Als weitere Untergliederung ist z.T. der sog. Betriebsteilrelevant (v.a. §§ 613a BGB, 4 BetrVG, 15 V KSchG). Darunter ist ein unselbstständiger, organisatorisch abgegrenzter Teil eines Betriebes zu verstehen, mit dem ein arbeitstechnischer Teilzweckangestrebt wird.[63] Beispiele: Betriebskantine, Universitätskindergarten oder Reparaturwerkstatt einer Spedition.
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Dem Betrieb in gewisser Weise übergeordnet ist das Unternehmen, unter dem eine organisatorische Einheit zu verstehen ist, die aus einem oder mehreren Betrieben besteht und einem wirtschaftlichen oder ideellen Zweckdient.[64] Rechtsträgerdes Unternehmens kann eine natürliche oder juristische Person oder eine Personengesellschaft sein. Dieser Rechtsträger ist der Arbeitgeberi.S.d Arbeitsrechts, nicht hingegen das Unternehmen, das selbst nicht Rechtssubjekt, sondern -objekt ist. Dennoch ist der Unternehmensbegriff von großer Bedeutung im Arbeitsrecht, knüpfen doch einige arbeitsrechtliche Vorschriften daran an.
Beispiele:
| • |
§ 1 I KSchGverlangt für die Eröffnung des persönlichen Anwendungsbereichs des KSchG eine sechsmonatige Beschäftigung im Betrieb oder Unternehmen (näher dazu Rn. 975). |
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§ 14 IIa TzBfGerlaubt in neu gegründeten Unternehmen die Befristung von Arbeitsverhältnissen unter erleichterten Bedingungen (s. Rn. 1206). |
| • |
Bestehen in einem Unternehmen mehrere Betriebe, so ist ein Gesamtbetriebsrat zu errichten, § 47 I BetrVG. |
Hinweise:
(1)Bei einem kleinen Unternehmen fallen Unternehmen und Betrieb oftmals faktisch zusammen. Das ändert aber nichts daran, dass sie juristisch streng zu trennen sind. (2)Unterscheiden Sie klar zwischen dem Unternehmen und seinem Rechtsträger. Eine natürliche Person kann mehrere Unternehmen haben, eine juristische hingegen nur ein einziges.[65]
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Als Konzern wird die Zusammenfassung mehrerer rechtlich selbstständiger Unternehmen unter einheitlicher Leitung verstanden (vgl. § 18 AktG). Herrschende Unternehmen werden als Muttergesellschaft, abhängige als Tochtergesellschaften bezeichnet. Das Arbeitsrecht berücksichtigt zwar an einigen Stellen Konzernbeziehungen (z.B. Konzernbetriebsrat, § 54 BetrVG und Konzernprivileg bei der Arbeitnehmerüberlassung, § 1 III Nr. 2 AÜG), für den prüfungsrelevanten Bereich spielt der Konzern aber praktisch keine Rolle. Wichtig ist, dass ein Konzern mangels eigener Rechtsfähigkeit nicht Arbeitgebersein kann, dies ist vielmehr stets das jeweilige Konzernunternehmen, bei dem der Arbeitnehmer beschäftigt ist.[66]
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In Fall 4ist somit nicht der Konzern als Unternehmensverband Arbeitgeber des A, sondern vielmehr die Foto-Porst GmbH.
Weiterführende Literatur:
Wank, Rolf: Der Arbeitnehmerbegriff im neuen § 611a BGB, AuR 2017, 140; Richardi, Reinhard: Der Arbeitsvertrag im Licht des neuen § 611a BGB, NZA 2017, 36; Helml, Ewald: (Original-)Referendarexamensklausur – Arbeitsrecht: Dienst- oder Werkvertrag?, JuS 2006, 621; Tillmanns, Kerstin: Klausurenkurs I, Fall 1.
[1]
Vgl. dazu Fischinger , Handelsrecht, § 1, Rn. 2.
[2]
So zutreffend Griebeling , RdA 1998, 208, 212; Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 17.
[3]
Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 15.
[4]
ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 8.
[5]
Richardi , FS Schwab, 2005, S. 1027 ff.
[6]
Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 28.
[7]
Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 117, 373.
[8]
BAG 28.11.1990 – 4 AZR 198/90, AP TVG § 1 Tarifverträge: Bau Nr. 137; 6.5.1998 – 5 AZR 612/97, NZA 1998, 939, 940; 17.9.2014 – 10 AZB 43/14, NZA 2014, 1293, 1295.
