Kuja trat einen Schritt vor. Die beiden Soldaten hielten Marietta fest.
"Marietta...!" begann Kuja und musste wirklich all seine innere Kraft aufbieten, damit seine Worte klar und kraftvoll klangen. Doch ihm wurde wieder bewusst, dass er keine andere Wahl hatte. Marietta musste für seine Sünden büßen. Doch hatte sie das Urteil über sich selbst gefällt. Denn als sie angefangen hatte, Kuja der Morde zu beschuldigen, konnte er nicht mehr riskieren, sie nur in einen Kerker zu werfen. Jetzt hatte er nur noch eine Wahl.
Doch anstatt, dass Marietta sich weiter windete oder flehte, verstummte sie und sah ihn mit tränenfeuchten Augen direkt an. In diesem Moment erkannte er, dass sie eine starke Frau war und dass er Recht getan hatte, sie für seinen letzten außerehelichen Ritt auszuwählen. Diese Erkenntnis aber machten ihm seine nächsten Worte nur noch umso schwerer. "Du bist des zweifachen Mordes angeklagt und überführt worden. Gemäß den Gesetzen unseres Landes verurteile ich dich hiermit zum Tode durch den Strick!" Fast erwartete er, dass Marietta jetzt ausrasten würde, stattdessen aber stand sie da, wie erstarrt und weinte stumme Tränen. "Das Urteil wird sofort vollstreckt!" Mit diesen Worten wandte er sich ab und konnte gerade noch erkennen, dass Marietta mit einem tiefen Stöhnen zu Boden sackte.
"Bereitet einen Strick vor!" sagte Moretti zu einem seiner anderen Männer. "Und findet einen passenden Platz!" Der Mann sah Moretti in einer Mischung aus Entsetzen und Entschlossenheit an, dann eilte er davon.
Nach einer Minute kehrte er zurück. "Fertig!" sagte er.
Moretti nickte. "Bringt sie auf die Beine!"
Die beiden Soldaten beugten sich herab und wollten Marietta in die Höhe ziehen, als plötzlich Burini hinter ihnen auftauchte und sie beiseiteschob. Wortlos kniete er sich neben seine Frau, legte seine Arme unter ihren Körper und hob sie schließlich an.
Fast rechnete Kuja damit, dass ihr Ehemann jetzt sein Veto gegen diese Prozedur einlegen würde, doch das Gesicht des Riesen blieb hart und ausdruckslos, als er dem Soldaten zum Höhleneingang folgte.
Dort waren zwei weitere Männer gerade dabei ein Seil über einen geeigneten Felsvorsprung zu werfen. Der erste behielt das eine Ende des Seils dabei in den Händen, während der zweite das andere Ende, an dem sich eine Schlinge befand, auffing.
Burini trat zu ihm und stellte Marietta auf ihre Füße. Die schien sich im ersten Moment wieder zu Boden fallen lassen zu wollen, doch als sie ihrem Ehemann in die Augen sah, blieb sie doch stehen. "Warum nur, Burini?" flüsterte sie unter Tränen. "Warum?"
Ihr Mann nahm dem Soldaten die Schlinge ab und legte sie seiner Frau um den Hals. "Du bist eine Hure!" zischte er und zog sie fest um ihren Hals. "Du hast es verdient!"
"Aber ich liebe dich doch!"
Burini verzog seine Mundwinkel zu einer verächtlichen Grimasse. "Wohl kaum!" Und damit trat er zwei Schritte zurück.
Der zweite Soldat ging zu dem Mann, der das andere Ende des Seils in den Händen hielt und es mittlerweile so weit zu sich gezogen hatte, dass eine ganz leichte Spannung darauf lag. Dann trat ein dritter Soldat hinzu.
Beiden legten ihre Hände ebenfalls an das Seil und schauten dann zu Moretti.
Der Kommandant, sowie alle anderen Anwesenden waren inzwischen aus der Höhle ins Freie getreten und standen vor Marietta.
Moretti wandte sich an Kuja, der Marietta ansah, aber wie in Trance schien.
"Bitte, Herr, ich bin unschuldig!" flehte Marietta mit brüchiger Stimme. "Oh bitte, lasst Gnade walten!" Ihre Worte erstickten unter einem Tränenschauer.
Qualvolle Sekunden vergingen, dann aber nickte Kuja Moretti zu. Der Kommandant wandte sich um und nickte daraufhin den Männern am Seil zu.
Im nächsten Augenblick zogen sie an.
Das Seil straffte sich und Marietta wurde innerhalb eines Lidschlags etwa einen halben Meter in die Höhe gezogen. Sie stöhnte auf und man hörte, dass sie einatmete.
