St. Andreasberg, 18. 12. 56, 15:39
= SEI TAPFER KOMME SONNABEND = KUSS KARIN +
St. Andreasberg, den 18. 12. 56 W
Mein lieber Ernst-Günther! Heute Vormittag habe ich mich vielleicht erschrocken, als ich den Brief von Nepf bekam. Nun hast Du schon bis Weihnachten alles geplant, und jetzt musst Du doch alles liegen lassen und abbrechen. Siehst Du, der Mensch denkt und Gott lenkt. Es fällt Dir sicher nicht leicht, ruhig dort zu liegen und nicht heraus zu können. Aber halte die Ohren steif und verzage nicht, es wird auch wieder anders werden. Ich halte immer zu Dir, das weißt Du doch, was auch kommt. Krankheit und Sorgen sollen unsere Liebe nicht beeinträchtigen, sondern festigen. Wenn wir nur füreinander da sein können, die Gewissheit gibt mir, genau wie Dir, unendlich viel. Freu Dich schon auf Sonnabend, da komme ich zu Dir für zehn Tage, bis Neujahr. – Ich hatte heute ein Päckchen zu Tante Friedel geschickt und konnte es nicht mehr aufhalten. – Unserer Verlobung steht auch kein Krankenhaus im Wege. Die Ringe und Karten hole ich schon, wenn Du noch keinen geschickt hast. ...
So, mein Guter, sei fein tapfer und behalte mich lieb. Es küsst Dich herzlichst Deine Karin
Vielen Dank für Deinen lieben Brief vom Sonnabend.
Und wieder geht die Sonne auf, als Du das Krankenzimmer betrittst und mich umarmst und küsst, natürlich nicht so leidenschaftlich wie sonst, wenn wir alleine sind, aber doch herzhafter als ich erwartet hatte. Bringfried und Rolf, die Dich in Empfang genommen haben, schauen derweil interessiert aus dem Fenster. Am Abend kommt auch Tante Friedel. Ihr wohnt beide in meinem Zimmer bei Kroegers. Da ich mit mehreren anderen Patienten im Zimmer liege, müsst Ihr Euch leider an die Besuchszeiten halten.
Am Heiligen Abend wird die Besuchszeit verlängert. Wir haben Tannengrün und Kerzen in den Zimmern, und auf dem Flur singen die Schwestern Weihnachtslieder. Ihr beide seid bei mir und ich fühle mich wunderbar geborgen.
Dass Du jeden Tag bei mir bist, so lange wie es irgend erlaubt ist, ist wunderschön für mich. Dein liebes Gesicht zu sehen, mit Dir zu sprechen, ist eine Labsal, obwohl das Krankenhaus im ganzen eine sehr freundliche Atmosphäre hat. Mit feinem Takt lässt Tante Friedel uns beiden genug Zeit füreinander.
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