WIE UNSER LEBENSSTIL DEN KLIMAWANDEL ANTREIBT
Die gute Nachricht: Laut vorläufiger Bilanz des Umweltbundesamtes (UBA) haben wir Deutschen im Jahr 2019 „nur“ 805 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen – 6,3 Prozent weniger als 2018. Im Vergleich zum internationalen Referenzjahr 1990 ist das sogar ein Rückgang von 35,7 Prozent. Vor diesem Hintergrund scheint das gesetzlich fixierte Klimaziel für 2030, eine Senkung um 55 Prozent auf 543 Millionen Tonnen pro Jahr, zwar ambitioniert, aber nicht unerreichbar zu sein.
Energieverbrauch gesunken
Gründe sind ein deutlich gesunkener Stromverbrauch und der Rückgang der Kohleverstromung. So erzeugten Steinkohlekraftwerke 31 Prozent weniger Energie, Braunkohlekraftwerke 22 Prozent. Im Gegenzug stieg der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonne: Im ersten Quartal 2020 deckten sie sogar erstmals über 50 Prozent der Stromnachfrage ab.
Die schlechte Nachricht: Im Bereich Verkehr stiegen 2019 die Emissionen – weil Käufer sinkende Abgaswerte mit PS-starken Motoren und schweren SUV kompensieren und alternative Antriebe bei den Verkaufszahlen weiter schwächeln. Auch die Emissionen von Gebäuden nahmen zu, obwohl 2019 alles andere als ein kaltes Jahr war. Viele Altbauten sind nach wie vor nicht energetisch saniert – pro Jahr passiert das nur bei etwa einem Prozent des Bestandes.
Mehr Konsum – mehr Emissionen
Auf jeden Bundesbürger entfällt derzeit laut Statistik ein Ausstoß von zirka 11 Tonnen CO 2(siehe auch S. 16 AUS 11 MACH 1 – IHR GANZ PERSÖNLICHES KLIMAZIEL Wir hier in Deutschland verursachen pro Jahr und Kopf statistisch gesehen rund 11 Tonnen CO 2 . Verglichen mit den Werten von Katar (31 Tonnen) oder Australien (16 Tonnen) nimmt sich das geradezu bescheiden aus – ist aber kein Grund, uns auf die Schultern zu klopfen. Wir liegen nicht nur deutlich über dem weltweiten Durchschnitt (ca. 7 Tonnen), sondern toppen locker jenen aller 28 EU-Staaten (8,4 Tonnen).
). Dabei gilt: Je höher das Einkommen, desto höher die Konsumausgaben und damit die Umweltbelastung. Wer es sich leisten kann, fliegt statistisch gesehen nun mal öfter und fährt ein größeres und schwereres Auto.
Doch Emissionen erzeugen wir nicht nur direkt über Abgase, sondern auch indirekt – indem wir etwa Lebensmittel, Kleidung und Schuhe oder auch Haushalts- und elektronische Geräte kaufen, die aufwendig zu produzieren sind und/oder über weite Strecken zu uns transportiert werden müssen. Wer direkte und indirekte Emissionen bewusst reduziert, rettet zwar nicht die Welt – trägt jedoch seinen Teil dazu bei.
WIR ALLE VERURSACHEN CO 2– beim Einkaufen, Autofahren, Wäschewaschen. Doch wie viel genau? Hier eine Orientierung.
0,17 kg
100 km Pedelec-Fahren mit Ökostrom (Verbrauch je 100 Fahrkilometer: ca. 1 kWh)
0,3 kg
12-minütiges Aufbacken einer Fertigpizza im Backofen bei 250 Grad Celsius
1 kg
pro 5 Min. Duschen ohne Sparbrause, Durchfluss: 15 l/Min. bei 38°C und Gas-Brennwertkessel
5,7 kg
Herstellung von einem Kilogramm Käse
13,6 kg
Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch
60 kg
jährlich beim Betrieb eines Kühlschranks mit Energieeffizienzklasse A+++
110 kg
ein Jahr Wäschewaschen (220 Waschgänge/Jahr mit A+++- Waschmaschine)
182 kg
pro 1000 Kilometer Autofahren (bei einem Durchschnittsverbrauch von 7 l Benzin auf 100 km)
3400 kg
pro Person auf einem Flug von Frankfurt/Main nach Singapur (hin und zurück, Economy)
AUS 11 MACH 1 – IHR GANZ PERSÖNLICHES KLIMAZIEL
Wir hier in Deutschland verursachen pro Jahr und Kopf statistisch gesehen rund 11 Tonnen CO 2. Verglichen mit den Werten von Katar (31 Tonnen) oder Australien (16 Tonnen) nimmt sich das geradezu bescheiden aus – ist aber kein Grund, uns auf die Schultern zu klopfen. Wir liegen nicht nur deutlich über dem weltweiten Durchschnitt (ca. 7 Tonnen), sondern toppen locker jenen aller 28 EU-Staaten (8,4 Tonnen).
Das große Ziel: eine Tonne pro Jahr
Die Menschheit stößt pro Jahr etwa 50 Milliarden Tonnen aus – viel zu viel. Wie viel zu viel ist auch bekannt: Wollen wir das 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris beschlossene Ziel erreichen und die Erderwärmung auf 1,5, zumindest aber auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen, muss der weltweite Ausstoß bis 2050 auf 10 Milliarden Tonnen sinken.
Gesetzt den – wahrscheinlichen – Fall, dass die Weltbevölkerung bis zu diesem Zeitpunkt auf 10 Milliarden gewachsen ist und sich der Ausstoß fair verteilt, dürfte jeder Erdbewohner noch eine Tonne CO 2pro Jahr verursachen. Allerhöchstens!
Und wie sieht Ihre Bilanz aus?
Damit nicht genug: Da wir in Deutschland deutlich mehr Klimagase ausstoßen als der weltweite Durchschnitt, müssten wir sogar rund 90 Prozent einsparen! Das ist für jeden Einzelnen unmöglich, denn einen Teil der Emissionen verursachen nicht Privatpersonen, sondern Unternehmen, zum Beispiel Energieerzeuger, Stahlwerke und Transportfirmen. Dennoch ist es möglich, die persönliche CO 2-Emission mindestens zu halbieren. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass bereits heute viele Menschen in Deutschland mit einem Fußabdruck von nur 5 Tonnen gut leben können. Wie Ihre Bilanz – und Ihr Einsparpotenzial – aussieht, können Sie mit dem CO 2-Rechner des Umweltbundesamtes ermitteln (siehe Kasten rechts).
Quer durch alle Lebensbereiche
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