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"Wo ist Marietta?"
Tizian hörte diese Worte mehr beiläufig, weil er noch immer in sein Gespräch mit dem jungen Schmied vertieft war, tiefer aber noch in seine Augen. Doch sie zogen sofort all seine Aufmerksamkeit auf sich.
Er wandte seinen Kopf in Richtung Tresen und konnte einen Mann dort ausmachen, den er bisher noch nicht in diesem Raum gesehen hatte. Und das war wohl auch kein Wunder, denn er trug eine dicke Jacke, darüber eine Regenweste. Auf dem Kopf hatte er einen großen Hut, die Kapuze der Regenweste war darüber gespannt. Auf dem Rücken trug er einen großen Rucksack, an der rechten Schulter hing ein Gewehr. Als Tizian ihn sah, war er gerade dabei, ein großes Paket, eingehüllt in Ölzeug, auf den Tresen zu knallen.
Linguri stand dahinter und machte große Augen. "Was ist das?" fragte er.
"Eine Hirschkuh!" erklärte der Mann, der einen dichten, schwarzen Vollbart trug, mit tiefer, kräftiger Stimme. Tizian konnte sein Gesicht kaum erkennen, es wirkte aber dunkel, ernst und hart. "Sie hat sicherlich über hundert Pfund!"
"Oh prima!" Linguri war sichtlich erfreut und rieb sich die Hände. "Was willst du dafür haben?"
Noch etwas fiel Tizian auf: Die Hände des Mannes waren groß wie Bratpfannen und die Arme unter der Jacke wirkten muskulös. Außerdem maß er locker über zwei Meter Körpergröße. Es schien Tizian der größte Kerl zu sein, den er je gesehen hatte.
"Über den Preis unterhalten wir uns nachher!" erwiderte der Mann. "Jetzt sag mir, wo Marietta ist?"
Da waren sie wieder, diese Worte, die Tizian hatten aufhorchen lassen. Während ihm deutlich die Hitze in den Kopf stieg, konnte er in den Augenwinkeln erkennen, dass jetzt auch Giovanni, der bisher an einer rothaarigen Schönheit mit prallen Brüsten, aber offensichtlich wenig Hirn, herumgebaggert hatte, aufmerksam geworden war.
"Sie war eben noch hier!" erklärte Linguri, nachdem er sich einmal umgeblickt hatte. "Sie ist wohl mal nachhause gegangen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie wird bestimmt gleich wiederkommen!" Er grinste breit und man sah ihm an, dass er leicht beschwipst war.
"Gut!" brummte der Hüne. "Ich gehe mich jetzt umziehen und frischmachen!"
Bei seinen Worten erhoben sich Tizian und Giovanni beinahe gleichzeitig und starrten den Riesen unverhohlen mit großen Augen an.
"Danach komme ich zurück und bringe sie wieder mit!"
"Oh verdammt!" stieß Tizian beinahe geschockt hervor und musste schwer schlucken. Gleichzeitig spürte er, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich.
"Und dann musst du mir erklären, was hier eigentlich los ist!" Ohne auf Antwort zu warten, drehte der Hüne sich um und ging zur Ausgangstür.
Tizian und Giovanni starrten ihm nach und ihre Körper waren beinahe wie gelähmt. Erst als die Tür wieder ins Schloss fiel, konnten sie sich ruckartig aus dieser Starre befreien. Zeitgleich stürmten sie nach vorn zum Tresen.
"Wer war das?" fragte Giovanni atemlos.
Der Wirt sah sie mit großen Augen überrascht an, dann lächelte er wieder. "Das war Burini, Mariettas...!"
"Bitte nicht!" stieß Tizian hervor und schloss seine Augen.
"...Ehemann!"
"Oh, Scheiße!" Dem Blonden drohten, seine Gesichtszüge zu entgleisen.
"Verflucht!" stieß Giovanni hervor, drückte sich aber sofort vom Tresen ab und rannte zur Ausgangstür. "Nun komm schon!" brüllte er, als er sie erreicht und aufgerissen hatte, als er sah, dass Tizian sich noch immer nicht bewegte.
Das rüttelte seinen Freund auf und er stürmte zu ihm.
Gemeinsam rannten sie in die Nacht hinein, als ihnen klar wurde, dass sie ja gar nicht wussten, wo sie hinmussten.
Doch sie hatten Glück, denn sie konnten die mächtige Gestalt Burinis einige Meter weiter ausmachen.
Sofort hefteten sie sich an seine Fersen.
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Als Marietta ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte, erzitterte ihr ganzer Körper und sie schrie beinahe auf.
Mit einem breiten, zufriedenen Grinsen erhob sie sich, küsste Kuja, drehte sich mit dem Rücken zu ihm und spreizte ihre Beine.
