Beate Morgenstern - Nest im Kopf

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In Gottshut scheint die Welt noch in Ordnung. Oben ist Gott. Unten leben die Menschen miteinander in Ehrfurcht vor Gott und in Furcht vor dem Bösen. Diese Welt kommt dem Kind Anna schon bald in Unordnung. Die Eltern ziehen um in ein Dorf im Mansfeldischen. Amma findet sich schwer zurecht. Hier ist sie nicht mehr eine von vielen, sondern «die Paschterin». Hartnäckig versucht sie, die Barrieren zwischen Dorf und Pfarrhaus zu überwinden.
Als Erwachsene erinnert sich Anna jener Zeit, der fünfziger Jahre, und der Vorgänge im Land, die sie aus der besonderen Sicht eines Kindes wahr-nahm, das fernstand. Sieben Tage ist Anna zu Besuch in Gottshut: sieben Tage des Erinnerns und der Begegnungen. Es zeigt sich ihr eine vertraute Welt, die aber nicht mehr ihre ist, und so erlebt Anna Nähe und Distanz, Verwurzelung und Entfremdung in einem. Gottshut, wie sie es im Kopf hat, gibt es nicht.

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Doch die Freude hielt nicht lange. Bald begannen die Eltern ihr sektiererisches Glaubensleben, das einen bis heute anhaltenden Streit unter den Gottshutern entfachte. Versetzungen erfolgten. Zuletzt kam der Vater in die Muttergemeinde. Er hatte kein eigenes Pfarramt mehr, sondern versah von Gottshut aus seinen Dienst als Reiseprediger, hielt Bibelstunden, Gottesdienste in der umliegenden Gegend. Schließlich bot vor einigen Monaten das Bekanntwerden seiner zweiten Taufe, die der Vater als seine eigentliche Taufe ansah, eine Handhabe, ihn ganz seines Amtes zu entheben und ihn vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen. Die Ordination und damit das Recht auf Verwaltung der Sakramente und Wortverkündigung wurden ihm aberkannt. Die Eltern schien es kaum zu drücken. Sie führten, nun frei von Amtspflichten, ein noch tätigeres Leben, empfingen zahlreiche Gäste, wurden ins Land gerufen von Mitgliedern anderer Freikirchen, Sekten, Angehörigen der Landeskirchen. Dennoch, die Eltern waren Ausgestoßene, dreißig Jahre, nachdem der Vater hoffnungsvoll von Gottshut ausgezogen war.

Wie hatte es dazu kommen können? fragte sich Anna manchmal. Es lag wohl am Charakter des Vaters, der keine Niederlage ertrug, und an seinem Lebensweg. Als junger Bursche ging er zur Marine. Der Zusammenbruch , wie die Eltern das Ende des Zweiten Weltkrieges bezeichneten, löste im Vater eine tiefe Erschütterung aus. Er besann sich auf den Glauben seiner Kindheit. Die erste Erweckung der Eltern brachte sie von der Nordseeküste zurück in die alte Heimat des Vaters. Den Wechsel von der englischen Besatzungszone in die sowjetische missbilligten viele Verwandte. Trotzdem ließen sich die Eltern nicht beirren. Zur Kompromisslosigkeit neigend, geriet der Vater Ende der vierziger Jahre in Konflikt mit seinem staatlichen Arbeitgeber und entschloss sich, Geistlicher zu werden. Nach einer Ausbildung auf dem evangelischen Predigerseminar in der Lutherstadt Wittenberg ging er in ein Dorf im Mansfeldischen. Anna wusste von seinen Anfechtungen fernab vom behüteten Gottshuter Gemeindeleben, von seinem Bild über die Gemeinschaft im Bruderbund, die sich in den Jahren seiner Abwesenheit veränderte und sich auch in seinem Kopf verwandelte zu der oft beschworenen Glaubensoase. Der große Triumph, die Rückkehr zu den Gottshutern, endete mit einer Enttäuschung. Er geißelte das laue Gemeindeleben, kennzeichnete' die Mitglieder des Bruderbundes als unbeweglich. Verzweifelte, da er das Feuer der ersten Liebe nicht mehr fand, von dem die Bibel sprach und das er häufig zitierte. Diese Verzweiflung mündete in eine zweite Erweckung . Wieder erfuhr er wie in seiner Jugend einen lebendigen Gott. Der Teufel war für ihn der Leibhaftige, sinnlich erfassbar, so musste es auch Gott sein, anders fand seine gequälte Seele keine Ruhe. Die zweite Erweckung sonderte ihn schließlich von den Gottshutern ab.

