Durch die Folgen des Kriegs und eine Pest, die 542 ein Drittel der Einwohner des Reichs tötete, war es schwer, Soldaten für die Garnisonen in Italien zu finden. Die neue Provinz brachte wenig Steuern ein und wurde eine große finanzielle Bürde. Der Optimismus bei der Eroberung Roms wich einer überaus düsteren Stimmung, die bestätigt wurde, als 568 die Langobarden in Italien einfielen und Gebiete in Nord- und Mittelitalien einnahmen. Byzanz unternahm keinen ernsthaften Versuch mehr, das Römische Reich im Westen wieder zu errichten.
Obwohl das Byzantinische Reich noch weitere 900 Jahre überdauerte, konnte es das Römische Reich im Westen nie wieder errichten. Es konzentrierte sich nun auf sein griechischsprachiges Kerngebiet im Osten und erlaubte die ungehinderte Entwicklung der germanischen Königreiche in Italien, Frankreich und Spanien. 
DIE WAHRHEIT IST GEKOMMEN, UND DAS FALSCHE GEHT DAHIN
MOHAMMED EMPFÄNGT DIE GÖTTLICHE OFFENBARUNG (UM 610)
IM KONTEXT
FOKUS
Aufstieg des Islam
FRÜHER
um 550Ende des Königreichs Himjar in Südarabien
570Geburt Mohammeds
611Der persische Schah Chosrau II. erobert Ägypten, Palästina und Syrien von den Byzantinern
SPÄTER
622Mohammed und seine Anhänger fliehen aus Mekka und wandern nach Medina aus
637Nach einer Belagerung nimmt ein muslimisches Heer Jerusalem ein
640Der muslimische Feldherr Amr ibn al-As erobert Ägypten
661Muawija gründet in Damaskus (Syrien) das Omajjaden-Kalifat
711Muslimische Armeen kommen nach Spanien und erobern das christliche Königreich der Westgoten
Um 610 erklärte Mohammed, ein 40-jähriger Mann aus einer Kaufmannsfamilie, in einer Höhle bei Mekka in Zentralarabien eine göttliche Nachricht vom Engel Gabriel erhalten zu haben. Ähnliche Offenbarungen in den nächsten Monaten und Jahren führten zur Gründung einer neuen monotheistischen Religion: des Islam. Innerhalb von 20 Jahren eroberte dieser Glaube die Arabische Halbinsel, und ein Jahrhundert später hatten seine Anhänger das alte Byzantinische Reich zurückgedrängt, das Perserreich zerschlagen und einen Staat von Spanien bis Zentralasien errichtet.
Diese Miniatur aus dem 16. Jh.zeigt die als Haus Gottes und heiligsten Schrein des Islam verehrte Kaaba, die zum Anlass der Geburt des Propheten von Engeln geschmückt wird
Ab dem 1. Jt. v. Chr. gab es in Südarabien hoch entwickelte Königreiche, die ihren Reichtum dem Gewürzhandel verdankten. Zu Beginn verliefen die Handelswege entlang der Nordwestküste, aber diese verloren bis zum 7. Jh. an Bedeutung, und die Kaufleute benutzten verstärkt einen Seeweg durch das Rote Meer, was zum Niedergang vieler einst relativ wohlhabender Orte führte. Es gab ein paar verstreute Städte wie Medina (damals Yathrib) und Mekka, die vom eher örtlichen Handel mit Wolle und Leder sowie ein paar wichtigen Importgütern wie Getreide und Olivenöl abhingen. Die Wüstenregionen in der Mitte der Arabischen Halbinsel waren sehr arm; Beduinenstämme lebten dort als Nomaden, und der Wettkampf um knappe Ressourcen formte eine Gesellschaft, in der man vor allem der Sippe oder dem Stamm treu war.
