Gegen das Frühjahr wurde er krank.
„Blutarmut“, sagte der Arzt und sprach von Nachwehen der Englischen Krankheit, die der Patient als Kind gehabt. „Gesunde, nicht zu anstrengende Bewegung in frischer Luft.“
Ja, wo sollte man die finden?
Die Mutter weinte vor Besorgnis. Sie litt nicht mehr, daß ihr Arthur den Alten zur Halle begleitete. „Det haste nur dervon“, schrie sie ihren Mann an. „In aller Herrjottsfriehe — immer raus — der arme Junge!“ Und sie packte ihren Arthur bis an die Nase ein, kochte ihm jeden Morgen Mehlsuppe — die hatte sie dem „Herrn Doktor“ auch gekocht — und ließ ihn bis zehn, elf im Bette liegen.
Da lag nun Arthur und dehnte und rekelte sich; an Schlafen war längst nicht mehr zu denken, das Geschwätz und Gebimmel des Ladens ging seit Stunden. Wenn er endlich aufgestanden war, schlorrte er in Pantoffeln, die Hände in den Hosentaschen, in die Stube, von da in den Laden und wieder zurück in die Stube; ging auch in die Küche, rümpfte die Nase über den Töpfen und warf sich dann zuletzt aufs Sofa. Er gähnte. Oder er schäkerte mit Elli, amüsierte sich erst über ihr altkluges Geschwätz, neckte sie dann, zwickte sie, zupfte sie an den Haaren, bis ihr Lachen in Weinen überging und sie ihn ins Gesicht kratzte. Der Tag war endlos, bleiern schlichen die Stunden. „Viel in frischer Luft sein“, hatte der Doktor verordnet — aber wozu? Arthur hatte nicht Lust, den Tiergarten abzulaufen und einzig und allein zu beobachten, wie die Knospen schwollen und platzten, während drüben in den Zelten Militärmusik spielte und Bierseidel klapperten. War das ein Vergnügen, im Viktoriapark über Hunderte von Kindern zu stolpern? Oder in der Hasenheide und im Grunewald mit trockenem Mund an den Biergärten vorüberzulaufen?! Ohne Geld kein Vergnügen; und Geld hatte er keins, der Vater rückte nichts heraus, und die paar Groschen, die ihm die Mutter manchmal zusteckte, waren für gar nichts.
So blieb er lieber ganz in der Göbenstraße. Stundenlang lehnte er an der Blaulackierten, auf der obersten Stufe der Kellertreppe, und ließ sich von dem bißchen Sonne bescheinen, das über die hohen Häuserfirste bis hier herunterdrang.
Nur das unverschämt lustige Schirpen der Sperlinge, das Lärmen spielender Kinder und die grünrötlichen Rhabarberstengel, die zum Verkauf auslagen, kündeten ihm den Frühling.
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