Steigende Temperaturen
In vielen Teilen der Welt ist der Klimawandel bereits deutlich spürbar – in manchen Regionen trocknen infolge anhaltender Dürren Seen aus, in anderen steigt der Meeresspiegel durch schmelzendes Polareis.
DESHALB WIRD UNSER PLANET ZUM TREIBHAUS
Die Erde ist von einer dünnen Gasschicht umhüllt – die überragende Bedeutung hat. Die Atmosphäre schützt uns vor schädlicher Strahlung aus dem Weltall, gleicht die erheblichen Temperaturunterschiede zwischen dem Äquator und den Polen halbwegs aus und sorgt für erträgliche Temperaturen: Gäbe es sie nicht, würden wir bei frischen minus 18 Grad ganz schön bibbern. Zu wenig Wärme sollte die Atmosphäre jedoch nicht entweichen lassen – dann heizt sich die Erde langsam auf. Genau das passiert im Moment.
ErderwärmungDie Atmosphäre besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff und zu 21 Prozent aus Sauerstoff. Weitere Gase kommen in geringen Konzentrationen vor. Einige von ihnen haben die Eigenschaft, Sonnenlicht ungehindert passieren zu lassen, die von der Erdoberfläche abgegebenen Wärmestrahlen jedoch zu absorbieren. Dieser natürliche Treibhauseffekt sorgt für lebensfreundliche Verhältnisse. Ausgelöst wird er zu zirka zwei Dritteln durch Wasserdampf (H 2O), gefolgt von Kohlendioxid (CO 2), Distickstoffoxid („Lachgas“, N 2O) und Methan (CH 4).
Problem CO 2Wenn sein Einfluss so groß ist – warum spielt Wasserdampf dann keine Rolle in der Diskussion um den Klimawandel? Ganz einfach: weil er zwar den durch Menschen verursachten Treibhauseffekt verstärkt, aber nicht dessen Ursache ist. Anders als Kohlendioxid: Seit Beginn der Industrialisierung stieg der CO 2-Gehalt der Atmosphäre um 35 Prozent an. CO 2entsteht vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger und kann bis zu 1000 Jahre in der Atmosphäre bleiben.
PotenzialTreibhausgase tragen unterschiedlich zur globalen Erwärmung bei. So wirkt 1 Kilogramm Methan, wie es in der Rinderzucht und beim Reisanbau entsteht, 25-mal so stark wie dieselbe Menge CO 2– Lachgas sogar 298-mal so stark. Noch größer ist das Treibhauspotenzial nicht natürlich vorkommender (teil-)fluorierter Kohlenwasserstoffe („F-Gase“): So wirkt das etwa in Schallschutzfenstern enthaltene Schwefelhexafluorid (SF 6) bis zu 22 800-mal so stark.
UmrechnungUm die Emissionen verschiedener Treibhausgase vergleichen zu können, rechnet man sie in CO 2-Äquivalente (CO 2-eq) um. Ist in diesem Buch also von einer bestimmten Menge CO 2die Rede, bezieht sich der Wert – falls nicht anders angegeben – auf die Gesamtmenge aller Treibhausgase.
WENN ES AUF DER ERDE IMMER WÄRMER WIRD …
Ist auf UN-Klimagipfeln von einem, zwei oder fünf Grad Erderwärmung die Rede, finden das viele Menschen nicht schlimm. Schließlich hat jeder schon mal erlebt, dass es innerhalb kurzer Zeit um 10, 20 oder sogar 30 Grad wärmer wurde.
Leider basiert diese Logik auf einem Denkfehler: Hier geht es nicht um das Wetter an zwei aufeinanderfolgenden Tagen oder in einem bestimmten Jahr. Hier geht es um das typische Wetter in Jahrzehnten und Jahrhunderten – das Klima.
Ein oder zwei Grad – fürs Klima macht das einen riesigen Unterschied. Worauf die Menschheit im Augenblick zusteuert, sind mindestens drei Grad mehr – mit gravierenden Folgen.
Problem Ob Antarktis, Grönland oder Alpen – überall auf der Welt schmelzen Eis und Gletscher in Rekordtempo. So verlieren Gletscher in der Antarktis heute jedes Jahr fünfmal so viel Eis wie noch 1990.
Folgen Schmilzt etwa der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis, der so groß ist wie der US-Bundesstaat Florida, stiege allein dadurch der Spiegel der Weltmeere um einen halben Meter an. Würde das gesamte Eis am Südpol schmelzen, wären fünf Meter die Folge.
Gefahr Dauert die Schmelze weiter an, sind Polareis und Gletscher nicht mehr zu retten, selbst wenn es gelingt, die Erderwärmung rapide zu bremsen.
Problem Steigende Temperaturen lassen in den Kälteregionen der Erde die ständig gefrorene oberste Bodenschicht tauen. Mikroorganismen können dann die darin befindliche Biomasse abgestorbener Pflanzen zersetzen. Dadurch werden Treibhausgase, vor allem Methan, freigesetzt.
Folgen Die Klimawirkung von Methan ist 25-mal höher als die von CO 2. Das Klimagas verursacht etwa ein Drittel der Erderwärmung. Seine Konzentration in der Luft steigt derzeit rapide an.
Gefahr Gelangen weiterhin große Mengen des eingefrorenen Methans in die Atmosphäre, wird das Auftauen des Permafrostbodens unumkehrbar.
Problem Die Durchschnittstemperatur in Deutschland stieg seit 1881 um rund 1,5 Grad, die Zahl der Tage, an denen es 30 Grad oder heißer wird, nimmt zu. Immer öfter kommt es zu extremen Wetterlagen mit Hitzeperioden, Starkregen oder Sturm.
Folgen Dürren, Waldbrände und Überflutungen führen u. a. zu Ernteausfällen und Problemen bei Warentransport und Trinkwasserversorgung. Hohe Temperaturen gefährden vor allem Menschen mit Diabetes, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Allergiker.
Gefahr Experten erwarten, dass sich künftig tropische Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber in Europa stärker ausbreiten.
Problem Hitzewellen und Dürren führen in vielen Regionen der Welt zu Wassermangel und Missernten. Betroffen sind viele Länder, in denen eine stetig wachsende Bevölkerung ohnehin nicht genug zu essen und oft auch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat.
Folgen Steigende Meeresspiegel und Naturkatastrophen bedrohen die Sicherheit von Menschen. Missernten führen zu Nahrungsknappheit. Diese wiederum setzt Konflikte und Fluchtbewegungen in Gang.
Gefahr Derzeit verlassen pro Jahr 26 Millionen Menschen ihre Heimat wegen Umwelt- und Klimaveränderungen. Diese Zahl dürfte weiter ansteigen.
Problem Direkte Eingriffe wie das Abholzen von Wäldern, das Überfischen knapper Bestände und die extensive Landwirtschaft verdrängen Pflanzen- und Tierarten – auch der Klimawandel spielt eine wachsende Rolle. Die Erde erwärmt sich viel schneller, als Fauna und Flora sich anpassen können.
Folgen Fehlen Insekten, ist die Bestäubung von Nutzpflanzen gefährdet, mangels Mangroven und Korallen erodieren Küsten, mit Tieren und Pflanzen verschwindet ein Teil unseres Naturerbes.
Gefahr Laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sind von den geschätzt 8,7 Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit rund eine Million vom Aussterben bedroht.
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