Grüße Karla, ich bin Dein ewiger Freund Paulus Hagenkötter.
Nachschrift. Ich habe es im Mikroskop mit den Wasserlinsen versucht. Ich weiß jetzt, daß meine Erfindung Unsinn ist. Ich will nie mehr etwas erfinden. Es war bloß so schön, sich auszudenken, wie man die Menschen glücklicher machen könnte. Halt Dich senkrecht, Maxe! Dein Freund Paulus.
Ich sah von dem Brief hoch.
Wer hat Ihnen denn den Auftrag gegeben, Herr Justizrat, fragte ich mit böser Stimme, über meinen Freund Hagenkötter Erkundigungen einzuziehen?
Sie! Sie haben mich mit der Erledigung des Falles beauftragt. Über einen Mann, dem man zwanzigtausend Mark leihen will, zieht man Erkundigungen ein. Dazu bin ich als Ihr Berater einfach verpflichtet.
Diese Erkundigungen müssen sehr ungeschickt eingezogen sein. Mein Freund Hagenkötter hat dadurch seine Stellung verloren.
Das behauptet er! Übrigens wird ein Wort von mir oder Ihnen genügen, und Herr Direktor Kracht stellt ihn wieder ein.
Es hatte keinen Zweck. Es hatte gar keinen Zweck mit den beiden. Es waren zwei Welten, sinnlos, sich mit ihnen zu streiten! Wir kamen nie zusammen.
Bitte, entschuldigen Sie jetzt mich und meine Frau. Wir wollen zu Herrn Hagenkötter.
Ich ...
Wir ...
Ich möchte noch bemerken, sprach ich, und kam mir eisig und schneidig vor, daß Herr Hagenkötter die fünfhundert Mark zurückgezahlt hat. Eine Betrugsanzeige erübrigt sich also. Guten Abend!
Wir liefen vereint aus dem Hotel, es war schon dunkel. Aber wenn es auch heller Tag gewesen wäre, diesmal hätten wir uns nicht vor den Leuten gescheut. Nach ein paar Sätzen, die sie mir zugerufen, verstummte auch Karla. Ich mochte nicht reden, ich war so voll Wut und Trauer –! Mein bester Freund! Nach Berlin – Paulus Hagenkötter, der Träumer, nach Berlin – sein allerbester Anzug hatte schon so blank ausgesehen! Und ich war an allem schuld! Ich allein –!
Ich würde es nie richtig machen. Da hatte ich nun Geld über Geld geerbt, und es war mir noch nicht gelungen, auch nur das geringste bißchen Segen damit zu stiften. Nur Schaden hatte ich damit angerichtet!
Ich dachte an die Kahnfahrt mit Karla auf dem Mummelteich. Damals hätte es vielleicht nur eines Wortes von mir bedurft, und wir hätten die Erbschaft ausgeschlagen! Und ich dachte an Onkel Eduard, der uns mit diesem Gelde Böses hatte antun wollen. Eigentlich war Onkel Eduard mit diesem Erbe bei uns gerade an die Unrechten gekommen: wir hatten nicht aus niedriger Berechnung die Mücke Eduarda genannt. Aber uns Böses anzutun, das war ihm doch gelungen! Es war eine elende Welt geworden, es war nicht abzusehen, ob wir uns je wieder in ihr so heimisch fühlen würden wie vor sechs Wochen –!
Paulus Hagenkötter war schon fort. Ja, er war gerade vor einer Viertelstunde gegangen, mit zwei Koffern. Ja, er hatte alles bezahlt. Nein, er hatte keine Adresse hinterlassen.
Wir standen noch vor dem Haus und beratschlagten, ob wir zur Bahn laufen sollten, da fuhr ein Auto vor. Es entstieg ihm der unvermeidliche Fiete: Herr Justizrat läßt Ihnen den Wagen schicken, Herr Schreyvogel.
Ich hätte platzen mögen vor Wut! Nicht einmal böse war der alte Aktentrottel auf mich, sondern immer weiter väterlich besorgt!
Aber das Auto kam uns gerade recht, wir fuhren zum Bahnhof.
Zu spät – vor drei Minuten war der Berliner Zug abgefahren! Paulus Hagenkötter, unser allerletzter Freund, war uns wirklich entschwunden.
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