Maike Albath - Trauer und Licht
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Beinahe täglich schrieb Giuseppe nun stürmische Liebesbriefe auf Französisch, zärtlich, überschwänglich, kopflos, in dem stillen Sizilianer loderten also noch ganz andere Kräfte. Am 17. Februar 1932 hieß es: »Liebe Goodi, mein Leben, mein Leben, meine Schöne, mein Engel, my sweet beloved, meine Freundin: ich denke an Dich mit einer so großen Liebe und so großen Freundschaft, mit tiefem Respekt und einer furiosen Sehnsucht! Ich liebe Deine Seele, meine Liebe, ich liebe Deine Augen, ich liebe Deinen Mund, ich liebe es, wenn Du Deine Spielchen mit mir treibst, ich liebe es, wenn Du mich von ganz Nahem mit Deinen ernsten Augen anschaust, ich liebe es, wenn Du lachst, ich liebe es, wenn Du süß seufzt. Ich liebe jede Facette Deines Gefühls und jede Falte Deines Körpers; ich bin verrückt nach Dir und zugleich bist Du meine gesamte Weisheit. Ich liebe Dich, Licy, ich möchte, dass Du mich für immer liebst, ich bete Dich an, ich will, dass Du mir gehörst. Jetzt gehe ich in mein Zimmer hinauf und werde versuchen, mit dem Gedanken an Dich und dem Begehren nach Dir in jeder Vene einzuschlafen.« Das Paar hatte sich offenkundig verlobt, teilte den Entschluss aber niemandem mit, sondern wartete auf den richtigen Moment: »Dass das endlich der Augenblick sein wird, in dem ich meinen nun zwei Jahre andauernden Durst nach Dir befriedigen kann, den ich bisher nur in kleinen Zügen zu stillen vermochte.« 1932 reiste die baltische Baronesse nach Palermo, trat aber als Freundin und immerhin ja auch angeheiratete Verwandte auf. Giuseppes Eltern wäre die 37-jährige Psychoanalytikerin nicht im Traum als Ehekandidatin in den Sinn gekommen. Viel zu alt – und auf befremdliche Weise unabhängig. Keine Frau für ihren einzigen Sohn, auch aus dynastischen Gründen nicht, denn schließlich hatte er einen Titel zu vererben und für den Fortbestand der Tomasis zu sorgen. So ließ Giuseppe nichts mehr von seinen Plänen verlauten. Das Paar wechselte weiter romantische Briefe, in denen viel von Proust die Rede war, den sie beide verehrten. »Meine Schönheit«, »Mein Engel«, »Meine Angebetete«, adressierte Giuseppe seine zukünftige Frau, oder auch »Muri«, »Murili«, »My sweet beloved«. Später sollten sich die Kosenamen wandeln, mit einem markanten Geschlechterwechsel – als »mein Kleiner« wird Licy dann tituliert. Es ging hoch her in diesen Briefen, schließlich musste hier alles formuliert werden, was in der Wirklichkeit noch nicht gelebt werden konnte, oder zumindest nicht richtig.
