„Ja, es gibt für uns genug Arbeit, wo warst du denn?“, wollte Kirsch wissen, denn er war es eigentlich nicht gewohnt, dass Eugen einfach verschwand. Ansonsten lief er ihm doch immer wie ein Hündchen hinterher.
Eugen lief ganz schön rot an, fast so rot, wie seine roten Haare und stotterte nur so herum.
„Na, Eugen, was ist denn los mit dir, so kenne ich dich ja gar nicht“, erwiderte Kirsch, der einfach nicht wusste, was mit Eugen los war.
„Ich war mal bei den Verkehrspolizisten“, sagte Eugen ganz leise, als wollte er sich entschuldigen.
„Verkehrspolizei, hattest du einen Unfall mit deinem Auto oder was?“, fragte Kirsch unwirsch nach.
„Nein, nein, wo denken Sie hin.“
„Ach jetzt geht mir ein Licht auf, natürlich die neue Kollegin hat es dir angetan, deshalb warst du bei der Verkehrspolizei.“ Kirsch lächelte etwas geheimnisvoll vor sich hin.
„Dass ich da nicht gleich draufgekommen bin“, lachte Kirsch dann etwas lauter.
„Ja, ja die Liebe, wolltest ihr vielleicht was zum Valentinstag schenken, der ist doch in ein paar Tagen“, kullerte Kirsch immer lauter los.
Eugen versteckte sich etwas hinter Kirsch, weil der jetzt doch zu laut wurde und das passte Eugen ganz und gar nicht, denn er wollte ja nicht, dass es die Kollegen vernahmen und ihn wohl hänselten und aufzogen mit der neuen Kollegin.
„Hoffentlich hat es von den Kollegen niemand mitbekommen?“, bemerkte er zu Kirsch.
Kirsch hatte gerade erst in der Bäckerei eine kleine Werbung auf diesen Valentinstag entdeckt und sich überlegt, ob Moni sich über eine Schachtel Pralinen freuen würde. Deshalb war er auch ein bisschen versöhnlicher gestimmt und verstand ja Eugen auch irgendwie. Denn die junge Kollegin war auch bildhübsch, wie er selbst fand, und da gönnte er ja auch Eugen sein bisschen Verliebtsein.
„Immer nur Arbeit, das gibt es nicht, Eugen, nur Mut, vielleicht hast du ja Chancen bei der neuen Kollegin“, erwiderte Kirsch.
Doch Eugen wollte gar nicht mehr über die Angelegenheit sprechen und fragte nochmals nach, was Kirsch von ihm wollte.
„Du marschierst jetzt zu Öhler in die Bank, zu deinem Sportkameraden und hörst dich ein bisschen um. Es kann ja nicht sein, dass ein Kind ohne seine Mutter hier ermordet aufgefunden wird. Und auch der Bankdirektor kommt mir schon ein bisschen suspekt vor. Gut, es hatte ihn ehrlich getroffen, dass sein Sohn so furchtbar ums Leben gekommen ist. Er war sehr erschüttert, aber dass er die Entführung überhaupt nicht gemeldet hatte, das verstehe ich bis heute nicht.“
„Also Eugen, marsch, marsch. Und dann berichtest du mir alles.“
Und Eugen machte sich auf den Weg in die Bank.
„Huber und Drechsler sollen mal das Umfeld des Kindes unter die Lupe nehmen. Helen, wo stecken denn die beiden?“, fragte Kirsch und wurde immer unruhiger und ungeduldiger.
Er gab Helen schnellstens Anweisung, die beiden zu verständigen und so eilten Huber und Drechsler, als sie Kirschs Anordnung vernahmen, eilig ins Kommissariat.
Von Helen erfuhren sie dann weitere Instruktionen.
Kirsch machte sich nochmals auf den Weg zu Hans Heger, denn er hatte doch noch einige Fragen an ihn.
Hans Heger erwartete ihn schon im Büro, denn Helen hatte den Kommissar angekündigt und er hatte sich doch noch nicht in seine Wohnung zurückgezogen .
„Herr Heger, ich muss nochmals auf die Entführung eingehen. Wo war denn die Übergabe?“
„Sie war am Eisweiher, direkt am Wald, wie ich es Ihnen schon gesagt habe, aber sie fand nicht statt, das Geld ist bei mir im Tresor gut aufbewahrt.“
„Haben Sie keine andere Adresse für die Geldübergabe von den Entführern genannt erhalten oder haben Sie vielleicht die Stimme erkannt?“, bohrte Kirsch weiter nach.
