Max Kretzer - Die Betrogenen

Здесь есть возможность читать онлайн «Max Kretzer - Die Betrogenen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Die Betrogenen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Die Betrogenen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

"Sie taugen alle nichts, diese Söhne reicher Väter, die arme Mädchen zu bethören suchen. Baue nie auf eines Mannes Wort, wenn er höher steht wie Du. Lerne sie verachten, hassen, verabscheuen, wenn sie sich Dir mit Hintergedanken nahen. O, Du weißt noch nicht, was es heißt, betrogen zu werden, mögest Du es nie erfahren …" Maria Seidel weiß, wovon sie redet, als sie der jungen Jenny Hoff diese Ratschläge gibt. Hat sie doch selbst ein uneheliches Kind, das von der «Engelmacherin» Frau Sandkorn betreut wird. Und soeben hat sie – welch ein Schock! – dessen Vater wiedergesehen, den jungen Rothers, Sohn des Fabrikbesitzers, der soeben stolz seine Braut aus den Flitterwochen nach Hause geholt hat: niemand anderen als Marias beste Jugendfreundin Louise Wilmer. Die wiederum begegnet noch am gleichen Tag dem neuen Kassierer der Fabrik – Marias Bruder Robert – und erinnert sich an ihn. Sie beschließt, ihn nach der scheinbar verschollenen Freundin zu befragen. Die Dinge geraten ins Rollen und allmählich öffnet sich ein Abgrund unter ihr … Jenny Hoff wiederum schlägt die Ratschläge Marias in den Wind, bis sie schließlich in ein anderes «Gewerbe» gedrängt wird – als erster deutscher Autor überhaupt widmet sich Kretzer in «die Betrogenen» auch dem Milieu der Großstadtprostitution. – Kenntnisreich in allen Berliner Schichten und Kiezen und besonders im Milieu der Industrieviertel bewandert und mit scharfer Beobachtungsgabe versehen, lässt Kretzer das Schicksal der Erniedrigten und Betrogenen lebendig werden. Unter anderem aufgrund dieses Romans hat der berühmte Literaturkritiker und Schriftsteller Hermann Bahr Kretzer den «Berliner Zola» genannt. Doch anders als Zola schildert er Leid und Not der Welt nicht mit dem kalten Auge des sezierenden Wissenschaftlers, sondern mit dem engagierten Herzen des Humanisten und Reformers.-

Die Betrogenen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Die Betrogenen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Sie kam aus dem Geschäft nach Hause, früher als sonst. Ihren Bruder traf sie noch nicht an. Da sah sie auf dem Tisch jenen Brief liegen, der ihr die Gemeinheit eines Mannes enthüllte, den sie mit ganzer Seele geliebt hatte, dem sie Alles zum Opfer gebracht. Sie war jämmerlich betrogen.... „Lebe wohl, ich gehe morgen nach England. Ich darf Dich nicht heirathen, denn ich bin nicht Der, für den Du mich hieltst, ich bin der Sohn eines reichen Mannes. Ich gestehe ein, nicht recht an Dir gehandelt zu haben, aber ich war Dir wirklich gut und das Herz verzeiht Manches, was die Vernunft nimmer verzeihen würde. Vergieb auch Du mir. Suche mich zu vergessen. Du bist von heute ab wieder frei. Einliegendes Geld gehört unserem Kinde ...“