Anna hatte mit dem neuen, noch inbrünstigeren Glaubensleben des Vaters nichts zu tun haben mögen und verhielt sich als einzige der fünf Geschwister dauerhaft ablehnend. Duldsamkeit war nie die starke Seite des Vaters gewesen. Jetzt betrachtete er Anna mit größerem Argwohn als zuvor. Als sie vierzehn gewesen war, hatten sie sich zum ersten Mal entzweit und nie recht versöhnt. Nun mieden sie sich. Dabei war Anna einmal des Vaters Lieblingstochter gewesen, hatte von seiner Ungeduld, dem jähen Charakter weniger erfahren als ihre jüngeren Brüder. Auch Gottshut verlor an Anziehung, besonders nachdem die Eltern am Ort wohnten. Dennoch: Ging sie durch den Ort, leuchtete manchmal Gottshut ganz unvermutet im Glanz der Erinnerung auf, und sie verstand wieder ihre Anhänglichkeit an das Städtchen.

Die Landschaft hatte sich verändert, war von der Ebene in sanfte Hügelketten übergegangen, auf denen sich Felder und Wiesen dahinzogen. Baumgruppen, wenige Alleen, auch einzelne, weit sichtbare Bäume lockerten das Bild. Wälder wuchsen in Senken hinein oder begrenzten den Horizont. Manchmal durchgrub das Schienenbett Felsgestein oder hohe Bahndämme verdeckten die Sicht, an denen Schafe weideten, krummnasige Tiere mit lang herunterhängendem zottigen Fell. Danach erholte sich das Auge an den weiter dahinschwingenden Linien, den erdenen und pastellenen Farbtönen. Der Anblick der vertrauten Landschaft verfehlte nicht seine Wirkung auf Anna. Ahnungsweise regte sich Freude in ihr.

Auf der vorletzten Bahnstation der Strecke stieg sie aus dem Eilzug, mit ihr die meisten Reisenden. Durch einen engen, vom Regen vieler Jahre feuchten Tunnel gelangte sie auf einen außerhalb des übrigen Bahnhofes gelegenen Bahnsteig.

Minuten später setzte sich der Personenzug in Bewegung, überquerte Bächlein und Bäche, die tief in die Vorgebirgslandschaft einschnitten, gewährte von Brücken und Viadukten Einblicke in die Dörfer, deren Straßen sich die Hänge hinaufwanden. Um die hölzernen, weiß gestrichenen Eingangstore der sauberen Vorgärtchen rankten sieh Kletterrosen oder Clematis mit ihren zarten großen violetten Blüten, die der Vater so liebte. Die Obergeschosse der einstigen Weberhäuser ruhten auf vorstehenden Ständern, durch Rahmen und Querstreben miteinander verbunden, sodass sie nicht von den im Erdgeschoss arbeitenden Webstühlen erschüttert werden konnten. Winzig die Fenster zwischen den Holzbögen der Umgebindehäuser im Erdgeschoss, die Wände der Obergeschosse und Seiten mit Schiefer verkleidet. Oft fehlten die angenagelten Platten auch, sodass der Holzuntergrund sichtbar war.

