In dieser Notlage machte Ramses seinen Sohn Seti zum Mitregenten. Er sollte nun für ihn die Geschäfte erledigen und ihn in der Öffentlichkeit vertreten.
Tuja sah sich bereits als Große Königsgemahlin und hoffte, Seti würde nun dafür sorgen, dass Moses aus dem Palast geschafft würde. Jedes Mal, wenn sie ihn sah, musste sie an ihren verstorbenen Sohn denken und daran, dass an dem Unglück niemand anders als dieser Balg schuld war. Doch Seti hatte nun größere Sorgen.
Ramses Zustand änderte sich nicht. Im Gegenteil. Nicht nur das Ohr, auch die Backenknochen und der ganze Nacken taten ihm schließlich weh. Er hatte das Gefühl, als glühe es ihm im ganzen Kopf.
Die Ärzte versuchten ihr Bestes, aber sie konnten ihm nicht helfen. Er siechte dahin unter unerträglichen Schmerzen. Am Tag, wenn er die Familie oder hohe Würdenträger in seiner Nähe wusste, unterdrückte er die qualvollen Schmerzen. Er fühlte sein Ende kommen und wollte sterben, wie es eines Königs würdig war. Doch des Nachts hörten die Wachen vor seinem Zimmer und die Diener sein Stöhnen.
Als es mit ihm zu Ende ging, versammelten sich seine Familie und die höchsten Würdenträger um sein Bett. Die Ärzte sollten unter Zeugen seinen Tod feststellen und ein Schreiber das traurige Geschehen zu protokollieren.
Es war eine stickige, übel riechende Luft in dem Raum.
Der Pharao lag da mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er war kaum wiederzuerkennen. Die Krankheit schien den Wangenknochen unter dem einen Auge angefressen zu haben. Die dadurch entstandene Einbuchtung war von gelblicher Haut überzogen. Es war eine Erlösung für ihn wie auch für die um ihn Stehenden, als er endlich mit einem leisen Seufzer den letzten Atemzug hervorpresste und sein Leibarzt den Tod bestätigen konnte. Ramses hatte kaum zwei Jahre regiert.
Die Nachricht vom Tod des Pharaos wurde durch Herolde im ganzen Land verkündet und rief große Betroffenheit hervor. Niemand hatte damit gerechnet, dass Ramses so früh sterben würde. Er war nicht viel über fünfzig Jahre alt geworden. Sein Grab im Tal der Könige war noch nicht fertig gestellt.
Siebzig Tage nach dem Tod des Pharaos, wurde sein einbalsamierter Leichnam in einen kostbaren Sarg gelegt und auf der königlichen Barke auf dem Nil nach Abydos geführt.
Die Pilgerfahrt nach Abydos, um dort dem Gott Osiris zu opfern, gehörte seit Urzeiten zum Ritual für jeden toten Pharao. Dieser Brauch war nur für Echnaton, den Ketzer, unterbrochen worden.
Am Ufer des Nils standen die Menschen, um vom Pharao Abschied zu nehmen. Wo überall die goldverzierte, im Glanz der Sonne schimmernde königliche Barke vorüberfuhr, warfen sie sich auf den Boden.
Nach der Landung in Abydos wurde der Sarg mit dem toten König ausgeladen und auf einen Wagen gelegt, der von Ochsen bis zum Grab des Osiris, dem Gott des Totenreichs, gezogen wurde. Vor dem Eingang wurde der Sarg vom Wagen gehoben und die Treppe hinab zum Grab getragen. Hier wurde er vor den Gott gestellt, und die Königsfamilie brachte dem Osiris ihre Opfergaben dar, während die Priester ihre Gebete und die beim Tod eines Herrschers üblichen Litaneien sprachen.
Als sie aus dem düsteren Grab des Osiris wieder heraufgestiegen waren und Seti mit noch geblendeten Augen unter dem Tor stand und hinausblickte, reifte in ihm der Gedanke, hier, neben dem Grab des Totengottes einen prachtvollen Tempel für Seth zu bauen zum Ruhm des Gottes, dessen Hohepriester er war und zu seinem eigenen Ruhm als Pharao, der er nun bald sein würde.
Am anderen Tag ging die Fahrt auf dem Nil weiter. Am Westufer bei Theben wurde der Sarg wiederum ausgeladen und zusammen mit dem Kanopenschrein, der die einbalsamierten Eingeweide des Pharaos enthielt, auf einen großen Schlitten gelegt, der ebenfalls von Ochsen gezogen wurde.
Unter dem Wehklagen der Klageweiber zog der lange Trauerzug in die Berge. Die Trauernden, voran die Familie und die Edelleute, trugen weiße Kopfbinden und weiße Sandalen zum Zeichen der Trauer. Im Tal der Könige, vor dem in großer Eile fertig gestellten Grab, hielt der Zug an. Sarg und Kanopenschrein wurden über zwei lange, enge Treppen hinab in die Grabkammer getragen. Nur die Familie und die Priester folgten dem toten König.
In der kleinen Kammer wurde der Sarg geöffnet und an die Wand gestellt. Seti, dem Sohn und Nachfolger Ramses’, gebührte die Ehre und Pflicht der Mundöffnung. Mit einem Messer öffnete Seti seinem toten Vater den Mund, damit er im Jenseits die Speisen würde zu sich nehmen und sein Ba, sein geistiges Wesen, in seinen mumifizierten Körper würde ein- und ausgehen können.
Dann wurde der Sarg geschlossen und in einen steinernen Sarkophag gelegt, der mit einer schweren Steinplatte geschlossen wurde. Auf ihm und rund um ihn herum wurden die Grabbeilagen abgelegt: ein großes Henkelkreuz, ein Anch, das Zeichen des Lebens, viele kleine Uschebtis, mumienartige Grabfiguren, die dem verstorbenen Pharao in der Duat, im Jenseits, dienen sollten. Dann auch viele persönliche Gegenstände, die dem Pharao gehörten: Trinkbecher, goldene Teller, goldene Armreifen, sein mit kostbaren Steinen geschmücktes Pektoral und vieles mehr, was ihm im Leben lieb geworden war und was ihm in der Duat das jenseitige Leben erleichtern und verschönern würde.
Im Schein der Fackeln erkannten die Trauernden die farbigen Darstellungen an den Wänden, die doch noch rechtzeitig fertig geworden waren. Eine von ihnen zeigte den toten Pharao, wie er vor dem Gott Osiris erscheint.
Nachdem alle wieder ans Tageslicht gestiegen waren, wurde der Eingang des Grabes zugemauert und die Mauer mit Erde und Steinen zugeschüttet; denn kein Grabräuber sollte den Eingang finden und die kostbaren Beigaben stehlen können.
Draußen vor dem Grab feierte die Menge der Leute, die gekommen waren, zusammen mit der königlichen Familie den Eingang des Pharaos ins Totenreich mit einem festlichen Mahl. Berauscht und in fröhlicher Stimmung kehrte man zum Fluss zurück, wo die Familie die Barke bestieg und sich auf dem Nil heimwärts treiben ließ.
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