Xavier wiederum hatte nicht sehr viel Antrieb, aber ein sanftes Herz. Sein wütender Stiefvater hatte ihm jegliche Initiative ausgetrieben, da er immer das letzte Wort haben musste, und Xavier wurde ein Meister darin, Konflikte zu vermeiden und ein Schattendasein zu führen. Jetzt brauchte er Stärke und Mut, um in die Welt hinauszugehen.
Ganz »zufällig« sprang ihm im Krankenhaus ein Flyer ins Auge, der einen kurzen Selbstmitgefühlskurs für Fachkräfte im Gesundheitswesen bewarb. In diesem Kurs entdeckte Xavier, dass dieselbe innere Stimme, die ihm nahelegte, Sicherheit dadurch zu gewinnen, dass er zu Hause unsichtbar blieb, ihn nun bat, aus sich herauszugehen. Die beste Selbstmitgefühlsübung bestand für ihn darin, einen mitfühlenden Brief an sich selbst zu schreiben (Kapitel 11), sich selbst liebevoll zu motivieren, ganz so, wie er einem guten Freund schreiben würde, der in einer ähnlichen Situation steckte. Er schrieb sich jede Woche einen Brief, der jeweils die Schwierigkeiten und Herausforderungen thematisierte, die ihm aktuell begegneten. Schritt für Schritt wurde eine neue Stimme in Xavier wach – sein eigener innerer Coach, der ihm vom Spielfeldrand aus zujubelte. Nach einer Weile war Xavier in der Lage, das für sich zu beanspruchen, was er für ein sinnerfülltes Leben benötigte – seine eigenen grundlegenden Werte –, und dann unternahm er praktische Schritte, um diese in seinem Alltag zu verwirklichen.

ÜBUNG Welche Eigenschaften des Selbstmitgefühls brauche ich gerade?
Selbstmitgefühl umfasst wahrscheinlich mehr unterschiedliche Eigenschaften, als du bisher gedacht hast. Einige Yin- und Yang-Aspekte des Selbstmitgefühls sind im Folgenden aufgeführt. Schau sie dir einmal an, und überleg dir, welche davon du jetzt gerade am ehesten benötigst. Dies wird dir beim weiteren Durcharbeiten dieses Buches helfen zu verstehen, auf welche Weise Selbstmitgefühl für dich nützlich sein kann.
YIN
• Umsorgen. Umsorgen ist etwas, was wir für eine(n) liebe(n) Freund(in) tun würden, dem/der es nicht gutgeht. Es bezieht sich darauf, einem leidenden Menschen speziell dadurch zu helfen, dass wir uns liebevoll seinen emotionalen Bedürfnissen zuwenden und unsere Unterstützung anbieten, damit er sich besser fühlen kann. Ist das etwas, was jetzt auch dir guttäte? Denkst du, es könnte dir helfen, mehr darüber zu lernen, wie du dich selbst halten und für dich sorgen kannst, wenn du aufgewühlt bist?
• Beruhigen. Auch durch Beruhigung können wir Menschen helfen, sich besser zu fühlen. Hierbei geht es insbesondere darum, ihnen zu helfen, mehr körperliche Ruhe zu spüren. Ist das etwas, wovon du dir mehr wünschen würdest? Würdest du dich gerne körperlich wohler und entspannter fühlen?
• Anerkennen/Bestätigen. Wir können jemandem auch dadurch helfen, dass wir verstehen, was er oder sie durchmacht, und dies durch liebevolle und behutsame Worte zum Ausdruck bringen. Fühlst du dich allein und missverstanden, und sehnst du dich nach einer Art von Anerkennung/Bestätigung? Meinst du, es könnte hilfreich für dich sein zu lernen, wie du deine eigenen Gefühle anerkennen kannst?
YANG
• Beschützen. Der erste Schritt in Richtung Selbstmitgefühl besteht darin, sich selbst sicher und beschützt zu fühlen. Sich zu schützen bedeutet, Nein zu sagen: zu anderen, die uns verletzen, ebenso zu uns selbst und den Verletzungen, die wir uns häufig auf unbewusste Weise zufügen. Wirst du in irgendeiner Weise verletzt und möchtest einen Weg finden, die innere Stärke aufzubringen, dies zu beenden?
• Versorgen. Uns zu versorgen bedeutet, uns selbst das zu geben, was wir wirklich brauchen. Zuerst einmal müssen wir wissen, was wir tatsächlich benötigen, dann entwickeln wir die Überzeugung, es verdient zu haben, dass sich unsere Bedürfnisse erfüllen, und im Anschluss daran müssen wir aktiv werden und versuchen, uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Niemand kann das so gut für uns tun wie wir selbst. Möchtest du gern lernen, wie du dich effektiver um deine Bedürfnisse kümmern kannst?
• Motivieren. Die meisten von uns haben Träume und Ziele, die wir in diesem Leben verwirklichen möchten. Darunter sind auch kleinere, kurzfristigere Ziele. Selbstmitgefühl motiviert uns wie eine gute Trainerin mittels Freundlichkeit, Unterstützung und Verständnis und nicht durch strenge Selbstkritik. Denkst du, es wäre hilfreich für dich zu lernen, dich selbst durch Liebe zu motivieren anstatt durch Angst?
REFLEXION
Wir hoffen sehr, dass dir die Frage »Was brauche ich jetzt gerade?« eine ständige Begleiterin ist, während du dieses Buch durcharbeitest. Einfach allein, indem du dir diese Frage stellst, erlaubst du dir einen Moment des Selbstmitgefühls, selbst wenn du gerade keine Antwort findest oder nicht die Möglichkeit hast, dir deine Bedürfnisse zu erfüllen.
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