»Sie waren beide glänzende Briefeschreiber«, meint Boris Biancheri. »Man hatte damals aber auch viel Zeit für solche Dinge. Mit welcher Umständlichkeit mein Onkel seinen Müßiggang zelebrierte und darüber auch noch Buch führte, ist schon beeindruckend.« Am 8. Mai 1932 schrieb er aus Palermo: »Um zehn nach neun stehe ich auf, wie immer (die Uhrzeit, um die ich in Stomersee die Glocken läuten ließ). Pietro bringt mir mein Frühstück: Milchkaffee, Brot, Butter, dann verlässt er das Zimmer, um meine Garderobe und meine Schuhe vorzubereiten. Während ich esse, lese ich Zeitung. Toilette. Um halb elf gehe ich in die Buchhaltung, es handelt sich um eine Reihe von Zimmern, die Du nie gesehen hast am anderen Ende des Hofes. Dort hält sich mein Vater auf und tätigt Zahlungen oder lässt sich bezahlen, und dort erreichen mich die Neuigkeiten des Tages. Gegen Mittag verlasse ich das Hause und gehe zur Post, um Nachrichten von Muri zu erhalten oder auch, um keine zu erhalten, dann gehe ich in den Club, wo ich Briefe an ›Murili-Darling‹ schreibe, so wie in diesem Augenblick. Um eins trifft mein Vater ein und berichtet mir, was alles passiert ist. Um zwanzig nach eins machen wir uns auf den Weg. Unterwegs kaufen wir ein bisschen Obst ein, um diese Jahreszeit Kirschen und Aprikosen. Dann Mittagessen in der Art, wie Du es erlebt hast. Anschließend nehmen wir in der Bibliothek Platz und unterhalten uns: Meine Mutter beklagt sich über die Hausangestellten und Handwerker. Um drei kehre ich in meine Räume zurück, um zu lesen und Notizen zu machen bis gegen sechs. Um sechs verlasse ich mit meiner Mutter zu Fuß das Haus. Wir gehen die Via Ingham entlang, am Teatro Politeama vorbei bis zur Via Libertà, wo wir ein Erdbeereis mit Sahne zu uns nehmen (sehr lecker). Anschließend deponiere ich meine Mutter um Viertel nach sieben bei ihrer Schwester, also direkt gegenüber von der Eisdiele, und gehe wieder in den Club, wo ich mich dazu hergebe, die schüchternen Seelen mit meinen kühnen Meinungen zu traktieren. Ein junger Mann, der es schlecht getroffen hatte, gestand mir gestern, dass er die Nacht zuvor gar nicht habe schlafen können wegen meiner abwegigen Prophezeiungen (sehr phantasievoll und detailliert), die ich vor ihm ausgebreitet hatte. Um halb zehn (unglaublich!) Abendessen. Bibliothek bis um halb elf, dann gehe ich wieder aus, um Sciarra zu treffen, den Philosophen, oder meine Cousins im Club oder in einem Café.«
Licy wusste also bestens Bescheid über die Gepflogenheiten ihres zukünftigen Gatten, auch die enge Bindung an die Mutter – täglich ein gemeinsamer Spaziergang, auf dem er sich von ihr mit Eis füttern ließ – kann ihr nicht entgangen sein. Im August verließ Giuseppe Palermo Richtung Norden. Am 17. schickte er seiner Mutter einen Brief, in dem er ausführlich von den schönen Landschaften bei Kufstein berichtet und im Detail Mittagsmahlzeiten und Kuchensorten beschreibt. Drei Tage später traf er in Riga ein. Am 20. August 1932 gaben sich Giuseppe und Licy in der russisch-orthodoxen Kirche der Stadt das Ja-Wort. Jetzt musste er auch zuhause die Karten auf den Tisch legen! Am Tag seiner Hochzeit schrieb der verlorene sizilianische Sohn weitschweifige Briefe nach Hause, sowohl an seinen Vater als auch an seine Mutter, und tat so, als habe er sich just zur Eheschließung entschieden. Wortreich ließ er sich über die tiefe Zuneigung aus, die Licy seinen Eltern gegenüber hege. Nun sollten doch auch sie ihren Segen geben: »Euerm Giuseppe, der Euch verehrt, schreibt doch gleich, wie Euch zumute ist und vervollständigt unser Glück.