Der Fürstensohn zögerte nicht, drang in sie ein und ging in einen harten, tiefen Rhythmus, der Marietta sehr gefiel. Kuja war überwältigt von ihrer Enge und genoss jeden Stoß zutiefst.
Marietta richtete sich vor ihm auf, spannte ihren Oberkörper aber so, dass er weiterhin agieren konnte. Sie legte ihre Arme in seinen Nacken, er umfasste ihre Brüste und schon nach wenigen Augenblicken erzitterte Marietta erneut unter ihrem nächsten Orgasmus.
Marietta ließ sich nach vorn fallen und drehte sich dann auf den Rücken. Kuja wollte sich auf sie legen, doch sie erhob sich wieder, drückte stattdessen ihn auf den Rücken und setzte sich auf ihn. Geschickt sorgte sie dafür, dass er in sie eindringen konnte, dann stützte sie ihre Hände auf seine Schultern und verfiel in einen langsamen Rhythmus.
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Mit jedem Schritt, mit jedem Haus, an dem Burini vorbeistapfte, wurde Tizian immer nervöser.
Dann bog der Hüne nach rechts und hielt auf die Eingangstür eines ziemlich großen, gepflegten Hauses zu.
Die beiden Freunde stoppten abrupt ab und starrten für einen Moment auf den Riesen.
"Die Hintertür!" raunte Giovanni dann und zog Tizian mit sich. In einem kurzen Zwischenspurt huschten sie um die hintere Hausecke und konnten dort tatsächlich Licht in einem der hinteren Zimmer erkennen.
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Marietta drückte sich ab und setzt sich aufrecht auf Kuja. Sie bewegte ihre Lenden auf und ab, vor und zurück, steigerte den Rhythmus. Dann ließ sie ihren Oberkörper etwas nach hinten fallen, legte ihre Hände auf seine Oberschenkel und stützte sich dort ab. Kuja sah ihren überstreckten Körper, umfasste mit seinen Händen ihre Brüste und drückte sie fest.
Deutlich konnte er spüren, dass sein Orgasmus nicht mehr fern war.
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Burini öffnete die Haustür und trat in den Flur. "Marietta?" rief er sofort, doch nicht allzu laut, denn er konnte nirgendwo Licht sehen. Vielleicht war seine Frau doch gar nicht hier.
Er zog den Rucksack von seinem Rücken, ging in das erste Zimmer auf der linken Seite, in dem er seine Jagdausrüstung aufbewahrte und stellte ihn dort ab.
Dann ging er zurück in den Flur und während er seine Regenweste aufknöpfte, betrat er die Wohnstube.
Dort hörte er die Stimme seiner Frau. Gleichzeitig sah er Licht unter dem Türspalt zum Schlafzimmer. "Marietta?" rief er noch einmal, dieses Mal deutlich lauter.
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Giovanni hatte die Hintertür gerade einen winzigen Spalt geöffnet, als er nur wenige Meter vor sich Burini erkennen konnte, der gerade in einen Raum zur Rechten ging.
Erschrocken schloss er die Tür wieder. Sie waren zu spät. Er konnte nur hoffen, dass Kuja nicht hier war.
Plötzlich hörte er einen leisen Pfiff seines blonden Freundes. Tizian war einige Schritte weitergelaufen und hockte jetzt unter dem Fenster, aus dem das Licht kam.
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"Marietta?"
Mitten in das wunderbare Gefühl eines sich ankündigenden Orgasmus hinein hörte Kuja diese tiefe, männliche Stimme. Zeitgleich spürte er, wie Marietta auf ihm erstarrte.
"Was?" Er sah, dass die junge Frau ihn mit großen Augen anstarrte. Aus dem Wohnraum hinter der verschlossenen Tür konnte Kuja schwere, näherkommende Schritte hören. Sofort läuteten in ihm alle Alarmglocken. Er setzte sich auf und schob Marietta grob beiseite. "Wer ist das?" fragte er, während er aus dem Bett sprang.
"Mein...!" Mariettas Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und klang hörbar entsetzt. "...Ehemann!"
"Was?" Kuja hatte sich gerade herabgebeugt, um seine Sachen vom Boden zu pflücken. Sein Kopf flog herum und er starrte Marietta entsetzt an. Unglücklicherweise macht er dabei einen Schritt nach vorn und stolperte über seine eigenen Füße. Mit einem erstickten Aufschrei schlug er hart zu Boden. Hektisch rappelte er sich wieder auf, als er plötzlich aus dem Nebenraum aufkommendes Weinen eines Kindes hören konnte. Erst jetzt sah er die Verbindungstür, die nur angelehnt war. "Und das?"
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