesicht.“ Sara lachte und stieß sie beinahe vom Hocker. „An den Wochenenden bin ich ganz bestimmt oft hier und so weit ist Hamburg auch wieder nicht. Außerdem – wenn wir mal ehrlich sind – war es deine Entscheidung, nicht mitzukommen.“
Kriemhild nickte. „Das weiß ich. Und bis Hamburg sind es fast zwei Stunden.“
„Immerhin näher als Boston.“
„Klingt hart.“
„Hart aber wahr, Süße.“
„Nett, dass du mich daran erinnerst.“
„Okay, sorry. Themawechsel, bevor du mir noch an zu heulen fängst. Wie war eigentlich deine Rückfahrt mit Mats?“, fragte Sara und legte den Kopf auf die Seite.
„Sehr nett. Ist ein lustiger Kerl.“
„Lustig also? Dann wird Justus wohl auch bald ein bisschen Spaß haben in der Klapse. Ups – ich meinte natürlich in der psychiatrischen Anstalt.“
„Mats meinte, es wäre gut möglich, dass sie ihn wieder hinbekommen. Puh, das will ich hoffen“, sagte sie und rührte in ihrem Glas.
„Das geht auch nur so lange gut, bis der arme Kerl von deiner Heirat erfährt.“
„ Sara ! Du bist schlimm heute!“, rief Kriemhild, und wollte gar nicht erst darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn Justus von Sam erfuhr … „Hast du Frank eigentlich davon erzählt?“ Die dunklen Augen ihrer Freundin blitzten vergnügt auf. „Na klar und zwar ganz einfühlsam! Du kennst mich doch. Aber soll ich dir was sagen? Eigentlich hatte ich es mir viel spaßiger vorgestellt und hätte mich zu gern an seinem leidenden Blick geweidet. Aber dann … dann tat er mir doch irgendwie leid.“
„Echt, so schlimm? Erzähl.“
Sara ließ sich in die Lehne fallen und zuckte mit der Schulter. „Naja, viel gibt’s da nicht zu erzählen. Außer, dass ihn fast der Schlag getroffen hat. Er dachte, ich würde Scherze machen. Aber – wie wohl jeder von uns – glaubt Frank auch nicht wirklich, dass das von Dauer sein wird. Er ist der festen Überzeugung, dass du erst noch herausfinden musst, was für ein cooler Typ er ist.“
„Ja, sicher!“, rief Kriemhild und schüttelte den Kopf. „Ich finde es ziemlich enttäuschend, dass ihr mich alle so wenig kennt.“
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