Gunter Preuß - Rufe in die Wüste

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In «Rufe in die Wüste» finden sich Interviews mit Gunter Preuß und Aufsätze von ihm aus dem Zeitraum von 1973 bis 2009. Darin wird die eigene Befindlichkeit immer wieder kritisch an den gesellschaftlichen Gegebenheiten gemessen. Es ist auch ein Gang durch die Zeit und zwei Gesellschaftsordnungen, wobei der sich beharrlich zu Wort meldende Schriftsteller in seinem Kunstschaffen nicht am Alltagsgeschehen vorbeikommt. Mag mancher Text auch noch so privat erscheinen, er ist ein politischer Text, weil der Autor nicht Kunst von Leben und Individuum nicht von Gesellschaft trennen will. Die persönliche Zeitreise, die einen Lebenslauf kennzeichnet, sollte auch für andere Zeitgenossen interessant sein.

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Die ältere Generation, die den Krieg durchlitten hat, musste Schwereres erfahren als die Nachkriegsgeneration. Ihr Grunderlebnis ist der Krieg. Er bedroht uns ja noch immer, und seine Bedrohung nimmt zu. Auch für die Literatur und die Künste ist er ein Gegenwartsthema, das gesellschaftlichen Vorrang hat, da wir uns als ein sich dem Frieden verpflichteter antifaschistischer Staat sehen. Schwerer ist es da schon für Gegenwartsthemen, die den Finger auf die Wunden unserer Gesellschaft legen. Das schmerzt und wird mancherorts schlecht ertragen. Aber wo eine Wunde ist, muss sie benannt und offengelegt werden, um sie behandeln zu können. Wirkliche Stärke wächst wohl nur aus der Kenntnis der eigenen Schwächen und Fehlhaltungen.

Oft wird das Aufzeigen solcher Wunden als beunruhigend erlebt, dem „Diagnostiker“ wird keine heilende, sondern eine die Gesundheit gefährdende Absicht unterstellt. Diese Angst vor der Wahrheit und dem damit verbundenen Schmerz, die sich hinter dieser Haltung verbirgt, ist verständlich, aber sie darf nicht dazu führen, dass man sich gegen eine „Untersuchung“ sperrt. Wenn die Ursache der Krankheit nicht gefunden wird, kann sie schließlich auch nicht behandelt werden.

Ich kann verstehen, wenn Ältere sich dagegen wehren, dass die Jungen das von ihnen unter großen Mühen und Entbehrungen Geschaffene kritisch beurteilen oder gar in Frage stellen. Ich kann das verstehen, aber nicht für gut heißen. Die Alten fürchten um ihr Lebenswerk, das ihrem Leben Sinn gegeben hat. Sie möchten Bleibendes geschaffen haben, das nun in der Jugend weiterlebt. Manches Neue erscheint ihnen wie Verrat an ihrem Leben. Sie, die selbst einmal am Alten gerüttelt haben, kämpfen jetzt um ihre Errungenschaften, die für die Jungen so nicht mehr akzeptabel sind. (Der alte Goethe sagt einmal, wohl zu Eckermann: In der Jugend sind wir alle Demokraten, im Alter aber Aristokraten. ) Aber die Jugend wird siegen, wie sie immer gesiegt hat. Sie wird manches umwerfen, was die Alten aufgestellt haben; aber in der Hauptsache wird sie wohl doch dort weiterarbeiten, wo die Alten aufhören mussten. Denn zu ihrer Unduldsamkeit wird die Einsicht kommen. Sie wird selbst Macht ergreifen und deren lastvolle Verantwortung zu spüren bekommen. Sie wird auf den Kompromiss, den sie wohl am meisten verachtet, ohne den menschliches Leben aber nicht möglich ist, zurückgreifen müssen, er wird sie prägen und hoffentlich nicht vor ihrer Zeit müde oder intolerant werden lassen. Das Maß des Vertrauens und der Toleranz, das die Alten den Jungen entgegenbringen, wird mitbestimmen, wie viel davon die Jungen den Alten erweisen. Das ist vielleicht die sich stets wiederholende Generationsproblematik: Das Übernehmen des Stabes beim Stafettenlauf. In diesem Sinn würde ich mich schon unter den Jungen sehen wollen. Allerdings unter denen, die Teile des Werks der Alten zu schätzen wissen und sie nicht einreißen, sondern verbessern wollen.

Seit 1975 sind mehr als 250 Autoren aller Genres zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten, eine Vielzahl sind junge Leute, die also hier in der DDR aufgewachsen und erzogen worden sind. In Gesprächen mit ihnen ist sehr oft die Rede von einem uniformen Erlebnis- und Bildungsweg, von dem man sich allmählich freischreiben und gegen den man wohl auch anschreiben würde. In diesem Zusammenhang wird nicht selten der Begriff von Literatur als Lebenshilfe gebraucht, von dem auch du schon gesprochen hast. Kannst du solche Erfahrungen bestätigen, und in welchem Maße haben sie für dich beim Schreiben und für das Schreiben Gültigkeit?

