Ludwig Witzani - Europas wilder Osten

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Es gibt einen Teil Europas, der durch die Verwüstungen der Geschichte in besonderer Weise betroffen wurde, ohne dass die Fortschritte der Moderne bereits Platz gegriffen hätten. Diesen Teil Europas bezeichnet der Autor als den «wilden Osten Europas». «Wild» ist dieser Osten nicht, weil er unkultiviert wäre, sondern weil der schmerzhafte Prozess der nachsowjetischen Transformation die Menschen dieser Region einem Stress ausgesetzt hat, wie er im Westen seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr empfunden wurde. Ludwig Witzani ist auf einer selbstorganisierten Reise mit Eisenbahnen, Bussen und eigenem Fahrzeug kreuz quer durch Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine gereist und ist auf Spuren großer Geschichte, aber auch auf eine existentielle Dürftigkeit getroffen, wie sie in anderen Teilen Europas seit hundert Jahren überwunden ist. Der Autor war in Belgrad, Sofia, Bukarest, in Czernowitz und Lemberg, in Chişinău, auf der Krim und in Kiew und begegnete einem urwüchsigen Willen zur Neugestaltung, aber auch einer viel intensiveren Verklammerung von Alltag und Religion, von Nation und Identität, aber auch einer erschreckenden Korruption. In Gestalt sehr persönlicher, geschichtlich immer wieder vertiefter Zugänge wird ein Weltteil sichtbar, der sich darauf vorbereitet, «nach Europa zurückzukehren.»

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Am Abend spazierte ich das Ufer von Nessebar entlang und erblickte den gewaltigen Sonnenstrand-Komplex auf der anderen Seite der Bucht. Aus der Entfernung hätte man die sich hoch auftürmenden Hotelburgen für eine steinerne Gischt halten können, die sich unterhalb der Berge brach. Tausende Lichter spiegelten sich im Meer, tausende Sterne leuchteten vom nächtlichen Himmel, zehntausende Touristen saßen beim Abendessen.

Weiter ging die Reise von Nessebar nach Varna. Der Busfahrer war ein Kamikazefahrer, der während der Überholmanöver stets sein Handy am Ohr hatte. Stoisch nahmen es die Passagiere hin, ihre Köpfe wackelten im Rhythmus von Beschleunigung und Bremsen. Die Landschaft glich einem spärlich besiedelten Bayerischen Wald mit abgefackelten Wiesen. Hier und da stand eine Bäuerin am Straßenrand und bot Gemüse an. Kinderköpfe blickten über Zäune, Hunde liefen bellend dem Bus hinterher. Schließlich war der Stadtrand von Varna erreicht, und vergammelte Wohnblöcke, Müllhalden und Schlaglöcher ließen nichts Gutes erwarten. Dann aber kam es doch ganz anders. In seinem Zentrum entpuppte sich Varna als eine überraschend lebendige und schöne Stadt. Vielleicht war es auch nur die Abwesenheit von Touristenmassen, die mich für Varna einnahm. Endlich wieder breite Alleen, repräsentative öffentliche Plätze und geschichtliche Sehenswürdigkeiten von Rang.

Varna, das antike Odessos (das gerne mit dem nördlicher gelegenen und viel jüngeren ukrainischen Odessa verwechselt wird) war ein seit Jahrtausenden bewohnter Ort. Wie alle Städte der Schwarzmeerküste hatte die Stadt die typischen Etappen der südosteuropäischen Geschichte durchlaufen: auf die griechischen Kolonisten waren die Römer und Byzantiner, dann die Slawen und schließlich die Türken gefolgt, ehe im 19. Jahrhundert die Epoche der nationalen Unabhängigkeit einsetzte, in der Varna zum wichtigsten Schwarzmeerhafen des Landes aufstieg.

Immerhin verfügte die Stadt über eine Attraktion, die bis in die vorantiken Zeiten zurückreicht. Seitdem das Grab eines thrakischen Fürsten aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend mit hunderten kunstvoll bearbeiteter Goldgegenständen gefunden worden war, war das „Gold der Thraker“ in aller Munde. Inzwischen vertritt die bulgarische Geschichtswissenschaft sogar die These, nicht auf Kreta, sondern auf dem Territorium des heutigen Bulgariens sei die älteste europäische Kultur entstanden. Bulgarien war demnach nicht nur das „erste“ aller slawischen Länder, sondern hütete auf seinem Territorium auch die Überreste der ersten europäische Hochkultur. Wie zur Bekräftigung dieses Anspruchs hatte man die schönsten Fundstücke aus den thrakischen Fürstengräbern unter dem Etikett „Das Gold der Thraker“ jahrelang auf Welttournee geschickt, ehe sie im Nationalmuseum von Varna ihren dauerhaften Platz gefunden hatten.

Optisch machte dieses Uraltgeschmeide im Nationalmuseum von Varna aber wenig her. Mit dem Schmuck verhielt es ich umgekehrt wie mit dem Wein. Wurde er älter, wurde er nicht unbedingt besser. Die anderen Exponate des Museums sagten mir mehr zu, vor allem die griechischen Emporen, in dem der Wein des Schwarzen Meeres gelagert worden war. Hatte der römische Kolonist, der hier weitab vom Zentrum der antiken Welt nach seiner Dienstzeit leben musste, genug getrunken, fuhr er in die Grube, nicht ohne einen aufwändigen Grabstein in Auftrag zu geben, von denen die bemerkenswertesten Exemplare im Nationalmuseum zu besichtigen waren.

