„Sie muss erst einmal hierbleiben“, sagte Lucien, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich verwunderte. Aber nichts daran änderte, dass ich mich auf der Stelle wand. Das Keuchen von Velvet ließ mich Schlechtes ahnen. „Ist das dein ernst?“
„Mein voller Ernst“, erwiderte dieser und stellte sich auf. Er verschränkte die Arme vor der muskulösen Brust.
„Vel“, murmelte Gaspar. Doch diese fegte wie ein Tornado zu ihm hinüber. Aus ihren goldenen Augen spuckte Feuer. „Nein, Gas! Sie wird unser Untergang sein!“
„Wir werden sie trainieren“, sagte Lucien.
Sobald er den Satz beendete, sprang Velvet direkt auf mich zu.
„Das ist alles deine Schuld! Deine!“, schrie sie. Von Gas herumgerissen, fing er sie blitzartig ab. Ihre dunklen Haare flogen ihr vor das Gesicht. Sofort rückte ich zur Wand, als Gas Velvet die zitternden Schultern festhielt.
„Sie hat damit nichts zu tun“, sagte Gaspar, mit eindringlicher Stimme. In meinem Kopf herrschte absolute Stille, weil ich nicht wusste, was sie meinte.
Völlig verstört wehrte sie sich gegen den eisernen Griff.
„Ihr könnt mich alle! Ihr Allle!“, kreischte sie und polterte aus dem Zimmer.
„Sie steht auf solche dramatischen Abgänge“, murmelte Lucien. Schluckend nickte ich, weil ich nichts zu erwidern wusste. Gaspar fuhr sich seufzend über die Augen. „Wir müssen klären, aus welchem Clan du kommst. Vorher wird das hier nicht besser.“
„Ein super Vorschlag“, sagte Lucien sarkastisch. „Wenn du mir sagst, wie wir das Rausfinden sag mir einfach Bescheid.“ Dabei lag in seinem Gesichtsausdruck ein Glitzern, das ich nicht einordnete. So kurz andauernd, dass ich blinzelnd auf den Tisch starrte und mich fragte, was ich mir ständig alles einbildete. „Vielleicht wüsste Bayram-.“
„Er kommt nicht“, schnitt er ihm bestimmend das Wort ab. „Jedenfalls nicht vorerst.“ Nach einer ganzen Weile, in der wir nicht sprechen, musterte mich Gaspar eindringlich und mit einer kühlen Distanz in den goldenen Augen, die jetzt fast bronzefarben ausschauten. „Wie kann man sicher sein, dass wir dir vertrauen können?“ Da stellte sich Lucien neben mich. Mit seiner Größe nahm er den gesamten Raum ein. Er sah Gaspar in die Augen. „Auch wenn sie eine verdammte Kratzbürste ist, tue ich es. Dann könnt ihr das auch.“
Überrascht ruderte mein Kopf zu ihm herum. Auf einmal vertraute er mir so stark? Ich musste definitiv aufmerksam bleiben, denn die beiden Männer schienen sich jetzt nur mit den Augen zu unterhalten. Bis Gaspar nickte. „Gut. Dann werden wir dich ab sofort trainieren.“
„Aber warum? Warum ist das so wichtig, dass ich meine Kräfte kontrollieren kann? Bis jetzt habe ich ohne wunderbar gelebt.“ Daraufhin schwiegen die Männer, bis Lucien sagte: „Für´s Erste solltest du uns einfach glauben. Und wenn der Schwarzmarkt öffnet, werde ich Morgana einen Besuch abstatten.“ Mir wurde mulmig zumute, schließlich kannte ich sie kein bisschen. Und doch hatte mich Arse in ihre Obhut gegeben, ohne das ich etwas dagegen tun konnte, ohne auf der Straße zu landen. Bei Luciens Worten tippte sich Gaspar an die vollen Lippen. „Du weißt wie wir dazu stehen.“
Natürlich wurde ich immer neugieriger, aber ich hielt mich erst einmal zurück und ließ die beiden Männer ihre Diskussion führen.
„Ich werde gehen“, antwortete Lucien und stapfte letztendlich aus dem Zimmer. Seufzend kramte Gaspar an der Brötchentüte herum und schnappte sich Marmelade aus dem Kühlschrank. „Er kann so ein Sturkopf sein“, murmelte er konzentriert auf sein Essen.
„Er ist dauernd einer“, erwiderte ich und setzte mich zu ihm an den Tisch. Vorsichtig biss er in eine der Hälfte und leckte sich anschließen die Finger, bis er träge lächelte.
„Auch wieder wahr. Hast du deine Schulsachen dabei?“
Verwundert legte ich meine Stirn in Falten. „Schulsachen?“
„Na Stifte, Blocks und dergleichen.“
„Wir gehen morgen in die Schule?“ Bei meinem Entsetzen in der Stimme lachte der Hexer. „Natürlich. Wir müssen doch auch irgendwie leben.“ Mich wunderte eh schon die ganze Zeit, wer von den jungen Leuten sich dieses Haus leistete, erst recht, wenn es alles Schüler waren.
„Ja, wir gehen morgen in die Schule. Wir machen alle unseren Abschluss dieses Jahr.“
Ich brauchte noch ein weiteres. Kein Wunder, dass ich Lucien nie sah, wir hatten völlig unterschiedlichen Unterricht. Vielleicht war es Erleichterung, die ich verspürte. Ein Stück Normalität nahm man mir nicht. „Ich habe noch gar nicht alle Bücher bekommen. Aber Stifte und Blöcke habe ich bei.“
„Sehr schön“, erwiderte er und stellte seinen krümeligen Teller mit einem zarten Plumpsen in die Spüle. Schnell zog er die Hand wieder weg.
„Alles in Ordnung?“
Sein Körper drehte sich zu mir um, ehe er sich schnell die Hände wusch. „Ja, alles gut.“
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