Er gab sie frei, nachdem er sie entehrt, betrogen hatte! Er bezahlte ihre Liebe mit einem Almosen! Sie hatte gellend aufgeschrieen und war zusammengesunken. Das war zu viel gewesen für ein schwaches Weib, das vor Minuten noch in den Bildern der Zukunft geschwelgt hatte. Aber sie war stark, sie wollte ihre Schmach allein tragen. Als sie sich vom Teppich wieder erhob, war sie immer noch allein im Zimmer. Ihr Bruder kam erst spät, während sie schon lag. O, sie wusste, er hätte ihren Verführer im Ameisenhaufen der Menschheit gefunden, und hätte er die Welt durchpilgern müssen, aber bei Gott, eher ewiges Vergessen, lebendig begraben sein in einer Höhle der Vorstadt, als unter seinem Blick erröthen müssen. Er hatte seine Lehrzeit beendet, er konnte leben ohne sie. Sie durchwachte die Nacht in fürchterlicher Aufregung, aber ihr Entschluss war gefasst. Sie kündigte ihre Stellung im Geschäft, um jede Spur von sich zu vertilgen, und litt die Tage, Wochen bis zu ihrem Austritt in der Nähe ihres Bruders entsetzlich. Er merkte, dass sie schweres geheimes Leid trage, er sah ihre Blässe, ihren inneren Gram, und er forschte, frug, bat, sie aber lächelte und hatte nur ein Wort bereit, und das hiess „Nichts“. Dann kam der Tag, wo sie heimlich von ihm ging und ihm jenes Schreiben hinterliess, in dem sie auf vier Seiten herzzerreissend ihm ihre Schuld gestand und ihn bat, sie nicht mehr als seine Schwester zu betrachten.

Zweieinhalb Jahre lagen jetzt dazwischen, und während dieser Zeit wohnte sie draussen im Arbeiterviertel, am äussersten Ende der Louisenstadt, war sie todt für die Vergangenheit, für die einstige glänzende Welt ihrer Jugend, lebte sie nur noch für sich, ihren Knaben und ihre Rache. Wie hatte sie geforscht nach ihrem Verführer, ihn zu zwingen, ihr die genommene Ehre wieder zu geben, ihrem Kinde seinen Namen zu geben, für dasselbe zu sorgen — vergebens Alles vergebens. Sie sah ihn nie mehr, sie hörte nie mehr seinen Namen. In dieser Millionenstadt auch, wo jeder neue Tag die Spuren des alten verwischt! Aber einstmals musste die Stunde kommen, wo sie ihn sah, denn es lebte ein Gott zu strafen und zu rächen, und dann zehnmal Wehe ihm, der sie in die Reihen jener Betrogenen gestellt hatte, auf die die lästernde Welt mit Fingern zeigt um ihrer Kinder willen, die keinen Vater haben. Wer geliebt hat, der kann auch hassen!

O, dieses armen Kindes wegen, was hatte sie Alles von den Lästerzungen ertragen müssen, wie hatte man ihr das Leben, den Kampf um die Existenz schwer gemacht. Um seinetwillen aus den Reihen der Gesitteten gestossen, hatte sie sich Verachtung, Gemeinheiten und Zudringlichkeiten gefallen lassen müssen; seinetwillen war sie für die sogenannte Gesellschaft gestorben, seinetwillen zur Arbeiterin in einer Fabrik geworden, um in Ruhe und Frieden in der grossen Gemeinde der Armen ihr täglich Brod essen zu können. Hier war sie nur noch eine Null, wie die Andern alle, hier nahm man sie auf als ebenbürtig, denn zu dieser Gemeinde der Enterbten gehörte auch die Gemeinde der Verführten ...

Die zahllosen steinernen Ungeheuer da drüben hätten der Teppichstopferin viele solcher Geschichten erzählen können, wenn sie gesprochen hätten, aber sie glotzten noch immer schweigsam herüber und streckten ihre Häupter unbeweglich in die Nacht.

Maria Seidel fasste sich nach der heissen Stirn und starrte hinunter nach dem schwarzen Hof. Von unten herauf aus einem geöffneten Fenster klang das Lallen eines Kindes, das hell und deutlich „Papa“ stammelte.

Maria zuckte zusammen und holte tief Athem. Sie erhob ihren Blick, und ihre Augen schweiften nach rechts, als könnten sie das Dach durchdringen, hinüber nach jener Strasse, nach jenem Hinterhause zu jener Pflegefrau, wo die Wiege ihres Kleinen neben denen anderer stand. O, es schlummerte gewiss schon süss, die grossen Augen beschattet von den Augenwimpern. Wie wild wäre sie aufgefahren, wie hätte sie die Gerechtigkeit um Hilfe angerufen, hätte sie die Schläge gehört, die Frau Sandkorn ihrem Pflegebefohlenen austheilte, hätte sie den Theelöffel voll Branntwein gesehen, den das Weib dem Kleinen einflösste — denn so macht man die Hilflosen müde, bringt sie in Schlaf, so macht man Kinder zu Engeln ...

