Stephan Thome - Grenzgang

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Grenzgang: краткое содержание, описание и аннотация

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Alle sieben Jahre steht Bergenstadt Kopf: Beim traditionellen» Grenzgang «werden die Grenzen der Gemeinde bekräftigt — und alle anderen in Frage gestellt. Auch für Kerstin und Thomas, die in der kleinstädtischen Provinz hängen geblieben sind, nachdem sich ihre Lebensträume zerschlagen haben: Sie reibt sich auf zwischen pubertierendem Sohn und demenzkranker Mutter, er ist nur deshalb Lehrer, weil die Unikarriere eine Sackgasse war. Aber beide geben sie ihre Suche nach dem Glück nicht auf.

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Was sie hört, ist ihr eigener Herzschlag.

So schnell, als hätte sie sich zum Pinkeln hinter die Leitplanke gehockt und sähe um die nächste Kurve ein Auto biegen, beendet sie ihre Sitzung, spült, wäscht sich die Hände und vertraut darauf, dass ihre Frisur nicht in allzu großer Unordnung ist. Lediglich eine einzelne Männersocke bemerkt sie noch neben der Tür, bevor sie nach einem spähenden Blick hinausschlüpft und der Anfall von Panik sich umgehend in eine Mischung aus Erleichterung und Beschämung wandelt.

Sie hat schließlich nicht in fremden Schränken gewühlt.

Ein angenehm kühler Hauch weht vom Wohnzimmer in ihre Richtung, Frau Preiss muss die Balkontür geöffnet haben. Im Spiegel der Diele überprüft sie ihre Frisur und schneidet sich selbst eine Grimasse. Jeden kleinen Moment der Ausgelassenheit bezahlt sie mit diesen Anfällen von Selbst-Inquisition. Aber warum? Und woher kommt diese idiotische Angst vor jedem noch so bedeutungslosen Fauxpas?

* * *

Unter die Fahne zu gehen kostete nichts, aber man bezahlte trotzdem was. Man bezahlte, soviel man eben wollte, und da wunderte er sich schon ein bisschen, dass die meisten ziemlich viel bezahlten. Manchmal zwanzig Mark, aber nur Erwachsene, eigentlich nur Männer. Für Kinder reichen fünf, ihr trinkt ja hinterher auch kein Bier, hatte sein Vater gesagt. Man bekam ein Abzeichen, und mit dem Abzeichen bekam man alle Getränke umsonst bei der Gesellschaft, wo man vorher unter der Fahne gewesen war. Man ging einfach zu dem Stand hin und nahm sich was von der Theke. Weil Grenzgang war und man das Abzeichen hatte. Er hatte schon vier, aber noch zwei Fünfmarkstücke in der Tasche, und wo Onkel Hans saß, wusste er auch. Dem war die lange Wanderung gestern tierisch auf die Beine gegangen, der hatte sich mit Kleidern ins Bett gelegt und nur den Kopf geschüttelt, als alle zum Rummel gingen. Nichts mehr gewohnt, hatte seine Mutter gesagt. Die war gestern komisch gewesen, vor dem Rummel und danach noch mehr, aber die war in letzter Zeit häufig komisch, und daran wollte er jetzt nicht denken, sonst war der ganze Spaß weg.

Den Typen von gestern sah er nicht mehr. Er konnte aber nicht richtig gucken, während er mit der Cola in der Hand die Böschung raufkletterte. Von oben hatte man den besten Blick. Die meisten saßen unten am Hang auf der Wiese, seine Mutter und Onkel Hans und die anderen von der Rheinstraße, aber oben saß keiner, und deshalb wollte er da hin. Es war nur ein schmaler Streifen mit Gras, bevor der Tannenwald begann. Oben zog er sich den Pullover von der Hüfte, legte ihn auf den Boden und setzte sich drauf und hatte den ganzen Frühstücksplatz im Blick. Und fast nichts verschüttet.

Überall wurden Fahnen geschwungen, und Leute flogen durch die Luft, manchmal sogar richtig dicke. Vier oder fünf Kapellen spielten. Man musste seinen Namen sagen vorher, damit der Führer wusste, was er zu brüllen hatte: Der und der oder die und die, lebe hoch, hoch, hoch! Ganz am Rand, wo der Grenzstein war, wurde gehuppcht. Hatte er gestern gemacht und dann den ganzen Nachmittag eine schwarze Backe gehabt. Und es war auch nicht so lustig. Man wurde nicht geschmissen, sondern nur drei Mal hochgehoben über dem Grenzstein, und hinterher musste man richtig latzen. Weniger als zehn Mark waren peinlich, auch für Kinder. Die Wettläufer und der Mohr hatten schließlich ordentlich was zu tun an Grenzgang. Sein Vater hatte sich sein erstes Auto gekauft von dem Wettläufer-Geld.

Die drei Abzeichen von gestern steckten an seiner Hose (da bekam er heute nichts mehr für, es gab jeden Tag andere), das von heute am T-Shirt. Der Walfisch von den Rheinstraßen-Burschen. Der war eigentlich zu schwer fürs T-Shirt, also nahm er ihn ab und steckte ihn sich erst an die Hose, dann an die Socke, dann an den Schnürsenkel, und dann machte es» Buh!«hinter ihm, und der Walfisch wäre ihm fast ins Glas gefallen.