Bei mir trifft dieser uniforme Erlebnis- und Bildungsweg nicht zu. Ich sehe in meinem Lebenslauf viel Abenteuerliches. Er lässt sich in keine Schablone pressen. Das liegt wohl auch daran, dass ich vieles ausprobieren musste, um herauszufinden, was ich eigentlich will und was ich kann. Das hat mir das Leben schwer, aber auch interessant gemacht. Ich halte nichts von allzu frühen Talentbestätigungen, von Poetenbewegungen, ständigen Förderungsmaßnahmen und all diesen Dingen. Meines Erachtens verbilden sie das Talent, sie engen es ein und machen es schwächlich und anfällig für Eitelkeiten, die nur am Er- und Durchleben hindern. Ich kann nicht an das in die Wiege gelegte Talent glauben, ich meine, es bildet sich nur in der Auseinandersetzung mit den Problemen des Lebens heraus. Und wenn ich einem kaum Achtzehnjährigen, nur weil er ein paar Verse zu Papier gebracht hat, ein anderes Leben ermögliche als den anderen, wird er sich von den Problemen seiner Generation entfernen, anstatt sich an ihnen zu reiben. Er wird sich zu früh in den Turm des Beschauers begeben und vielleicht nie wieder herausfinden. Dadurch wird ihm der Zugang zur Kunst verschlossen bleiben und weitaus schlimmer auch zu einem „normalen“ Leben. Er wäre vielleicht ein guter Ingenieur oder Dreher geworden, aber nun fühlt er sich zu „Höherem“ berufen und macht Gott und die Welt verantwortlich, dass sie sein Genie verkennen.

Ich denke, man muss dem Talent Zeit lassen, sich zu finden und durchzusetzen. Es könnte zu viel gelernt bekommen, das es zuerst hätte durchleben müssen, um sich ausbilden zu können. Es gibt in unserer Gesellschaft zu viel Behütetsein, das auch immer die Gefahr des Nichtloslassens in sich birgt, es wird dem Bürger zu viel Fertiges vorgesetzt. Das beginnt im Kindergarten, geht weiter in der Schule. Der Lehrer fordert auf eine bestimmte Frage eine allein gültige Antwort, die er mit einer Eins honoriert. Das heißt letztendlich: Wer am besten auswendig lernt, ist der beste Schüler. Er wird dann studieren und später in entscheidenden Positionen arbeiten und Macht ausüben. Das eigene Denken, das sich über Zweifel und Widersprüche zurechtfinden wollen und müssen, die Möglichkeiten zur Entdeckung der Welt durch das unverwechselbare Ich, bekommen zu wenig Raum, um sich zu schöner Blüte, die dann auch eine gute Frucht bringt, entwickeln zu können. Natürlich braucht jede Gesellschaft, auch eine sozialistische, zu ihrem Bestehen solche Grundpfeiler wie Fleiß, Ordnung, Disziplin und Pünktlichkeit. Das muss aber keineswegs Uniformität im Denken und Handeln bedeuten. Solche Stützen des gesellschaftlichen Lebens sollten vielmehr dazu dienen, Denken und Handeln zu erweitern und nicht zu beschränken. Der Einzelne und die Gruppe müssen Freiräume finden können, die sie mit ihrem Ich und Wir ausfüllen und beleben.

Dichtung im besten Sinne wird immer auch Lebenshilfe sein, wie viel Zeit auch vergeht, denn das äußere Gesicht unserer Welt ist schnell wandelbar, aber ihr innerer Zustand - dem Dichtung vor allem ja nachspürt - ist nur sehr schwer zu verändern. Da betritt ein junger Mensch das weite und zugleich enge Feld gesellschaftlicher Beziehungen. Seiner aus Kinderträumen erspielter Weltvorstellung stellt sich die Realwelt entgegen. Traum und Wirklichkeit kollidieren. Der junge Mensch sucht nach Möglichkeiten sich zurechtzufinden, er muss Brücken bauen von der einen in die andere Welt. Wenn er nicht reibungslos seinen ihm von der Gesellschaft zugewiesenen Platz in der Realwelt einnehmen kann, wird er ein Gefährdeter sein und ein Suchender werden müssen. Er wird versuchen, auf eigenem Weg recht zu gehen. Die Künste werden sich ihm als Begleiter anbieten. Sie werden ihm zur Lebenshilfe, gleichgültig, ob er nun selbst Kunst schafft oder sie rezipiert.

Nur in Zeit- und Menschennähe kann der Schriftsteller Zeit- und Menschengeschichten entdecken und aufschreiben. Dabei muss ich mir als Schriftsteller meiner Verantwortung gegenüber den anderen bewusst sein. Während sie täglich an irgendeiner Maschine oder am Ladentisch arbeiten, schaffen sie die Voraussetzungen, dass ich meinen eigenwilligen Weg der Erkenntnis gehen kann, von dem ich ihnen dann aber auch meine Erfahrungen mitbringen muss. Denn sie wollen wie ich Bescheid wissen über sich und ihre Zeit, es ist ja dieselbe Welt, mit der wir zu tun haben. Sie sind es doch, die Gegenstand meines Suchens sind, ihr Weltbefinden interessiert mich, wie sie denken und fühlen, wie sie sich durchs Leben bringen. Ich gehöre zu ihnen, nur habe ich eine andere Arbeit, die sich damit befasst, aus der Wirklichkeit die Wahrheit herauszuarbeiten. Das bringt natürlich Probleme zwischen mir und den anderen; denn ich muss sie so zeigen, wie ich sie sehe (wie sie sind), und nicht wie sie sich sehen (wie sie sein wollen). Denn wer von uns spiegelt sich nicht sein geschöntes Bild, das eines Sonntagsmalers. Das aber ist eine Illusion, die zerstört werden muss, um das wahre Bild schaffen zu können. Das schmerzt, das fordert Widerspruch, Zorn, vielleicht auch Hass heraus. Doch das darf mich nicht wankelmütig werden lassen. Da ich ein Suchender bin, darf ich ein Irrender sein.

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