Gunter Preuß - Rufe in die Wüste

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In «Rufe in die Wüste» finden sich Interviews mit Gunter Preuß und Aufsätze von ihm aus dem Zeitraum von 1973 bis 2009. Darin wird die eigene Befindlichkeit immer wieder kritisch an den gesellschaftlichen Gegebenheiten gemessen. Es ist auch ein Gang durch die Zeit und zwei Gesellschaftsordnungen, wobei der sich beharrlich zu Wort meldende Schriftsteller in seinem Kunstschaffen nicht am Alltagsgeschehen vorbeikommt. Mag mancher Text auch noch so privat erscheinen, er ist ein politischer Text, weil der Autor nicht Kunst von Leben und Individuum nicht von Gesellschaft trennen will. Die persönliche Zeitreise, die einen Lebenslauf kennzeichnet, sollte auch für andere Zeitgenossen interessant sein.

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Ich wurde und werde mit meinem Erleben nicht fertig. Im Berlin der Fünfzigerjahre studierte ich an der Fachschule für Artistik. Eigentlich war ich darauf aus, die behüteten Spiele der Kindheit fortzusetzen, fest im Glauben an die eigene Unsterblichkeit und voller Vertrauen auf die eigene Kraft. In einem Alter (ich war damals achtzehn), in dem man nach Ver­lassen des zu eng gewordenen Elternhauses ein allumfassendes Zuhause sucht, sich von der mütterlichen Liebe in die zur Geliebten befreien will und voller Ideen der Weltveränderung ist, wurde die geteilte Stadt für mich zur Erfahrung von Weltprinzipien: die Machtkämpfe, das verwirrende Spiel der Gegensätze, die Verlockungen äußeren Glanzes und die Verstrickungen der Seele in Glauben und Wissen, das Alleinsein in einer Millionenstadt. Mein Anspruch, eigene Interessen durchzusetzen, an Wesentlichem mitzudenken und mitzutun, das Bild vom Selbst zu finden und zu festigen, überforderte mich. Ich flüchtete mich in Krankheit. Da war ich erst einmal entschuldigt vor mir selbst und den anderen. Es hat lange gedauert, bis ich begriff, dass man, wohin man auch geht, immer sich selbst mitnimmt. Ich musste Mittel und Wege finden, mich zu mir selbst zu bekennen, mich in ein Ganzes einzuordnen, ohne mich zu verlieren, meinen Idealen treu zu bleiben, ohne Realität aufzugeben, einfach zu begreifen, dass das eine nichts ist ohne das andere. Da keiner von uns ein anderer werden kann, ist Schreiben für mich eine Schule geworden, in der ich mich zugleich als Lehrer und Schüler empfinde. Es ist eine Schule mit dem Hauptfach: Charakterbildung.

Ihr erstes Buch war eines für Kinder. Diesen blieben Sie auch treu, als Sie bereits Geschichten für Erwachsene geschrieben hatten. Was bedeutet es Ihnen, für Kinder zu schreiben?

Kinder leben in derselben Welt wie Erwachsene. Wenn ich für Kinder schreibe, darf ich Ihnen keine Welt vorgaukeln, die sie in ihrem Denken und Fühlen von der Welt der Erwachsenen entfernt. Im Gegenteil. So fantastisch die Geschichte auch sein und auf welchem Stern sie auch spielen mag, es muss den Kindern durch das Lesen ermöglicht werden, „unsere Welt“ zu entdecken, eigene Zugänge zu ihr zu finden, sich in ihr als eigenständiges Wesen zu sehen und anzunehmen. Und das mit allen Bitternissen und Freudvollem; mit allem, was da ist und uns bewegt oder von uns bewegt wird.

Die Aufgabe von Kunst und Literatur sehe ich auch darin, der Seele Futter zu geben. Unsere Kinder sollen nie verlernen, sich mit Tieren und Pflanzen zu unterhalten, sich aus einer Decke ein Zelt und aus ein paar Steinen ein Schloss zu bauen. Und es muss blaue Hunde geben. Das Tor zum unermesslich reichen und für uns Menschen lebensnotwendigen Kelch der Fantasie muss jederzeit offen stehen.

Ich möchte den Kindern Mut machen, in einer Welt der Dinge, Namen und Nummern, mitten im Wettlauf anzuhalten wegen einer Hundeblume oder eines Käfers, den sie sich, die Augen geschlossen, ein Lächeln auf den Lippen, den nackten Arm hoch krabbeln lassen. Ich möchte ihnen Glauben geben, nicht an die Allmacht von Göttern und Menschen, sondern an sich selbst, was zugleich heißt, sie sollen Verantwortung übernehmen für unsere zerrissene Welt, die aber noch immer viel Schönes hat, für dessen Erhalt es sich zu kämpfen lohnt.

11. Dankesrede zur Verleihung des Alex-Wedding-Preises der Akademie der Künste (1986)

Liebe Anwesende!

Mit der Verleihung des Alex-Wedding-Preises befinde ich mich zum ersten Mal in der Verlegenheit, eine Dankesrede zu halten. Es gehört sich so, dass der Geehrte ein paar Worte vom Katheder spricht. Wir kommen selten dazu, uns selbst zu feiern, nach dem ein anderer uns gelobt hat. Schnell baut sich das Bewusstsein im Selbst eine Burg oder Laube, und das nennen wir dann Selbstbewusstsein.

