Karl-Heinz Jakobs - In Sibirien

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Dieser Zug war vollgestopft mit Frauen, unter ihnen die Lehrerin Lena, die in letzter Sekunde dem Terror der deutschen Faschisten entronnen war und nun hoffte, als treugläubige Kommunistin in Moskau ein neues zu Hause finden. Sie geriet aber in die unheimlichen geschichtlichen Ereignisse des Jahres 1937, wurde zu Lagerhaft auf der Halbinsel Tschuktschen verurteilt. Dort am Rande des Nördlichen Eismeeres, wo nur noch eine schmale Wasserstraße Asien von Amerikas trennt, hat sie 19einhalb Jahre Gold geschürft. – Karl-Heinz Jakobs erzählt in diesem Jahrhundert-Epos vom Schicksal der Lena in Sibirien, von Glaube, Liebe und Hoffnung, von Freundschaft, Kameradschaft und Einsamkeit in den Eiswüsten am Rande der Welt.

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„Es ist die demokratischste Verfassung der Welt“, jubelte im fernen Los Angeles der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der vor Hitler an die Pazifikküste geflohen war, ein Wort, das die hiesigen Zeitungen in Millionenauflage nachdruckten. Lena las es gierig.

„Ein solches Wunderwerk wie die stalinsche Verfassung“, memorierte sie die Worte des weit entfernt lebenden Dichters, „hat es noch nie und nirgends gegeben.“

„Aber wo soll sie gelten?“ fragte Ervin spöttisch, „hier in Moskau etwa? Moskau ist eine Stadt mit sieben Leben, die Übergänge sind fließend, und ich habe in keinem ihrer irrwitzigen Leben Anzeichen vom Wirken einer neuen Verfassung gespürt.“

Lena hatte an den Fingern abgezählt, was er mit sieben Leben gemeint haben könnte und kam nicht dahinter. Weshalb sieben? Sie begriff es nicht. Was sie herausbekam, waren entweder mehr oder es waren weniger als sieben Leben. Wahrscheinlich redete er wieder einmal in seinen schwer zu durchschauenden Metaphern.

Was hielt ihn noch in Moskau? Er hatte seinen ungarischen Paß behalten und stand schon mit einem Fuß in Paris. Er konnte sich nun alles erlauben. Adieu, Ervin, adieu, mein Freund, dachte sie, wer weiß, wann wir uns wiedersehn. Es hatte schon viele Abschiede in ihren bisher vierzig Lebensjahren gegeben. Auch dieser Abschied, der nun bevorstand, ging ihr zu Herzen. Sie wußte, Ervin würde nicht bleiben in Paris. Sein Ziel war Madrid und die Internationalen Brigaden. Das durfte in Moskau aber nicht bekanntwerden. Sie gehörte zu den Wenigen, denen er sich anvertraut hatte. Aber wozu diese Geheimniskrämerei?

„Ich will nicht unter sowjetischem Befehl kämpfen. Ich traue den Politkommissaren nicht.“

„Du warst selbst Politkommissar.“

„Ich war Kampfkommandeur“, sagte Ervin und hob stolz das Kinn, „Politkommissar war Karcsi, und das war unter einem anderen Stern.“

„Es war unter dem roten Stern der ungarischen Räterepublik.“

„Eben“, sagte Ervin, „genau das wollte ich damit ausdrücken.“

Als der Prozeß gegen vier der höchsten Parteiführer mit dem Todesurteil gegen sie und dem Dutzend Mitverschwörer endete, glaubte Lena, nicht weiterzukönnen. Sie empfand sich plötzlich wie ein Mensch ohne Bindungen. Wenn so ehrenwerte Führer sich als Verräter entpuppten, wem war dann noch zu trauen? Auch Radek dann nicht, Karl Bernardowitsch, den sie als Volksredner liebte und verehrte. Keiner verstand es wie er, unpopuläre Maßnahmen der Regierung in volkstümlicher Sprache so vorzubringen, daß sie plötzlich einen vaterländischen Sinn erhielten. Mit ihm und dem bereits erschossenen Kamenjew hatte sie an der Bahre Clara Zetkins Totenwache gehalten, für sie eine Ehre ohnegleichen. Radek würde wohl einen eigenen Prozeß kriegen. Aus der Partei ausgeschlossen war er schon. Jetzt saß er in der Lubjanka, dem Staatssicherheitsgefängnis, und wartete auf den Staatsanwalt.

Natürlich in der Lubjanka. Sie selbst, Lena, käme dort nie hinein. Die Lubjanka war für die höheren Genossen bestimmt. Auf sie wartete, wenn es darauf ankäme, bestenfalls die Butyrka, das Gefängnis für Kriminelle und niedrigere Staatsverbrecher.

„Butyrka! Butyrka!“ rief Ervin entrüstet, „du siehst Gespenster. Du bist nicht wichtig genug, um in die Butyrka zu kommen. Was willst du denn da? Die Butyrka ist etwas für Verbrecher. Du gehörst in die Universitätsbibliothek und nicht in den Knast. In den Knast kommen Leute mit Einfluß und von Bedeutung. Bilde dir bloß keine Schwachheiten ein.“

In der Pokrowskij-Kathedrale, las sie in der Zeitung, war ein Mann festgenommen worden. Gläubige hatten beobachtet, wie er sich mit zwei Fingern bekreuzigte. Während die Gemeinde sich ins Gebet vertiefte, war er nach vorn geschlurft und hatte mit zwei Fingern demonstrativ das Kreuz geschlagen. Unter den Gläubigen entstand Gemurre, das sich zu lauten Beschimpfungen steigerte. Beherzte Männer schoben sich aus den Reihen des Gestühls, eilten zu dem Kerl hin, um ihn zur Rede zu stellen, der immer noch vorn stand und sich erneut mit zwei Fingern bekreuzigte.