[9]
ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 40.
[10]
Vgl. auch Maschmann , NZA 2001, Sonderbeilage zu Heft 24, S. 29.
[11]
S. m.w.N. ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 34 ff.
[12]
Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611, Rn. 113; ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 38.
[13]
BAG 13.1.1983 – 5 AZR 149/82, BAGE 41, 247, 253; 17.4.2013 – 10 AZR 272/12, NZA 2013, 903, 906.
[14]
Reichold , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 25.
[15]
BAG 23.4.1980 – 5 AZR 426/79, AP BGB § 611 Abhängigkeit Nr. 34.
[16]
ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 39.
[17]
Junker , Grundkurs Arbeitsrecht, § 2, Rn. 98; Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 18.
[18]
BGH 10.5.2010 – II ZR 70/09, NZA 2010, 889, 890; Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 79 ff.; Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 22.
[19]
Junker , Grundkurs Arbeitsrecht, § 2, Rn. 101; vgl. Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 71.
[20]
Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 19.
[21]
Preis , Arbeitsrecht, § 8, Rn. 197.
[22]
BAG 6.12.1974 – 5 AZR 418/74, AP BGB § 611 Abhängigkeit Nr. 14; Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 98, 104 f.
[23]
Reichold , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 24.
[24]
Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 19.
[25]
Zur Problematik et-et-aut-aut s. ErfK/ Koch , § 2 ArbGG, Rn. 38.
[26]
BAG 5.4.1984 – 2 AZR 67/83, NZA 1984, 123, 124.
[27]
Krause , Arbeitsrecht, § 2, Rn. 23.
[28]
BVerfG 23.11.2006 – 1 BvR 1909/06, NZA 2007, 85, 86; BAG 25.5.2005 – 5 AZR 572/04, AP BGB § 310 Nr. 1; 31.8.2005 – 5 AZR 545/04, AP ArbZG § 6 Nr. 8; Staudinger/ Krause [2013], Anhang zu § 310, Rn. 111; Staudinger/ Schlosser [2013], § 310, Rn. 48; Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 141; a.A.Staudinger/ Richardi [2005], § 611, Rn. 382; Staudinger/ Kannowski [2013], § 13, Rn. 53; Annuß , NJW 2002, 2844.
[29]
ErfK/ Preis , § 611a BGB, Rn. 182; a.A. Annuß , NJW 2002, 2844, 2846.
[30]
BAG 23.2.2005 – 10 AZR 602/03, NZA 2005, 694, 697; 20.12.2012 – 2 AZR 32/11, NZA-RR 2013, 627, 632.
[31]
BAG 25.5.2005 – 5 AZR 572/04, AP BGB § 310 Nr. 1; 31.8.2005 – 5 AZR 545/04, AP ArbZG § 6 Nr. 8; Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 141.
[32]
Vgl. zur historischen Entwicklung z.B. Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 205 ff.
[33]
Z.B. Gesetz über die Fristen für die Kündigung von Angestellten von 1926, RGBl. I S. 399.
[34]
Vgl. auch BVerfG 30.5.1990 – 1 BvL 2/83, NZA 1990, 721 (Verfassungswidrigkeit unterschiedlicher Kündigungsfristen für Angestellte und Arbeiter).
[35]
Vgl. z.B. BAG 15.4.1993 – 2 AZB 32/92, NZA 1993, 789, 790.
[36]
BAG 21.2.2007 – 5 AZB 22/06, NZA 2007, 699, 700.
[37]
BAG 17.1.2006 – 9 AZR 61/05, NZA-RR 2006, 616; 21.12.2010 – 10 AZB 14/10, NZA 2011, 309, 310; MüKo-BGB/ Spinner , § 611a, Rn. 132.
[38]
Vgl. z.B. BAG 15.11.2005 – 9 AZR 626/04, AP BGB § 611 Arbeitnehmerähnlichkeit Nr. 12.
[39]
Näher Staudinger/ Richardi/Fischinger , § 611a, Rn. 253 ff.
[40]
BAG 8.5.2007 – 9 AZR 777/06, AP BGB § 611 Arbeitnehmerähnlichkeit Nr. 15.
[41]
Küttner/ Kania , Personalbuch, „Leitende Angestellte“, Rn. 1; MüKo-BGB/ Spinner , § 611a, Rn. 153.
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