Gelb verputzt das Gottshuter Bahnhofsgebäude mit seinen Rundbogenfenstern. Für den Bruchteil einer Sekunde freudvolles Erkennen. Dann nahm Anna Enttäuschung vorweg. Sicher wollte die Mutter sie abholen. Aber genauso sicher würde ein Missgeschick irgendeiner Art sie daran hindern. In dem ansonsten reinen Bahnhofsgebäude roch es wie eh und je nach Toiletten. Die Fliesen waren frisch gewischt, ein Geländer neben der Tür von der früheren Sperre übrig geblieben, in einer Glasvitrine Neuerscheinungen der brüderischen Buchhandlung. Ein junger Mann, vielleicht war er von Anfang an mit Anna mitgereist, wurde von seinen Eltern empfangen. Diese sahen auch Anna kurz an. Sie hätte jetzt etwas darum gegeben, zu beweisen, dass sie keine Fremde hier war.

Laut hallend das Gespräch zweier auf einer Bank sitzender alter Männer. Ihre Gesichter tief eingekerbt, vom Wetter lederhäutig geworden.· Offensichtlich keine Gottshuter, denn sie sprachen im unverfälschten Dialekt der Dörfer. Dunkle harte Worte, in dem quirlenden Gurgeln gingen die Vokale unter. Anna hätte heulen mögen.

Langsam, fast widerwillig, ging sie unter den altersschwachen gestutzten Bäumen der Bahnhofsallee entlang. Die Villen in ihren bescheidenen Gärten hinter kunstlosen eisernen Gittern erschienen ihr bedürftig.

Dieses Gottshut, dachte Anna. Ringsum gibt es schönere Dörfer, jedes für sich überraschend und des Ansehens wert. Hier nur zwei Straßen. Eine schmale Hauptstraße, eine noch schmalere Nebenstraße, einige Gässchen, die meist beide Straßen miteinander verbinden oder auf die Wiesen hinausgehen. Und eine letzte, am Kirchsaal entspringende kurze Querstraße hinauf zum Gottesacker. Der Plan des Städtchens hatte sich wie Narben in ihr Gedächtnis eingegraben. Die Wirklichkeit war ernüchternd. Anna hoffte auf die Mutter, deren Anwesenheit Gottshut verklären könnte. Wahrscheinlich käme sie Anna ahnungslos - vielleicht auch schuldbewusst - auf den letzten Metern entgegengeradelt. Wenn die Eltern nicht mehr lebten, würde Anna Gottshut in ihrer Erinnerung bewahren wie andere, die hier aufgewachsen waren und das Bild ihrer Kindheit unversehrt in sich trugen, weil sie nie wieder zurückkehrten.

Die Nebenstraße zweigte von der Hauptstraße ab. Die Bäume eines spitzwinkligen Platzes verdeckten die Einsicht. Die Hauptstraße verlor ihre Bäume, stürzte in eine Senke hinab und stieg allmählich wieder an. Da in der Senke befand sich das Haus, in dem Annas Familie mit der Großmutter Kröger gelebt hatte. Anna überquerte die Straße, sah zwischen den Bäumen eine Frau, die in Statur und Kleidung der Mutter glich. Aber die Mutter war es nicht. Manches Mal hatte sich Anna in Gottshut auch aus der Nähe von rundlichen, kurzhaarigen Frauen täuschen lassen, deren Kleinheit zu den Straßen und Gässchen passte, auf denen sie entlangeilten und die den mütterlichen Typ Gottshuter Schwestern darstellten. Sie konnten auch Auswärtige sein. Wie tief würde es die Mutter kränken, wenn Anna ihre Irrtümer gestände. Denn ihr Leben lang hatte sie sich gesträubt, typisch auszusehen, war stolz auf ihre moderne Frisur im Kreis der dutttragenden Pfarrschwestern gewesen. Nur ihre schmale, angeblich etwas lange Nase machte der Mutter noch in Annas Kindheit Kummer. Anna mochte die kleinen Eitelkeiten, die sich die Mutter in unbedenklicher Naivität gestattete, während sie die an ihren Kindern als ein Stück Eigensucht vermerkt hatte, die ausgemerzt werden musste.

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