Mit dem dampfenden Getränk in der Hand inspizierte er den Garten. Die langen Schatten der Sträucher fielen auf Beete und Rabatten, die darauf warteten, dass endlich jemand die Harke in die Hand nahm. Wiesenkräuter hatten sich breit gemacht, über die schon unzählige Insekten schwirrten. Tante Marta hätte ihre Freude daran gehabt. An dem Beet mit den Erdbeeren, an den Himbeer- und Johannisbeersträuchern, und an dem kleinen Kirschbaum. Und den vielen Rosen. Sie hatte sich so etwas auch so sehr gewünscht. Wann hatte er sich eigentlich das letzte Mal von ihr in den Arm nehmen lassen? Wenn er sich wenigstens daran erinnern könnte! Hatte er ihr überhaupt ein einziges Mal gesagt, wie dankbar er ihr und Onkel Gustav für seine unbeschwerte Kindheit und Jugendzeit war? Seine Kehle zog sich zusammen. Er schaffte es nicht, die Bilder von Baumhütten, Schraubenziehern und seinem ersten selbst zusammengebastelten Moped zu verscheuchen. Auch nicht die Gedanken an Tante Martas unerschöpflichen Vorrat an Pflastern, Butterkeksen und Apfelkompott. Sie war tief verärgert gewesen, als sie für den neuen Transporter den Carport gebaut und dafür einen großen Teil ihrer geliebten Blumenbeete vernichtet hatten. Das wusste er leider noch genau. Aber das Geschäft brummte, und die Garage wurde für den immer größeren Berg an Waren benötigt, der im Laufe der Zeit zusammen gekommen war.
„Ich habe mich schon auf die Warteliste von dieser Elite-Gartenanlage setzen lassen, die nur ein paar Kilometer von hier entfernt ist“, hatte sie gedroht. „Und wenn ich dort mal drin bin, dann könnt ihr meinetwegen die Rosen vor dem Haus auch noch überdachen! Dann braucht ihr aber nicht zu glauben, dass ich dauernd da bin, um euch den Hintern abzuwischen!“
Und das würde sie nun ganz sicher nicht mehr tun. Nie mehr. Die roten Rosen vor dem Haus waren vertrocknet, und die gelben, die sie so geliebt, und die er gerettet und für sie in einen Kübel gepflanzt hatte, waren verschwunden.
Abrupt wandte er sich ab, schob seine Hand in die Hosentasche, berührte den Geldbeutel. Sechsundzwanzig Euro und einundvierzig Cent. Das war alles. Er brauchte nicht noch einmal nachzuzählen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte er diesen Betrag und noch viel mehr ohne groß nachzudenken, ausgegeben. Jetzt wollte er versuchen, die nächsten Tage damit über die Runden zu kommen und dazu noch Detektiv spielen. Es war einfach lachhaft.
Bisher hatte er gedankenlos in einer Welt gelebt, in der alles um einen herum Geld kostete. Nichts gab es umsonst. Ob es eine Salatpflanze war oder ein Spaten, ein Eimer oder ein Putzlappen, und erst recht nicht die eleganten Gartenstühle im schmiedeeisernen Pavillon nebenan. Auch so ein Mähroboter, wie ihn der Besitzer dieser Parzelle besaß, war teuer. Diese Sachen gehörten gewiss keinem Armen. Allein der Kugelgrill war ein Vermögen wert...
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