So vergingen die Jahrhunderte, die römische Zivilisation verschwand, die Slawen und die Türken kamen, da erschienen im Jahre 1444 Tausende Ritter samt Knappen und Gefolge vor den Toren der Stadt. Ein Kreuzfahrerheer war aus dem Herzen Europas aufgebrochen, um der bedrängte Kaiserstadt Konstantinopel zu Hilfe zu eilen. Die Türken vernichteten dieses Heer bis auf den letzten Mann. Dem jungen polnisch-ungarischen König Wladislaus III wurde der Kopf abgeschlagen und dem Sultan als Zimmerschmuck geschickt. Es existierte sogar ein Museum über die Schlacht von Varna, aber ich fand es einfach nicht, so intensiv ich die Passanten auch befragte. Die Schlacht von Varna lag bereits derart weitab in der Vergangenheit, dass man auch noch vergessen hatte, wo sich das Museum über diese Schlacht befand.

Der abschließende Besuch am Strand von Varna entpuppte sich als ein Schuss in den Ofen. Die Stadt lag zwar ansehnlich an einer weit geschwungenen Bucht, besaß aber weder eine schöne Corniche noch einladende Stadtstrände. Aber der Südosteuropa-Tourist war hart im Nehmen. Die Gerüche in der Nähe der Entwässerungsrohre schienen die Badegäste nicht zu stören. Eine Kombo spielte unverdrossen bäuerliche Weisen, während die Strandbesucher bei Bedarf ihre Notdurft hinter den Büschen verrichteten. Sehr viele Katzen waren in der Nachbarschaft der Strandrestaurants unterwegs, was immer ein schlechtes Zeichen ist, weil es darauf hindeutet, dass sie von den Gästen mit Essen gefüttert werden, das ihnen selbst nicht schmeckt.

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Denkmal der Asen Könige - Veliko Tarnowo

Von einer Fremdherrschaft

in die nächste

Späte Blüten in Veliko Tarnovo und Russe

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen vom Schwarzen Meer. Fast einen ganzen Tag fuhr ich im Bummelzug nach Westen und ernährte mich von den hartgekochten Eiern, die auf den Bahnsteigen angeboten wurden und dem Tee, den die Zugbegleiterin vorbeibrachte.

Als ich Veliko Tarnowo erreichte, war Sonntagnachmittag, und der Ort glich einer evakuierten Geisterstadt. Außer ein paar Einheimischen, die sich voll laufen ließen, und einer Gruppe Türken, die das missbilligend beobachteten, befand sich niemand auf der Straße. Es war heiß, bedeckt, und kein Lüftchen regte sich, als ich einen Aussichtspunkt hoch über der Stadt erstieg. Der Fluss Yantra, der sich schlangenförmig dahinwand, hatte tiefe Schluchten in die Landschaft gefräst, die die einzelnen Wohngebiete voneinander separierten. Holzhäuser, von denen man fürchtete, sie würden jeden Augenblick über die Klippe stürzen, befanden sich in riskanter Lage über den Abgründen.

Kaum zu glauben, dass diese Stadt einmal die Hauptstadt des Landes gewesen war, denn zwischen 1187 und 1393 hatten in Veliko Tarnovo die Könige des “zweiten” bulgarischen Reiches geherrscht. Diesem “zweiten” Reich erging es allerdings wie vielen zweiten Reichen, die auf ein ruhmreicheres “erstes” folgen. Es entsprang wie ein Kobold aus der Kiste der einen Fremdherrschaft, um bald wieder in den Sack einer zweiten zu verschwinden. Mitunter aber sind es gerade die kurzen Träume, an die man sich am längsten erinnert.

1187, nur 17 Jahre vor der katastrophalen Zerstörung und Plünderung der alten Kaiserstadt Konstantinopel, hatten Peter und Assen, zwei junge bulgarische Adlige, den Abfall vom byzantinischen Kaiserreich in die Wege geleitet. Als Balduin von Flandern, der neue lateinische Kaiser des Ostreiches, gegen die Bulgaren zog, erlitten seine Truppen eine schmähliche Niederlage. Kaiser Balduin wurde gefangengenommen und starb elend in der großen Burg von Veliko Tarnovo.

Diese Burg trug den Namen Tsarevets und war mitsamt dem Balduinturm schon von weitem sichtbar (vgl. Seite 24). Gewaltige Wehranlagen umgaben den Burghügel, auf dem sich dereinst 18 Kirchen und 400 Häuser befunden hatten. Vor der Kirche des Patriarchen auf dem höchsten Punkt der Burg war die moderne Großstadt zu erkennen, eine gesichtslose Agglomeration, die sich über mehrere Hügel erstreckte.

Am nächsten Morgen lief ich zur Jandra Halbinsel und besuchte das Denkmal der Assen Könige, die im 13. Jahrhundert Bulgariens Nachbarn noch einmal Mores gelehrt hatten. Überlebensgroß im Morgenlicht sich gewaltig aufbäumende Pferde, weit schwingende Umhänge, gezogene Schwerter und grimmige Gesichter beschworen eine pathetisch übersteigerten Freiheitswillen.

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