Aber Maria faltete im Dunkeln die Hände, beseligt von dem Gefühl der Ruhe, die um sie herrschte — der Ruhe, die auch ihrem Kinde zu Theil wurde neben — dem Kinde der Lina Schmidt, dem Kinde Rothers ...

Die schwarzen Ungeheuer da drüben hörten plötzlich ein helles Stöhnen, das wie ein Gemisch von geäussertem Schmerz und halbersticktem Jubel klang. Dann sahen sie das leuchtende Gesicht mit dem dunklen Haar verschwinden. Maria Seidel war wieder auf ihren Stuhl gesunken.

Sie weinte nicht, sie jubelte nicht laut, aber in ihrem Innern schrie es auf vor wilder Freude, da sammelten sich Gefühle, die ihren ganzen Körper erschütterten, ihr Blut in Gährung brachten.

Sie hatte ihn gefunden, seit gestern ihn gefunden als ehrlichen Gatten einer Andern — ihrer einstigen besten Jugendfreundin. Dieser furchtbare Zufall einer wachenden Vergeltung, der unbarmherzig Menschen zusammengeführt, wie lose Blätter von einem Baum, die der Sturmwind wieder zusammentreibt. Der Gedanke daran hatte sie seit gestern krank gemacht, hatte gedroht, ihr den Verstand zu rauben. Er hatte sie ruhelos wie eine Halbverrückte den ganzen Tag über abwechselnd weinen und lachen gemacht, er hatte sie seit gestern das Zimmer zum Gefängniss werden lassen, und er hatte auch ihr Hirn zermartert, um eine Antwort auf die Frage einer ewigen Weltordnung zu finden, weshalb Louise Wilmer, das reine Weib, es gerade sein musste, das die Gattin ihres Verführers Hugo Wald, jetzt Edmund Rother wurde.

Was sollte sie jetzt thun? Wo war die ewige Richterin, die jetzt die Waage hielt?

„O, Gott, allmächtiger Gott!“

Sie tappte im Dunklen nach ihrem Lager, vergrub das Gesicht in die Kissen und weinte sich satt, so recht von Herzen satt ...

Drüben auf der andern Seite des winkeligen Flures im einzigen Raume der Hoffschen Wohnung, der zu gleicher Zeit als Wohn-, Schlaf- und Kochzimmer diente, sassen am wackeligen Tisch in der Nähe des eisernen Ofens, der die Küche vorstellte, der alte Kohlenschipper und der Maschinenschlosser Schott, die sich von der Gasanstalt her kannten, in der auch Schott kurze Zeit beschäftigt gewesen war. Seit langer Zeit hatten sich die Beiden nicht gesehen, in den letzten Wochen jedoch suchte Schott den Alten fast täglich in seiner Klause auf.

Anfangs hatte der Kohlenschipper, dem das auffallend war, gedacht: „Der kommt der Jenny wegen“, und er hatte im Geheimen geschmunzelt und so seine Betrachtungen angestellt. „Hm,“ sagte er sich gleich am zweiten Abend, als er auf diesen Gedanken kam, „so schlecht wäre das nicht. Der Junge hat zwar seine Mucken und ein Krakehler soll er auch sein, aber tüchtig ist er und verdient sein Geld. Obendrein ein stattlicher Kerl, dem die Frauenzimmer von jeher nachliefen. Das Mädel ist zwar noch jung, ein halbes Kind, aber mit dem Fabrikarbeiten kann’s doch nicht ewig gehen, und jung gefreit hat noch niemals gereut.“

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Die Betrogenen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Die Betrogenen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Die Betrogenen»

Обсуждение, отзывы о книге «Die Betrogenen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x