„Oh Gott, auch noch das Kind vom Bankdirektor. Das ist ja schrecklich, Eugen.“
„Doktor Dorer soll das Kind am besten gleich mitnehmen und ihn untersuchen. Wer hat den Tod schon festgestellt?“
„Die Feuerwehr“, antwortete Eugen, „die haben gleich den Tod festgestellt, denn der Junge lag schon länger im Eisweiher“, antwortete Eugen richtig selbstbewusst.
„Ist gut, Eugen“, meinte Kirsch, der den Assistenten in seinem Feuereifer etwas dämpfen wollte.
„Ich glaube es dir ja.“
„Wir müssen zuerst mal kurz noch ins Kommissariat und dann gehen wir gleich zum Bankdirektor. Die Bank ist ja ganz in der Nähe.“
„Doktor Dorer können Sie schon etwas zum Tod sagen. Ist der Junge ins Eis eingebrochen oder ist er anders zu Tode gekommen?“, Kirsch fragte ein bisschen merkwürdig nach.
Auch Doktor Dorer bemerkte dies und sagte nur kurz zu ihm.
„Herr Kirsch, haben Sie schon wieder solche Ahnungen, dass Sie schon vermuten, dass der Junge nicht nur ins Eis eingebrochen ist und mehr dahinter steckt, womöglich ein Mord?“
„Nein, nein“, beschwichtigte Kirsch den Arzt.
Aber er musste an seinen Traum denken, als ihn eine Hexe zum Eisweiher gelockt hatte und er dort ein Bündel sah, das aussah wie ein großer Berg und ob dies womöglich der Junge war, dieser große Berg, den er im Traum gesehen hatte. Kirsch gefiel diese Geschichte gar nicht.
„Ich kann es jetzt noch nicht sagen, aber der Junge lag schon eine Weile im Eisweiher. Ich muss ihn erst untersuchen, um festzustellen, ob auch eine andere Todesursache vorliegen könnte.“
„Gut, machen Sie das, Doktor Dorer, ich erwarte dann Ihren Bericht, aber hoppla hopp.“
„Eugen, wir sollten auch noch die Spusi herholen, trotz diesem Schnee und Eis gibt es sicherlich noch Spuren, die aufzunehmen sind. Vielleicht liegt doch ein Verbrechen vor?“
„Die Spusi kommt, Chef, das habe ich auch schon veranlasst.“
„Gut, Eugen, dann nichts wie los, zuerst ins Kommissariat und dann zum Bankdirektor, Helen soll uns schon mal anmelden.“
Kirsch und Eugen spazierten schnellen Schrittes ins Kommissariat, wo sie schon von Helen erwartet wurden.
„Oh, Gott, Chef, was ist denn jetzt wieder passiert?“
Helen kam ihnen schon ganz aufgeregt entgegen und prustete auch gleich los.
Sie hatte sich ein bisschen fasnachtlich mit einem Matrosenanzug gekleidet, weil das Verkleiden, auch während der Arbeit, sonst auch immer so üblich war an Fasnacht.
„Jetzt können wir gar nicht mehr Fasnacht feiern“, meckerte sie ein bisschen, was sonst nicht so Helens Art war, aber Fasnacht lässt sich in dieser Zeit eben niemand gerne entgehen.
„Helen, ruf mal bitte beim Bankdirektor an, es ist, glauben wir, der Junge vom Bankdirektor, der im Eisweiher gefunden wurde“, meinte Kirsch zu Helen, die ihm nur einen entsetzten Augenaufschlag schenkte.
„Oh, Gott, der kleine Lasse, er ist doch ein so lieber Junge. Ich kenne ihn, er ist im Fußballverein wie mein Bruder.“
Helen wurde immer trauriger und dachte gar nicht mehr an die Fasnacht.
„Komm, Eugen wir gehen jetzt zum Bankdirektor. Mal schauen, was er uns zu sagen hat, dass so ein kleiner Junge im Eisweiher ertrinken kann und es nicht mal seine Eltern bemerken.“
Kirsch und Eugen marschierten los und in wenigen Schritten mussten sie wieder am Eisweiher vorbei, wo noch die Spusi ihre Arbeit verrichtete. Kirsch und Eugen gingen noch bei den Kollegen vorbei und die sicherten inzwischen noch weitere Beweise.
In der Bank angekommen, kam auch schon Herr Öhler auf die beiden zu, wobei er natürlich Eugen besonders begrüßte, da sie ja beide Sportsfreunde im gleichen Verein sind.
„Hey, Eugen, was wollt ihr denn hier? Wenn der Herr Kirsch vorbeikommt, kommt immer ein Unheil“, lachte Klaus Oehler und begrüßte die beiden.
