Möglichst bald anfangen …
Klimaschutz braucht deutlich weniger Treibhausgase, und das sofort. Die Zeit drängt. Wollen wir die Umwelt und unser Klima vor Veränderungen mit nicht absehbaren Folgen bewahren, müssen wir den Mut haben, auch die dicken Bretter zu bohren.
An diesem Punkt setzt bei vielen Menschen das große Zweifeln ein: Kann ich als Einzelner überhaupt etwas bewirken? Richtig ist: Bei 8 Milliarden Erdbewohnern fällt der Beitrag jedes Einzelnen global gesehen kaum ins Gewicht. Doch die Hände in den Schoß zu legen ist keine Alternative, soll unser Planet bewohnbar bleiben. Tragen Sie Ihren Teil bei – und vertrauen Sie darauf, dass immer mehr Menschen dasselbe tun.
… aber nicht alles sofort machen
Sein CO 2-Konto zu entlasten ist gar nicht so schwer, wenn Sie die „Big Points“ in den Blick nehmen. Wer zum Beispiel auf den jährlichen Flug von Berlin nach Teneriffa verzichtet, spart pro Person 1,2 Tonnen CO 2ein – wer 7 500 Kilometer weniger allein mit dem Auto fährt, in etwa dieselbe Menge.
Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen acht dieser großen Schritte vor. Nicht alle davon müssen Sie gehen – es gibt mehrere Wege zu einem klimaneutralen Lebensstil. Doch je mehr Menschen jetzt loslaufen, desto größer wird der Druck auf Politik und Wirtschaft, sich in Sachen Klimaschutz noch stärker als bisher zu engagieren. Anders formuliert: Je mehr Menschen Ökostrom nachfragen, desto eher werden die Anbieter reagieren und mehr „saubere Energie“ erzeugen.
„NEBENBEI“ DAS KLIMA SCHÜTZEN
Was ist einfacher: In einen Supermarkt oder zum Discounter zu gehen und dort gezielt nach biologisch erzeugten Produkten zu suchen? Oder von vornherein im Bio-Supermarkt einzukaufen? Für die meisten Menschen wohl Letzteres.
Ob es ums Einkaufen, die eigene Fortbewegung oder die beste Geldanlage geht – wer sich einmal grundsätzlich für die ökologisch sinnvolle und nachhaltige Variante entscheidet, spart viel Zeit und Mühe.
Im besten Fall – zum Beispiel beim Wechsel zu Ökostrom oder dem Dämmen des Eigenheims – werden Sie einmal aktiv und sind dann jahrelang auf der sicheren, der „grünen“ Seite.
Was bringt das? Häuser, deren Außenhülle nicht ausreichend gedämmt ist, verbrauchen bis zu viermal so viel Heizenergie. Faustregel: Erst dämmen, dann eine geeignete Heizung einbauen.
Was kann ich tun? Neben synthetischen Materialien gibt es auch Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Holzfasern, Zellulose und Kork. Bevor Sie starten, holen Sie den Rat eines unabhängigen Experten ein, etwa bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale.
Extra-Tipp Wer sein Haus dämmt, bekommt staatliche Förderung (Infos siehe S. 157), muss jedoch Mindestanforderungen erfüllen. Infos u. a. auf kfw.de.
Was bringt das? Während viele große Autos pro Kilometer deutlich mehr als 200 Gramm CO 2ausstoßen, begnügen sich die effizientesten Modelle mit weniger als 100 Gramm. Macht deutlich über 50 Prozent Ersparnis.
Was kann ich tun? Wer ein eigenes Auto benötigt, sollte keinen übermotorisierten Boliden, sondern ein kompaktes Modell wählen, das vergleichsweise nur wenig Kraftstoff verbraucht – oder mit Biokraftstoff, Flüssiggas beziehungsweise sauberem Strom angetrieben wird.
Extra-Tipp Ausreichender Reifendruck und niedrigtouriges Fahren senken zwar den Verbrauch, können jedoch ein emissionsarmes Auto nicht ersetzen.
Was bringt das? Pestizide vernichten Unkraut und Schädlinge, aber vielfach auch Bienen und andere Nützlinge. Die Landwirtschaft gefährdet so in hohem Maß die Artenvielfalt. Ökologische Landwirtschaft steuert aktiv dagegen und zeigt: Wer grüner leben will, sollte sein Engagement nicht auf das Einsparen von CO 2beschränken.
Was kann ich tun? Scheuen Sie nicht den Aufpreis für Bio-Produkte, planen Sie Ihre Einkäufe besser und kaufen Sie nur das, was Sie wirklich verwenden.
Extra-Tipp: Bio-Siegel ist nicht gleich Top-Ökobilanz. Achten Sie deshalb auch auf regionale Herkunft und kaufen Sie saisonal.
Was bringt das? Auf einem Fernflug von Frankfurt/Main nach Los Angeles und zurück werden pro Person rund 3,8 Tonnen CO 2in die Atmosphäre geblasen, auf einem Inlandsflug von Hamburg nach München immer noch 0,22 Tonnen. Diese Mengen sparen Sie ein.
Was kann ich tun? Wählen Sie Urlaubsziele, die Sie mit Bahn, Bus oder Auto erreichen können. Reduzieren Sie insbesondere die Zahl der Fernflüge. Entscheiden Sie sich im Inland grundsätzlich gegen das Flugzeug und nehmen Sie stattdessen Bahn oder Fernbus.
Extra-Tipp: Je kürzer die Entfernung, desto geringer der Zeitvorteil, den das Fliegen bietet (siehe S. 186
).
Was bringt das? Die Wohnfläche pro Kopf liegt derzeit im Schnitt bei rund 47 Quadratmetern. Neben steigendem Flächenverbrauch für immer größere Neubauten sorgt jeder Quadratmeter mehr für höheren Energieverbrauch durch Heizung und Strom, die Herstellung von Möbeln und Haushaltsgeräten etc. Wer sich flächenmäßig begrenzt, spart Kosten und Emissionen ein.
Was kann ich tun? Streben Sie bei Umzug oder Hausbau nicht nach maximaler Fläche. Ziehen Sie mit Lebensgefährten, Verwandten oder Freunden zusammen.
Extra-Tipp: Für viele ältere Menschen ist es sinnvoll, sich nach dem Auszug der Kinder zu „verkleinern“.
Was bringt das? Zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Carsharing schadstoffarm, leise und effizient von A nach B zu gelangen entlastet Umwelt und Geldbeutel. So lassen sich Ressourcen und Energie für die Produktion eines eigenen Autos, dessen Kaufpreis, Betriebskosten sowie Emissionen (bei 10 000 km/Jahr je nach Modell zwischen ca. 1,5 und 3,5 Tonnen) sparen.
Was kann ich tun? Steigen Sie auf öffentliche Verkehrsmittel um. Gehen Sie kurze Strecken zu Fuß oder nehmen Sie dafür das Rad.
Extra-Tipp: Prüfen Sie, inwieweit Sie ÖPNV und Car- oder Bikesharing miteinander verknüpfen können.
Was bringt das? Wer seinen Verzehr an Fleisch, Wurst und Milchprodukten spürbar reduziert und vorwiegend regional und bio kauft, kann seinen CO 2-Ausstoß um rund 0,3 Tonnen im Jahr senken. Vegetarier sparen im Vergleich zu durchschnittlicher Mischkost rund 0,4, Veganer rund 0,8 Tonnen CO 2im Jahr (Quelle: UBA / CO 2-Rechner).
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