Während der Pope die Gnade des Herrn auf den Gotteslästerer herabflehte, eilten andere ihm zu Hilfe, und umringten ihn zu seinem Schutz. Als die Miliz eintraf, hatten die Uniformierten Mühe, zu dem Altgläubigen vorzudringen. Bei der Festnahme wehrte er sich, und erst als Verstärkung eintraf, konnten er und die wenigen Gleichgesonnenen überwältigt werden. Für die Altgläubigen des zaristischen Adels, stand anderntags in der Zeitung, sei im neuen Rußland kein Platz. Lena las den Bericht mit versteinter Miene.

Die Altgläubigen, Staroobrjadtschestwo nach russischem Sprachgebrauch, das wußte man doch, gab es vor allem unter den Bauern. Bei den Adligen wurde es Ende des vergangenen Jahrhunderts lediglich Mode, sich an Wladimir den Heiligen und die Zeit der ersten Taufe der heidnischen Rus vor tausend Jahren zu erinnern. Es galt als elegant, sich mit zwei Fingern zu bekreuzigen. Die Aristokratia tat es aus Übermut, tat es, um sich demonstrativ von der Religion des Zaren abzusetzen, der Anstalten machte, die Leibeigenschaft zu mildern.

Sich mit zwei Fingern zu bekreuzigen und den Namen des Gekreuzigten wie Ïisus auszusprechen, war schon immer gefährlich gewesen und hatte vor dreihundert Jahren zu Folter und Scheiterhaufen geführt. Lena begriff nicht den Tumult um die Altritualisten. Aber andererseits, warum konnte der Kerl zum Bekreuzigen nicht drei Finger nehmen wie ordentliche Orthodoxe? Sie war hin und her gerissen wie immer.

Gerüchte über einen zerschlagenen Staatsstreich gingen um. Von schwarzen Limousinen war die Rede. Sie selbst hatte eines Nachts ein solches Fahrzeug in hohem Tempo durch die Stadt kurven sehen. Tagsüber hatten sich die geschlossenen Lieferwagen, auf deren Seitenflächen in mehreren Sprachen das Wort Brot stand, in beängstigender Weise vermehrt. Jeder in der Stadt wußte, daß in ihnen nicht Lebensmittel, sondern Gefangene transportiert wurden. Aber weshalb dann das Versteckspiel und ausgerechnet mit Brot, das knapp war im ganzen Land und nach dem sie manchmal stundenlang anstehen mußte.

Eines Tages hieß es, Oberst Kuchelbeker sei ermordet. Drei seiner engsten Freunde wurden der Tat verdächtigt und zwei Tage später standrechtlich erschossen. Unmittelbar danach hatte sich die Parteigruppe an der Militärakademie aufgelöst und der Lehrkörper wurde drastisch reduziert. Auch sie war entlassen worden, war nun nicht mehr Dozentin, sondern einfache Lehrerin. Auch der Titel Oberleutnant war ihr aberkannt worden, der ihr als Militärangehörigen zustand. Daß sie sang- und klanglos zurückgestuft worden war, kränkte sie. Sie hatte sich schon auf ein Leben im Dienst der Roten Armee eingestellt, der sie treu dienen wollte.

Oberst Kuchelbeker hatte zu ihren Schülern gehört. Sie konnte sich gut an seinen weichen Bariton erinnern, wenn er Im schönsten Wiesengrunde sang. Lena ließ sich nicht irremachen in ihrer Theorie, daß die Pläne, die an der Militärakademie geschmiedet wurden, verraten waren und daß der Tod des Obersten von Berlin gesteuert war. Es gab aber auch den Verdacht, daß er sich aus Verzweiflung über den Zustand der Roten Armee selbst die Kugel gegeben habe.

Wer an Selbstmord glaubte, behielt seine Meinung für sich und bemühte sich, darauf angesprochen, den Mord zu verurteilen und der Hinrichtung der Rädelsführer zuzustimmen. Unverzüglich hatte auch sie zugestimmt, als General Malischkin sein rechtes Auge auf sie richtete, denn in dieser Frage gab es kein Zaudern. In dieser Frage wie in vielen anderen damals gab es auch keine Freunde, gab es weder Bruder noch Schwester. Seit dem Bürgerkrieg trug General Malischkin über der Narbe links eine schwarze Augenklappe, die sich im Laufe der Zeit zu einem schmutzigen Grau verfärbt hatte.

In der Chinastadt, las sie in der Zeitung, dem Wohn- und Verwaltungsviertel im Zentrum Moskaus, das sich östlich des Kreml dem Roten Platz und der Basiliuskathedrale anschließt, wurde der vierzehnjährige Oleg Tamakow mit dem Orden Held der Arbeit ausgezeichnet, weil er dem Staatssicherheitsdienst gemeldet hatte, seine Eltern hätten die Hinrichtung der geständigen Verräter Sinowjew und Kamenjew als ein Verbrechen bezeichnet. Die Zeitungen brachten den Bericht über den Jungen auf der ersten Seite mit Foto, als Beispiel für die vorbildliche Tat eines außergewöhnlichen Menschen. Lena versuchte in den Zügen des Abgebildeten zu lesen. Es war ein ernstes Kindergesicht, hell, sympatisch und treuherzig.

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