Zur Zeit Mohammeds durchlebte Arabien religiös und politisch eine unruhige Zeit. Im Jemen im Süden und in den nordwestlichen Oasenstädten wie Medina hatten sich starke jüdische Gemeinschaften etabliert, während das Christentum im Jemen und in Ostarabien Fuß gefasst hatte. Obwohl die monotheistischen Religionen gegenüber dem traditionellen polytheistischen Heidentum der beduinischen Araber auf dem Vormarsch waren, blieb dieses stark. Es gab häufig Konflikte zwischen den Stämmen, und in Mekka hatte man in der heiligen Einfriedung des haram einen Waffenstillstand durchgesetzt, damit verschiedene Stämme friedlich Handel treiben konnten.
Dieser haram wurde von dem mächtigen Quraisch-Stamm kontrolliert, zu dem auch Mohammed gehörte. Mohammeds Ablehnung des Heidentums und seine kühne Behauptung, es gebe nur einen Gott und Gläubige müssten bestimmte religiöse Vorschriften befolgen – fünfmal täglich beten sowie fasten während des Ramadans –, hoben seine Anhänger von anderen ab. Sein Predigen von einer einzigen religiösen Gemeinschaft über soziale Grenzen hinweg wurde von den traditionellen Anführern als Bedrohung angesehen.
622 war die Atmosphäre in Mekka so angespannt, dass Mohammed und seine Handvoll Anhänger nach Norden nach Medina flohen. Dieses als hedschra (Auswanderung) bezeichnete Ereignis markiert die wahre Gründung der islamischen Glaubensgemeinschaft. Die Mediner, die den Quraisch von Mekka ihre Macht verübelten, waren Mohammed freundlich gesinnt und ließen ihn frei predigen und so weitere Menschen bekehren.
Die Quraisch missbilligten Mohammeds wachsende Machtbasis in Mekka, und innerhalb von zwei Jahren brachen Feindseligkeiten zwischen den dortigen Machthabern und Mohammeds Anhängern aus. Mohammed überlistete die Quraisch zunächst durch Überfälle auf ihre Karawanen und 627 in einer Feldschlacht und erhielt schließlich das Recht, 629 für eine Pilgerfahrt nach Mekka zurückzukehren. Als er 632 starb, hatte er sich in Mekka wieder etabliert, und seine diplomatischen und militärischen Erfolge bei der Gewinnung anderer Stämme für seine Sache hatten ihn unangreifbar gemacht. Durch seine wachsende Autorität verbreitete sich auch seine religiöse Botschaft, und die Übertritte zum Islam nahmen zu.
Nach Mohammeds Tod geriet der Islam in eine Krise, und die junge Religion hätte leicht vernichtet werden können. Stämme im Osten lösten sich von der Gemeinschaft der Muslime (umma) und folgten einem eigenen Propheten, während bei den Medinern Unzufriedenheit über die Vorherrschaft der Mekkaner herrschte. Die Wahl von Mohammeds Schwiegervater Abu Bakr zum Kalifen (Nachfolger) zeigte, dass die Führung in der Familie des Propheten verbleiben würde, und zusammen mit einer Reihe von erfolgreichen Militärkampagnen gegen die Unzufriedenen ermöglichte dies das Fortbestehen der umma .
Die Schlacht von Uhud(625) war einer von mehreren blutigen Konflikten zwischen den Muslimen von Medina unter Mohammed und der größeren Quraisch-Armee aus Mekka
Eroberungen über Arabien hinaus
Nachdem sie ihre Position gesichert hatten, begannen Mohammeds Nachfolger, besonders Omar (634–644), Eroberungsfeldzüge in weiter entfernte Gebiete. Sie wurden von tief greifenden Veränderungen am Nordrand Arabiens begünstigt. Von 602 bis 628 hatten die beiden alten Großreiche der Region – die Byzantiner im Nordwesten und die persischen Sassaniden im Nordosten – einen langen, erbitterten Krieg geführt, der für beide in einer Katastrophe endete. Die Kosten des Konflikts hatten die öffentlichen Kassen geleert, und manche Teile ihrer Gebiete waren völlig verwüstet worden. Zudem waren beide Seiten für die Verteidigung ihrer Grenzen von den Arabern abhängig geworden, und am Rand der beiden Großreiche hatten sich halb unabhängige arabische Kleinstaaten gebildet.
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