Damit allein kommst du aber nicht weit, denn auch vor dem Tor der Akademie der Künste wartet der Alltag, der auch von einem Schriftsteller verlangt: Fleiß, Selbstdisziplin und den Mut zur Wahrheit. Wohl nur so kann es dem Erzähler mit einer gefundenen und ausgeschmückten Geschichte gelingen, einen Faden zu ziehen vom Leben in die Kunst, auf dem dann ein paar Menschen – vielleicht mit Gewinn – hin- und zurückbalancieren können.

Nun, ich schreibe Kinderbücher, nicht nur, aber nie nebenbei. Wir nennen Kinderliteratur, was Erwachsene für Kinder schreiben. Was Erwachsene für Kinder aussuchen und kaufen. Was sie für Kinder vorlesen. Kann Literatur für Kinder denn überhaupt einen Faden bilden, auf dem Heranwachsende, nur auf ihr unfertiges Selbst gestützt, ihren Papierhelden zur Seite, sich zwischen Realwelt und Fantasiewelt hin und her bewegen? Die alte Frage „Was vermag Literatur überhaupt?“, stellte sich dem Schriftsteller in der Kinderliteratur am deutlichsten. Bei keinem anderen Publikum ist die Wirkung von Kunst und Literatur so genau nachprüfbar wie bei Kindern. Eingedenk dessen, dass die Welt wohl nie den Dichtern und Denkern gehören wird – schon darum nicht, da sie sich an dem Feuer, das sie mit ihrem Geist entzünden, nicht die Finger verbrennen wollen -, meine ich: Die Erziehung der Gefühle, die Bildung des Herzens, die Entdeckung der Seele findet im Wesentlichen in den Künsten statt. Gerade beim Kind, dem schönen, weil spielenden Menschen, der hinter jedes Geheimnis kommt und sich doch in einer Welt voller Rätsel bewegt, können Geschichten, die von der Vielfalt menschlichen Daseins, seinen Freuden und Schmerzen, Gewinnen und Verlusten erzählen, helfen, sich im Irrgarten der Wirklichkeit zurechtzufinden. Wir sollten es längst wissen: Der Meister ist fröhlicher und dem Leben gegenüber offener, wenn er in seiner Kindheit gespielt hat, bevor er üben musste. Und die Zeiten sollten für immer vorbei sein, in denen in des Deutschen Wohnzimmer kein Weltbild passte; nur allzu leicht ließen sich aus deutschen Gartenzwergen Bleisoldaten fertigen.

Ich bekenne mich nachdrücklich zu einer streitbaren Kunst und Literatur, ohne die menschliches Zusammenleben farblos und erdrückend eng wird und auch eine sozialistische Kultur - die zu definieren wir uns ja noch immer schwer tun - nicht möglich ist. Solche Zauberworte wie „Ökonomie“ und „Technologie“, die Entwicklung symbolisieren, werden uns nicht alle Hindernisse aus dem Weg räumen und gleich dem Schlüssel „Sesam, öffne dich!“, unermessliche Schatzkammern öffnen. Ohne Kunst können Menschen überleben, aber nicht leben. Schon manch einer in manch einer Zeit, und da müssen wir gar nicht so weit zurückblicken, hätte es lieber gesehen, wenn aus dem freiheitsliebenden Pegasus eine Attraktion im Hippodrom geworden wäre; der philiströs beschränkte Schulmeister Gottlieb Biedermaier musste ja zu keiner Zeit neu geboren werden.

Ich fühle mich gut aufgehoben in einer kleinen, aber starken Gruppe von Menschen, denen das Buch so notwendig ist wie das tägliche Brot. Die Kinderliteratur hat es sich hierzulande redlich verdient, nicht mehr in die Randzonen der Dichtung gestellt oder gar hinter solch fadenscheinigen Deckmänteln wie „Erziehungshilfe“ oder „Lesefutter“ verborgen zu werden. Sie ist längst aus den durchgelaufenen Igelitschuhen und dem zu engen Konfirmationsanzug heraus. Sie zeigt sich manchmal noch nicht ganz ungebunden, aber hier und da schön und frei, weil wahr und poetisch, auch wenn das manchem Literaturfunktionär suspekt ist.

Es hat sich viel getan in der Literatur für Kinder, die ja auch im besten Fall Lesestoff für Erwachsene ist. Die Helden des Homer und des Nibelungenliedes hätten schon bei Tom Sawyer und Huck Finn vielleicht nur noch den Indianer-Joe und den Muff Potter spielen dürfen. Heute sind unsere Kinder selbst die literarischen Helden, uns interessiert ihr Werden und Sein, ihre Kämpfe, Siege und Niederlagen in Elternhaus und Schule, ihre Tagträume, Hoffnungen und Enttäuschungen. Wir können sie weder in Drachenblut unverwundbar baden, noch wollen wir Götter über sie stellen, die ihnen Frieden und Freiheit versprechen und sie dann doch nur demütigen und auf einem Schlachtfeld untergehen lassen. Und es besteht wohl auch keine Gefahr, dass wir, von erdrückenden Helden und Vorbildern abgewandt, den Pykniker zum Schönheitsideal eines Spondylosezeitalters erheben. Unsere Protagonisten sind im Volk zu suchen, es sind lebendige Menschen, deren lebenserhaltende Kraft sich aus der Bewältigung des Alltags regeneriert, die es nicht vertragen zu Vorbildern aufgeblasen zu werden und sich gegen Bevormundung und Unfreiheit zur Wehr setzen, die wissen wollen, woran sie sind, um es erhalten oder verändern zu können.

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