Die Männer befestigten das Seil sicher an einem weiteren Felsvorsprung und kamen dann zu den anderen.
Alle Blicke waren auf Marietta gerichtet. Ihr Körper hing reglos am Seil. Während sie weiter stöhnte wurde ihre Gesichtsfarbe zunehmend dunkler. Ihre Augen waren fest auf Burini, aber auch auf Kuja gerichtet.
Unter dem Satinstoff ihres Nachthemds zeichneten sich immer deutlicher ihre dunklen Brustwarzen ab, die zunehmend härter wurden und weiter hervortraten.
Dann kam der Augenblick, an dem der Sauerstoff von Mariettas letztem Atemzug aufgebraucht war und sie nach neuer Luft rang. Das aber gelang ihr natürlich nicht. Das Seil hatte sich tief in ihren Hals gegraben, die Luftröhre zugeschnürt, sodass kein neuer Sauerstoff in ihre Lungen gelangte.
Instinktiv versuchte Marietta ihre Hände zu ihrem Hals zu ziehen, doch da sie auf ihrem Rücken gefesselt waren, war dies sinnlos.
Panik befiehl sie, sie stöhnte immer lauter und hektischer. Dann fing ihr Körper an zu zittern und zu zucken, weil er versuchte, sich irgendwie in eine Lage zu bringen, die den Druck auf ihre Luftröhre nehmen konnte. Speziell ihre Beine wirbelten umher, in der Hoffnung, dass irgendwo ein Felsvorsprung sein mochte, an dem sie sich abstützten konnte.
Doch all dies war vergebens. Ihr gefesselter Körper hing hilflos in der Luft und es gelangte kein Sauerstoff mehr in ihre Lungen. Aus ihrem Stöhnen wurde ein Röcheln, ihre Gesichtsfarbe war mittlerweile dunkelrot, das Zittern ihres Körpers nahm zu, ihre Beine aber zuckten nur noch krampfhaft umher.
Die zehn Männer verfolgten Mariettas Todeskampf stumm. In ihren Gesichtern war eine Mischung aus Neugierde, Schuldbewusstsein, Mitleid und Ekel zu sehen.
Kuja war bemüht, sich seine Empfindungen nicht anmerken zu lassen. Äußerlich nahezu ausdruckslos, explodierte er innerlich jedoch beinahe.
Diese wunderschöne, attraktive, begehrenswerte Frau so vollkommen hilflos in ihrem Todeskampf zu sehen, ließ seinen Puls in die Höhe schnellen. Der Anblick ihrer dunklen, extrem harten Brustwarzen, die deutlich unter dem weich-fließenden, herrlichen Satinstoff hervorstachen, erregte ihn außerordentlich. Ihr zitternder Körper und ihre zuckenden Beine faszinierten ihn auf seltsame Weise. Ja, selbst als sich Mariettas Blase entleerte, empfand er keinen Abscheu.
Dann endeten ihre Bewegungen. Ihre Beine sanken herab, ihr Körper erschlaffte, ein letztes Röcheln, vorbei.
Marietta hatte ihren verzweifelten Todeskampf verloren und war als letztes unschuldiges Opfer dieser grauenhaften Nacht gestorben. Mit weit aufgerissenen Augen und einem in einem letzten, stummen Schrei geöffneten Mund, schien sie voller Anklage auf Kuja herab zu starren.
Doch der Fürstensohn war sich seiner Schuld bewusst und gab ihr ein stummes Versprechen, ihr bald nachzufolgen.
Daneben aber verfluchte er sich innerlich, dass ihn Mariettas Hinrichtung die wohl härteste Erektion seines Lebens beschert hatte und gleichsam tiefe Scham, dass er beim Anblick ihres Todeskampfs nicht verhindern konnte, wenn auch auf andere, höchst widerliche Art, doch noch zu vollziehen.
Mit jeder neuen Stunde, mit jeder neuen Minute befiel ihn eine immer größer, vor allem aber immer unerträglicher werdende Unruhe.
Kuja konnte nicht verhindern, dass er seinen Hengst immer mehr antrieb, die Gruppe um Moretti und seiner Leibgarde letztlich hinter sich ließ und in gestrecktem Galopp förmlich auf die östlichen Stadttore von Alimante zuflog.
Die letzten Tage waren für ihn eine einzige Qual gewesen.
Nach den schrecklichen Vorfällen in der Höhle mit drei Toten, wurden die Leichname von Marietta, Tizian und Giovanni in Decken gehüllt und ins Dorf gebracht. Dort erklärte Torrini den Bewohnern, was geschehen war. Entsetzen, Unverständnis und große Trauer waren zu spüren, doch zweifelte niemand die Worte und das Urteil des Fürstensohns an.
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