„Wir wollen zum Bankdirektor, Helen hat uns angemeldet“, erwiderte Eugen und machte ein vielsagendes Gesicht.
„Was isch los, Eugen, weshalb machsch du so große Augen?“, fragte Klaus Öhler in seinem alemannischen Dialekt nach.
„Was isch mit dem Bankdirektor, der sperrt sich zur Zeit geradezu mysteriös in seinem Zimmer ein“, meinte Banker Öhler, der eigentlich ansonsten am Schalter seinen Dienst versieht.
„Du kannsch ja mit uns gehen“, meinte Eugen, „und uns zum Bankdirektor führen“, sagte Eugen zu Öhler, der dann die beiden mitnahm und sie zum Direktor, Hans Heger, brachte.
Im Vorzimmer saß schon die Assistentin des Bankdirektors, Frau Gerber, die nur mal kurz flüchtig aufsah, als sie Öhler entdeckte.
„Was bringsch mir da für Gäste?“, fragte Sandra Gerber etwas unfreundlich zu Herrn Öhler und dabei sah sie gar nicht von ihrer Arbeit auf.
„Hey Sandra, des isch Kommissar Kirsch und Eugen, die wollen zum Bankdirektor“, bemerkte Öhler etwas aufgebracht, weil Sandra Gerber ihn so unfreundlich abfertigte.
„Ist ja gut, der Bankdirektor telefoniert gerade noch und ich darf ihn da nicht stören, das hat er mir ausdrücklich ans Herz gelegt und dann mache ich das auch“, gab Frau Gerber ebenso energisch zurück.
„Da, ich sehe jetzt, dass er frei ist, ich melde euch gleich an.“
Als sich die Tür öffnete, kam ein dunkelhaariger Mann aus dem Zimmer geschossen, vorbei an Frau Gerber, die er fast zur Seite drückte und entschuldigte sich quasi, dass er die Herren so lange warten ließ .
„Herr Heger, wir sind noch nicht lange hier. Können wir in Ihr Büro gehen?“, bemerkte Kommissar Kirsch etwas schnell zum Bankdirektor.
„Ja, klar, kommen Sie bitte herein.“
Und Hans Heger führte die beiden in sein Büro, wo er hinter seinem Scheibtisch gleich Platz nahm.
„Bitte, meine Herren nehmen Sie Platz!“, forderte er Kirsch und Eugen auf.
„Wollen Sie was trinken, einen Kaffee oder ein Wasser?“
„Herr Heger, wir haben Ihnen keine so gute Nachricht zu überbringen“, entgegnete Kirsch, der sich natürlich schon gewundert hatte, weshalb der Bankdirektor so überaus freundlich war.
Das passte eigentlich gar nicht in das Bild, das Kirsch von ihm hatte und er ihn immer als sehr unnahbar empfand. Was hat er zu verbergen oder auf dem Kerbholz, dachte er nur noch. Doch dann besann sich Kirsch, die Geschichte ganz professionell anzugehen und sich nicht von seinen Gedanken und Ahnungen leiten zu lassen.
„Herr Heger“, fing Kirsch etwas umständlich zu sprechen an, so dass Hans Heger ihn sehr skeptisch ansah und nicht recht wusste, wie er reagieren sollte.
Doch dann platzte Kirsch wieder einmal mit seiner Nachricht heraus. Eugen war dies ja schon gewohnt und trotzdem wunderte er sich immer wieder über Kirsch.
„Herr Heger, wissen Sie eigentlich wo Ihr Junge, Ihr Sohn, ist?“, fragte Kirsch mal ganz unverbindlich, aber energisch, nach.
Eugen schaute Kirsch nur von der Seite an und wusste gar nicht was Kirsch mit seiner Frage beabsichtigte.
„Wieso sagt er ihm nicht geradeheraus, was passiert ist?“, fragte sich Eugen.
Doch Hans Heger wich etwas aus und wurde ganz bleich im Gesicht bei der Frage von Kirsch.
„Er ist bei meiner Frau und die ist zu Ihrer Mutter mit dem Jungen gefahren. Die sind in Rottweil, da ist doch auch eine sehr traditionelle Fasent und das wollten sie dieses Jahr mit dem Narrensprung am Fasentsmontag erleben. Der Junge ist jetzt alt genug, frühmorgens mal mit meiner Frau diesem Spektakel zuzusehen.“
Kirsch verstand die Welt nicht mehr. Der Junge war zusammen mit seiner Mutter in Rottweil.
„Was ist denn das?“, fragte er sich insgeheim.
Das wird ja immer mysteriöser und merkwürdiger. Das kann ich nicht glauben. Da ist was anderes im Busch, der lügt mich doch an, machte sich Kirsch so seine Gedanken.
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