Linda hockte sich neben ihn ins Gras. Hockte auf den Fersen, legte die Arme auf die Knie und das Kinn auf die Arme und sagte:

«Erschrocken?«Sie roch wieder nach Kaugummi, obwohl sie keins kaute.

«Nein.«

«Doch. Du hast so gemacht. «Sie zog die Schultern zusammen und den Kopf ein.

«Und wo bist du gewesen?«

«Im Wald, pinkeln.«

Er sah sich nach Nobs um, aber der war nicht zu sehen. Der ganze Platz war voll; ein kleinerer Platz als auf der Sackpfeife und leicht schräg, so dass er am unteren Ende über die Bäume gucken konnte auf die anderen Bäume, den Wald und noch mehr Wald, ohne Ende. Bergenstadt musste in der anderen Richtung liegen.

«Darf ich was von deiner Cola?«

Er wusste nicht, wie er nein sagen sollte, also sagte er gar nichts und gab ihr das Glas.

Sie hatte keine Kette mehr um, aber eins von diesen geflochtenen Bändern am Handgelenk, das jetzt alle Mädchen in der Klasse trugen. Die Sonne schien, und es schmerzte ein bisschen in den Augen, so über den Platz zu gucken.

Linda gab ihm das Glas zurück, und er trank neben ihrem Abdruck, genau daneben.

«Deine Mama winkt«, sagte sie.

«Ich seh sie nicht. «Das stimmte. Er wusste zwar, wo sie saß, aber er sah nicht hin, und drum sah er sie auch nicht.

Linda zeigte mit dem Arm in die Richtung.

Er suchte auf dem Boden nach dem Walfisch. Ein paar Ameisen krabbelten über die Blätter, und es war komisch sich vorzustellen, dass für eine Ameise ein Blatt so groß ist wie ein Haus. Und der Wal-Anhänger so groß wie für ihn ein echter Wal. Und was für ein Wesen das wäre, für das ein echter Wal so klein ist wie für ihn der Anhänger. Als er noch kleiner war, hatte er geglaubt, dass es das gibt und im Wald wohnt. Am Hainköppel, hinter der Biegung.

«Direkt vor uns«, sagte Linda.»Auf der Bank. Da!«

Er spürte ihren Blick an der Seite, nahm den Walfisch und hauchte auf das silbrige Metall.

«Und?«, fragte er.

«Jetzt guckt sie wieder weg. Oh nein, und jetzt steht mein Papa auf dem Fass!«

Er sah auf und sah Herrn Preiss da stehen, wo vorher sein Vater gestanden hatte. Die wechselten sich immer ab, kein Grund, so’n Aufstand zu machen.

«Muss er doch als Führer.«

«Ich mag’s aber nicht, wenn er da steht und brüllt.«

Jetzt sah er sie von der Seite an, und Linda guckte woanders hin. Er hörte die Hochrufe und die Musik, aber für einen Moment sah er nur die Sommersprossen auf ihrer Nase und die kurzen Haare vor den Ohren, die nicht mehr in den Zopf gepasst hatten. Fast weiß. Sie trug einen Ohrring und sah ängstlich aus, und vielleicht sagte er deshalb:

«Das war doof von Nobs vorgestern, wir hätten eigentlich noch jemanden gebrauchen können.«

«Hättet ihr euch mal früher überlegen müssen.«

«Ja. «Den nächsten Schluck trank er genau da, wo ihr Abdruck war, und er trank alles aus. Herr Preiss schwang den Säbel in die Luft, und man sah, dass er gerade erst angefangen hatte. Am Ende machten sie nur noch, als würden sie mit dem Taschentuch winken.

Sein Vater stand neben der Fahne und trank Bier und sah sich um. Fächelte sich Luft zu mit der Hutkrempe.

«Wo gibt’s den Walfisch?«, fragte Linda.

«Bei der Rheinstraße. Bei den Burschen.«

«Den will ich auch.«

Sie hatte selbst schon eine Menge Abzeichen am T-Shirt und um den Hals, aber den Wal nicht.

«Geh unter die Fahne bei denen.«

«Wo?«

«Da. «Er zeigte mit dem Arm in die Richtung, aber nicht ganz genau, sonst hätte er zu seiner Mutter gezeigt.

«Seh nix«, sagte Linda.

Als er aufstand und losging, wusste er, dass sie hinter ihm herkam, weil sie wusste, dass er zu den Rheinstraßen-Burschen ging, obwohl er den Wal schon hatte. Er tat aber so, als wüsste er’s nicht. Und den Wal steckte er in die Tasche. Ohne die Hand auf den Boden zu stützen, kletterte er die Böschung runter und hörte Linda rutschen. Das Glas stellte er zurück auf die Theke. Es war warm zwischen den Leuten. Die Musik flog so über den Platz, verschiedene Musiken aus verschiedenen Richtungen, und als es eng wurde und er schieben musste, war Linda genau hinter ihm. Einmal hielt sie ihn am Arm. Er ging ein bisschen zickzack, immer dahin, wo am wenigsten Platz war. Auf dem Boden lagen Zigaretten und Servietten, und die Leute rochen nach Würstchen und Bier. Dann blieb er ganz plötzlich stehen, und Linda lief gegen ihn.

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