„Nein, keineswegs, die Stimme klang ziemlich verzerrt.“
„Wo wurden Sie angerufen, zuhause oder im Büro.“
„Es war hier im Büro.“
„Gut, dann muss die Spusi nochmals alles untersuchen und sicher ist ja das Gespräch aufgezeichnet worden, oder nicht?“
„Doch, die Gespräche werden aufgezeichnet, aber wenn ich eine Taste drücke, dann wird es nicht aufgezeichnet, dann ist es ein Privatgespräch und so habe ich es auch gemacht“, entgegnete Heger etwas gefasster.
„Trotzdem, die Spusi muss herkommen und wir wollen schauen, ob wir Glück haben und vielleicht etwas entdecken bzw. dass wir über die Telefongesellschaft mehr erfahren.“
„Zu Ihrem Sohn habe ich auch noch einige Fragen.“
„In welche Schule ging er und wie heißen seine Freunde, war er in einem Verein?“
Hans Heger antwortete ziemlich schnell und präzise, dass Lasse in eine Privatschule ging in Burgstetten, er ist ja noch in der Grundschule. Seine Freunde sind Manuel und Daniel, das sind die besten Kameraden .
„Gut, dann brauche ich noch die Adressen, damit ich sie aufsuchen kann.“
Heger teilte ihm dies auch noch mit und informierte ihn auch, dass Lasse im Fußballverein gespielt hatte. Sein Trainer war Olaf Kaiser, der die Jungen und auch die erwachsenen Amateure, trainiert.
„Gut, seine Adresse soll Helen herausfinden. Meine Assistentin war ja hier und hat noch Unterlagen von Ihnen erhalten.“
„Ich bin mir fast sicher, dass es sich um eine Beziehungstat handelt oder auch um Rache. Deshalb auch meine nochmalige Frage an Sie, haben Sie Feinde?“
Heger verneinte dies und konnte dem Kommissar nicht weiterhelfen.
„Danke Herr Heger, wir versuchen alles, damit wir Ihre Frau so schnell wie möglich finden, aber Sie müssen uns da auch behilflich sein. Sobald sich die Entführer wieder melden, geben Sie uns Bescheid.“
Dann verließ Kirsch den Bankdirektor, der ihm sehr nachdenklich nachschaute und in nicht gerade bester Verfassung war, als der Kommissar ging.
„Wer ist das schon, in bester Verfassung?“, dachte Kirsch, als er den Bankdirektor so leiden sah und wenn der eigene Junge tot ist und seine Frau verschwunden bleibt.
Als er die Treppe hinuntereilte, sah er schon von weitem Eugen stehen, der noch mit dem Bankangestellten Öhler sprach.
„Das sollte er ein bisschen diskreter machen“, fand Kirsch.
Als er unten in den Empfangsraum kam, sah er Olaf Kaiser, den er von einem Foto aus der Zeitung her kannte. Er stand gerade am Bankschalter und war sehr vertieft im Gespräch mit einem Bankangestellten.
„Wie heißt der denn nochmal?“, überlegte Kirsch, kam aber nicht auf den Namen des Bankangestellten.
„Die kennen sich wohl gut“, dachte Kirsch und ging auf Eugen zu.
„Hallo, Eugen!“
Eugen zuckte ein bisschen zusammen und auch Öhler bemerkte den Kommissar nicht gleich.
„Ah, Hallo, Herr Kirsch. Das sind ja keine guten Nachrichten heute Morgen, der liebe Junge, Lasse, ich mochte ihn so.“
Um die Mundwinkel von Öhler zuckte es sehr verdächtig, so als wollte er plötzlich anfangen zu heulen.
„Hoffentlich fängt er nicht an zu heulen“, dachte Kirsch, der es aber sehr sympathisch fand, dass Öhler seinen Kummer so öffentlich zeigte.
„Das gibt es nicht immer und schon gar nicht bei einem Mann“, meinte er mehr zu sich selbst und wandte sich dann Öhler zu.
„Herr Öhler, haben Sie Eugen alles gesagt, was Sie wissen?“, wurde Kirsch wieder förmlicher.
„Ja, Eugen weiß alles.“
„Gut, vielen Dank, komm Eugen, dann machen wir uns auf den Weg ins Kommissariat.“
„Nochmals vielen Dank, Herr Öhler, und wenn Ihnen noch was einfallen sollte oder Ihnen etwas merkwürdig vorkommtt, dann teilen Sie es uns bitte mit. Denn ich bin sicher, es hat irgendwas mit der Bank zu tun, denn alles läuft eigentlich direkt auf die Bank und den Bankdirektor zu.“
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