Dabei fiel für einen Moment sein Blick auf sie. Das letzte das sie erkennen konnte, bevor ihr endgültig die Sinne schwanden, waren Siegberts blaue Augen, die sie ohne die Spur eines Gefühls anstarrten.
Rüdiger lag mit geschlossenen Augen auf der harten Pritsche der Polizeiwache. Doch er schlief nicht, sondern war wach und hörte, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Er blinzelte durch einen Spalt seiner Lieder.
Zwei Polizisten betraten vorsichtig die Zelle, wobei einer voranging und in seinen Händen einen Holzpflock hielt, den er fest umklammerte. Der andere war dicht hinter ihm, mit der Pistole im Anschlag, um ihm Deckung zu geben.
Rüdiger war sich sicher, dass die Waffe mit Holzpatronen geladen war, und der Ordnungshüter nicht zögern würde, sie abzufeuern.
Offenbar hatten die Beamten sicher gehen wollen, dass sie Vampire waren, bevor sie sie umbrachten. Ihre geschlossenen und verheilten Schusswunden, waren der Beweis dafür. Jetzt wollten die Polizisten sie endgültig töten.
Er beschloss vorzugeben, dass er noch immer schlief.
Mona ahnte auch, das Vorhaben der Polizisten. Sie bleckte ihre spitzen Zähne und sprang fauchend auf. Sofort richtete sich die Waffe auf sie und der Polizist schoss sein Magazin leer. Mona wurde getroffen und ging stöhnend zu Boden.
Beide Beamten richteten ihre Aufmerksamkeit auf sie, als Rüdiger seine Gelegenheit gekommen sah und zuschlug. Blitzschnell war er bei den Polizisten und brach ihnen mit einer flinken Drehung ihres Kopfes das Genick. Sie waren tot, bevor sie überhaupt wussten, wie ihnen geschah.
»Du hast einfach schwache Nerven, meine Liebe.« Rüdiger kniete sich zu Mona und zog die Kugeln aus ihrem Körper. Mona stöhnte überdrüssig.
»Sehen wir zu, dass wir hier bloß wegkommen! Ich habe die Schnauze voll, von diesen Holzgeschossen.«
Rüdiger lächelte nachsichtig und half ihr, auf die Beine zu kommen. Er suchte in den Taschen der toten Polizisten nach den Schlüsseln für ihre Handschellen. Er fand sie und befreite Mona und sich selbst von den hinderlichen Fesseln.
Die Ordnungshüter hätten ihnen die Hände hinter dem Rücken fesseln sollen, dann würden sie vielleicht noch leben.
Tja, ihr Pech und unser Vorteil, dachte Rüdiger und warf die Handschellen auf den Boden zu den beiden Leichen.
Die Vampire verließen das Gebäude ohne weitere Zwischenfälle. Sie konnten mit ihren feinen Ohren hören, dass sich noch mehr Menschen auf der Polizeiwache befanden. Rüdiger verzichtete ausnahmsweise in diesem Fall auf ein Blutbad. Er hatte es jetzt eilig zu dem Kloster zu gelangen.
Vor dem Haus der Wache entdeckten sie ihren Wagen und schlossen ihn kurz, da die Polizisten ihnen den Schlüssel abgenommen hatten. Ungehindert fuhren sie davon und versuchten sich in der Dunkelheit der Nacht zu orientieren. Sie mussten die Straße finden, die zu dem Kloster führte.
Rüdiger war sich ziemlich sicher, dass sie im Kloster Varg richtig waren und er Cordelia dort finden würde.
Nachdem sie den kleinen Ort mit der Polizeiwache verlassen hatten und einige Male falsch abgebogen waren, befanden sie sich plötzlich wieder an der Gabelung, an der die beiden Polizisten sie geschnappt hatten.
Ohne zu zögern, folgte Rüdiger der Straße, die bergan zu dem alten Kloster führte. Der klapprige Wagen mühte sich den steilen Weg hinauf und verlor merklich an Tempo. Endlich hatten sie es geschafft und hielten an dem gepflasterten, mit Unkraut bewachsenen Vorplatz des Klosters. Das alte Gemäuer ragte wie ein urzeitlicher Riese düster und drohend vor ihnen auf.
Kein Lichtschein war zu erkennen und die dicken Mauern verschluckten alle Geräusche, die aus dem Inneren hätten dringen können.
Sie stiegen aus und erklommen die ausgetretenen Stufen die hinauf zu dem großen, hölzernen Eingangsportal führten. Rüdiger fasste nach dem eisernen Türklopfer und wollte ihn eben gegen das Holz schlagen, als die Tür schwungvoll aufgerissen wurde.
Eleonora kämpfte unterdessen wütend und verbissen weiter gegen die Mönche.
Doch als sie sah, wie Dorian von dem Kerl der wie aus dem Nichts im Rauch aufgetaucht war, weggeschleppt wurde und ihr ein Seitenblick auf Cordelia zeigte, dass diese reglos am Boden lag, beschloss sie zu fliehen.
Sie stieß zwei der Angreifer, die sich an sie gehängt hatten wuchtig von sich, schickte einen Mönch mit einem Hieb ihres Ellenbogens zu Boden und verpasste einem anderen einen kräftigen Fußtritt.
Dann nahm sie alle Kraft zusammen und rannte los Richtung Eingang. Die Flammen schossen wieder hoch, doch sie schloss die Augen und sprang durch die Feuerwand. Sengende Hitze und scharfer Schmerz begleiteten sie, als sie zu Boden krachte. Sie wälzte sich über den Steinboden, um die kleinen Flämmchen an ihrer Kleidung zu ersticken.
Sie hatte es geschafft, sie war durch die Flammen hindurch.
Hastig rappelte sie sich hoch und jagte wie von Sinnen zurück zu der Treppe, die Stufen hinauf, bis sie die Tür erreichte, die ins Kloster führte. Dort erst blickte sie sich ängstlich um, aber es schien ihr niemand zu folgen.
Dennoch sah sie zu, schleunigst von diesem Ort zu verschwinden. Sie lief raus aus dem Gebäude, in den Vorhof, zurück durch das Eingangsportal. Niemand begegnete ihr, niemand hielt sie auf.
Als sie das Tor aufriss, um hinauszustürmen, standen plötzlich Rüdiger und Mona vor ihr.
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