« Es war offenkundig, dass er voller Schuldgefühle steckte, und weil er neun Tage lang nichts hörte, schickte er noch einen weiteren fünfseitigen Brief, in dem er ausführlich die Komplikationen der Scheidung Licys schilderte, ihren guten Charakter wortreich darlegte, die Mutter drei Mal beschwor, ihn zu entschuldigen, falls er sie traurig gemacht haben sollte. Ein fünfunddreißigjähriger Mann! »Ich bitte Euch: Ich weiß, wie sehr Ihr mich liebt und wie sehr alle Eure Gedanken um mich kreisen, aber ich bitte Euch, lasst Euch nicht von einem unvernünftigen Anflug von Zorn mitreißen, was nicht nur mein derzeitiges Glück trüben würde, das riesig ist (und das Euch rühren würde, könntet Ihr mich sehen), sondern auch mein zukünftiges.« Und schließlich ging es ans Eingemachte: »Licy ist schön, ein Engel an Sanftheit und Güte, sie hat ein auf merkwürdige Weise kompliziertes Leben mit großer Würde und unvergleichlicher Reinheit ertragen, und sie ist reich: Sie erhält 60.000 Lire im Jahr nur für sich, ohne Abzüge, netto, außerdem Stomersee und das, was das Land ringsum bringt, und wegen ihrer gesellschaftlichen Position und ihrer Persönlichkeit ist sie hier eine Art Königin; sie will in Italien leben außer im Hochsommer. Darauf, dass niemand mich je so verstanden hat und verstehen wird, will ich gar nicht erst bestehen, denn das wisst Ihr. Ich bitte Euch, denkt darüber nach, bevor Ihr ein so vielversprechendes Vorhaben (nichts kann es verhindern) mit einer Geste von Ungeduld zerstört.«
Zu verhindern war ohnehin nicht mehr viel, denn es war ja längst geschehen. Es trafen einigermaßen beschwichtigende Briefe ein, aber Giuseppe schien spätere Verwerfungen schon geahnt zu haben. Der anfängliche Enthusiasmus seiner neuen Schwiegermutter – eine Hochzeit für die arme Licy, endlich, nach all dem Kummer! – wich großer Irritation, als sich herausstellte, dass es nichts mehr zu feiern gab. Eine Hochzeit ohne Fest, wie sollte man das der weitläufigen Verwandtschaft, den Großtanten, Großonkeln, Cousinen, Cousins, Nichten und Neffen erklären? Wie sich, um Himmels willen, rechtfertigen? Ende September kam es zu einem Treffen in Bozen, zu dem die verschwägerten Eltern und die Brautleute anreisten und bei dem viel diplomatisches Fingerspitzengefühl notwendig war. Immerhin, Pietro Torretta, schließlich auch der Bruder der Bräutigammutter, war ja Botschafter gewesen. Boris Biancheri hat unterdessen Fotos seiner Großmutter Alice auf dem Tisch ausgebreitet und schildert die komplizierte Familiendiplomatie. Vielleicht ist es kein Zufall, dass auch er selbst den Beruf seines Stiefgroßvaters ergriff? Seine Großmutter wusste jedenfalls, wie es um ihre Tochter Licy stand, und hatte eine ganz andere Sicht auf die Dinge. In ihr Tagebuch schrieb sie: »Licy trauert ihrer verlorenen Position in Lettland nach, wo ihre Familie, ihr Name und auch sie selbst so ein großes Prestige besitzen, während sie in Palermo niemand ist und in zwei Zimmerchen wird wohnen müssen, in denen sie nicht einmal Besucher wird empfangen können, die sie sehen möchten. Weder versteht sie die Würde der Familie und den Titel, den sie jetzt trägt, noch kann sie dies überhaupt anerkennen.« Dass den Eheleuten keine eigene Wohnung im Palazzo Lampedusa zustand, sondern sie sich Wand an Wand mit Beatrice und Giulio Tomasi arrangieren sollten, fand Alice höchst befremdlich. Beatrice würde es nie zulassen, dass man ihr den Sohn wegnähme, bemerkte Don Giulio trocken. Für ihn selbst schien die enge Bindung zwischen Mutter und Sohn entlastend gewesen zu sein, zumindest war er so aus der Schusslinie. Als er dann 1934 auch noch starb, erbte Giuseppe den Titel und war nun der »principe di Lampedusa« – und endgültig an Palermo gefesselt: Ein sizilianischer Sohn kann eine verwitwete Mutter unmöglich allein lassen. Er hat für sie da zu sein. Immer. Die Ehe mit Licy geriet erst viel später in ruhigere Fahrwasser.
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