Rücksichtnahme, taktisches Lavieren bei bestimmten Themen, die Zugehörigkeit zu einer literarischen Strömung – all das spielte für Tomasi di Lampedusa keine Rolle. Er war frei, sowohl von gesellschaftlichen als auch von ästhetischen Zwängen. Vielleicht gelang ihm deshalb auf einen Schlag Weltliteratur. Licy glaubte sowieso an ihn. »Meine Tante hat ihn sehr ermutigt. Sie hat ihn immer verteidigt, ihn sehr bewundert und hielt ihn für ein Genie. Das größte Genie war natürlich sie selbst, aber gleich danach kam Giuseppe. So war ihre Weltsicht.« Es sei eine Ehe zwischen zwei ebenbürtigen Intellektuellen gewesen, meint Boris Biancheri nachdenklich. »Vielleicht wäre Giuseppe mit einer sizilianischen Ehefrau glücklicher geworden. Ich weiß es nicht. Aber dass er so spät noch zum Schriftsteller wurde, lag sicherlich an ihr.« Inzwischen ist es draußen stockfinster geworden, der römische Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Wir unterhalten uns noch eine Weile über Palermo und Giuseppes Bibliothek. Als wir uns voneinander verabschieden, erzählt Boris Biancheri an der Tür eine letzte Geschichte. »Wir brachten vor ein paar Jahren Giuseppes Bücher in unser Haus auf dem Land. Hier in Rom haben weder mein Bruder noch ich ausreichend Platz. Als wir die Kisten auspackten, fand ich eine alte Ausgabe der Reisebeschreibungen von James Cook von 1800, sehr schön gestaltet, mit Lithographien. Ich schlug sie auf, und ein Brief fiel heraus. Ich erkannte sofort die Handschrift meines Onkels. Es war ein Schreiben an einen Freund, Baron Merlo, wer weiß, ob der noch lebt, ich glaube eher nicht. Er gibt einige Hinweise, was das Personal des Leoparden angeht. Pater Pirrone sei nach dem Vorbild von jenem Priester gestaltet, heißt es zum Beispiel. Seinem Freund sei ja sicher aufgefallen, dass Tancredi viele Züge von Gioacchino trage, aber mehr äußerlich als in moralischer Hinsicht. Aber nachdem er den Brief zugeklebt hatte, muss ihm noch etwas eingefallen sein. Denn auf dem Umschlag steht ein Postskriptum: ›Achte darauf, der wahre Held dieses Romans ist der Hund Bendicò.‹ Das ist eine schöne Bemerkung.«
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