Ich nickte ebenfalls. Genauso war es. Eine Veränderung, die nach der Hinrunde noch so weit entfernt schien, war schneller eingetreten als gedacht. Eine neue Philosophie – der Schulterschluss mit den Fans und der bedingungslose Einsatzwille für den Verein – begann nach dem Beinahe-Kollaps zu reifen und sich nachhaltig positiv in den Köpfen aller Borussen festzusetzen.
Das große Sommerloch tat sich vor mir auf. Es gab kein Entkommen. Mangels Alternative musste ich ihm gegenübertreten. Das Schlimmste daran war, dass die Sommerpause in der Bundesliga schon angebrochen war, die Sommerferien aber noch auf sich warten ließen. Jeden Tag zur Schule, ohne Ziel und Verstand. Erstaunlich war auch, wie schnell uns die Gesprächsthemen auf dem Schulhof ausgingen. Manchmal mussten wir uns tatsächlich mit den Mädchen unserer Klasse unterhalten, weil es keine hitzigen Diskussionen mehr über vermeintliche Elfmeter und Abseitsentscheidungen gab. Der letzte Sonnenschein vor der Einfahrt in einen langen, dunklen Tunnel war das legendäre Champions-League-Finale zwischen Milan und Liverpool, das die Reds nach grandioser Aufholjagd im Elfmeterschießen noch für sich entscheiden konnten. Champions League. Das war dieser Tage auch eher ein Term, um tolle Erinnerungen wieder aufleben zu lassen und Träume zu entfachen. Doch für den BVB schien dieser Wettbewerb Lichtjahre entfernt. Ich freute mich dennoch riesig für Liverpool.
Danach war endgültig Schluss mit der Saison. Das letzte Licht war erloschen, die Zeit der Dunkelheit brach über mich herein. Schon paradox, so im Sommer. Toll, dass ausgerechnet nach Beendigung der Saison auch noch die Abschlussprüfungen der zehnten Klasse zu absolvieren waren. Wenn man nichts hat, worauf man sich zumindest am Wochenende freuen kann, wie soll man denn dann ausreichend motiviert lernen. Ich mogelte mich irgendwie durch die Prüfungen. Danach konnte ich mich zumindest auf die Ferien freuen. Das große Licht am Ende des Tunnels war, dass der erste Spieltag der neuen Saison noch in den Sommerferien lag – und vorher gab es auch noch den UI-Cup. Das hieß also, dass ich wieder mal den Schulstress der ersten Wochen des neuen Schuljahres im Saisonstress der ersten Spieltage ersticken konnte. Bis dahin war allerdings ganz schön viel Zeit zu überbrücken.
„Bald ist doch auch Confed-Cup”, versuchte mich meine Mutter zu beschwichtigen.
„Ja. Nein. Danke.” Meine Antwort fiel sicherlich viel zu barsch aus. Doch ich konnte meiner Mutter in diesem Moment nichts anderes erwidern. Nationalmannschaftsfußball hatte bestimmt seinen Reiz. In diesem Alter war ich dafür sogar noch einigermaßen empfänglich gewesen. Aber nur, wenn es tatsächlich in den großen Spielen heiß herging. Doch selbst bei wichtigen Turnieren löste die Nationalelf auch nicht ansatzweise das BVB-Kribbeln aus. Und der Confed-Cup als Mini-Testversion der Weltmeisterschaft hatte ohnehin keinen Reiz für mich. Im Laufe der Jahre sollte meine persönliche Kluft zwischen Klubfußball und Nationalmannschaftsfußball immer größer werden. 2005 war aber noch ein Jahr, in dem ich es schon fast bedauerte, während des Sommers keine WM oder EM als Überbrückung nutzen zu können. Natürlich schaute ich mir im Endeffekt auch die Spiele des Confed-Cups an. Was blieb mir auch anderes übrig. Das Ganze war so spannend wie ein verregneter Vormittag im ZDF-Fernsehgarten. Scheiß Sommerpause!
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