Kirschs Schnauzer fing wieder zu hüpfen an, denn Kirsch war schon sehr erregt. Eugen beobachtete ihn nur so von der Seite und wurde auch immer nervöser.
Lass doch endlich die Katze aus dem Sack, Chef, dachte Eugen, was soll denn das?
Aber Kirsch ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und fragte nochmals nach, wo der Junge ist. Hans Heger gab ihm aber wieder die gleiche Auskunft.
Doch, als er nichts anderes vernahm, da platzte Kirsch der Kragen und er schlug mit der Hand auf den Schreibtisch, dass die Kaffeetasse nur so schepperte und die Bleistifte zu tanzen anfingen. Heger schaute ihn an und verfolgte die Bewegungen auf dem Tisch.
„Herr Heger, ich will jetzt die Wahrheit wissen“, sprach Kirsch und Heger zuckte zusammen wie ein gescholtener Schuljunge.
„Herr Kirsch, ich kann Ihnen nichts anderes sagen“, blieb Heger weiter bei seiner Aussage.
„Gut, Herr Heger, dann sage ich Ihnen mal, wo ihr Junge ist. Er liegt drüben bei Doktor Dorer in der Pathologie. Wissen Sie was das heißt?“
Kirsch wurde immer zorniger.
„Er ist nämlich tot, eingebrochen in den Eisweiher und sie wollen mir erzählen, er sei bei seiner Mutter in Rottweil.“
„Was sind denn das für Ammenmärchen, die Sie mir da auftischen, Herr Bankdirektor Heger?“
Kirsch wurde immer lauter und immer hektischer.
Und Hans Heger zuckte bei den Ausführungen von Kirsch dann urplötzlich ganz in sich zusammen, ja er sackte fast auf den Boden, nur der Stuhl hielt ihn noch auf und sein Gesicht wurde immer bleicher.
„Das ist nicht möglich, das ist nicht möglich“, rief er immerzu aus, dass es Kirsch immer banger wurde.
Dann heulte Hans Heger wie ein kleines Kind auf und fing an zu schluchzen, wie Kirsch noch nie einen Mann schluchzen hörte. Es brach direkt aus Heger heraus.
„Herr Heger, beruhen Sie sich doch, wir können nichts mehr machen. Der Junge, ihr Lasse, ist tot.“
„Sagen Sie mir jetzt bitte, was vorgefallen ist?“
Kirsch spürte, dass Heger etwas vor ihm verbarg, aber was?
Als sich Hans Heger etwas beruhigt hatte, sprach er das bisher Unbekannte aus.
„Meine Frau und der Junge sind entführt worden, Herr Kirsch. Ich weiß nicht von wem und warum, es ist einfach so. Ich weiß nicht, wo sich meine Frau derzeit aufhält. Sie ist natürlich nicht bei Ihrer Mutter, aber das habe ich mir so ausgedacht, wenn ich nach dem Aufenthaltsort meiner Frau und meines Sohnes gefragt werden sollte.“
„Die Entführer wollten 200.000 Euro Lösegeld, das waren die Forderungen, denen ich nachgekommen bin. Aber es kam nicht zu einer Geldübergabe. Ich hatte das Geld besorgt, das war für mich keine große Schwierigkeit, zumal es ja im Rahmen mit den 200.000 Euro blieb. Die Entführer oder der Entführer, ich hatte nur immer eine Person am Telefon, haben mir strikt untersagt, die Polizei einzubeziehen. Das habe ich für ernst gehalten und mich auch daran gehalten. Allerdings war ich aufgrund des Straßenverkehrs etwas später an der Stelle, wo die Geldübergabe stattfinden sollte und dann war da niemand mehr. Ich habe das Geld, wie vereinbart in einer Tasche am Seeufer in eine Mülltonne getan, und mich dann entfernt. Eine Stunde später bin ich nochmals an die Stelle gefahren und da war das Geld noch. Ich habe es dann wieder mitgenommen.“
Kirsch und Eugen hörten ihm aufmerksam zu.
„Und jetzt ist mein Junge tot, sagen Sie. Das war der Entführer, da bin ich mir sicher. Oh Gott, jetzt bin ich am Tod meines Jungen schuld, weil die Geldübergabe nicht geklappt hat.“
Heger fing wieder an zu schluchzen und Kirsch war ob der Entführung natürlich entsetzt, weil die Polizei nicht dazu gerufen wurde.
„Herr Heger, wir haben doch einen besseren Apparat, wir haben die nötigen Leute, die sich mit Geldübergaben bestens auskennen. Sie hätten uns hinzuziehen müssen.“
„Ja, aber ich wollte meine Familie schützen und deshalb habe ich keine Polizei geholt, das müssen Sie doch verstehen.“
„Aber jetzt haben wir den Schlamassel. Ihr Junge ist tot und womöglich auch seine Mutter, Ihre Frau. Und wo sollen wir mit unseren Ermittlungen anfangen?“
„Eugen, Helen soll herkommen auf dem schnellsten Weg. Herr Heger, meine Mitarbeiterin kommt jetzt und nimmt mal alle Informationen auf, die Sie uns geben können. Haben Sie Feinde, Leute, denen kein Bankkredit gewährt wurde oder Angestellte, die Sie entlassen haben. All das ist für uns wichtig, weil ich denke, es war eine Beziehungstat. Vielleicht hat der Junge den Täter erkannt und musste deshalb sterben.“
„Doktor Dorer untersucht gerade den Jungen und dann wissen wir mehr.“
„Helen und Eugen, ihr beide verhört die Angestellten hier in der Bank, alle, auch deinen Freund Öhler, aber ich traue ihm so was nicht zu, das war nur ein Späßle, Eugen“, lächelte der Kommissar etwas gequält.
Eugen schaute schon etwas verdattert, denn ihm war eigentlich nicht zu spaßen zumute. Helen kam auch schon angerannt und fing schon mal mit der Vorzimmerdame ein Gespräch an.
„Helen, wir müssen das alles sehr diskret bearbeiten, denn der Täter oder die Täter sollen sich doch in Sicherheit wiegen. Du weißt, Diskretion ist immer meine Maxime“, sprach Kirsch.
„Wir fragen nur mal diskret nach, ob und wann der Junge gesehen wurde. Denn auch die Entführer haben sicherlich mitbekommen, dass wir den Jungen gefunden haben. Vielleicht sollte der ja auch unauffindbar bleiben und im Wasser versinken, was halt nicht der Fall war.“
Kirsch ordnete an und Helen nahm alle Instruktionen in sich gewissenhaft, wie sie war, auf .
„Eugen du kannst mal mit deinem Freund Öhler ein Wörtchen sprechen, vielleicht hat er ja was beobachtet oder kann sich einen Reim auf die Entführung machen. Ihn können wir in unser Vertrauen ziehen. So von Sportkamerad zu Sportkamerad ist das ja viel leichter, als wenn ich gleich dazukomme.“
„Ich gehe inzwischen ins Kommissariat und frage mal nach, ob Huber und Drechsler, auch in den Fall involviert werden. Außerdem gehe ich mal noch beim Bürgermeister vorbei, die Lene, seine Frau, hatte ja das Kind erkannt und auch Hans Heger soll am besten mit mir mitkommen, er muss ja den Jungen noch identifizieren, nicht, dass es womöglich doch ein anderer Junge ist. Aber die Lene hat scharfe Augen und eine noch schärfere Zunge, aber auch einen wachen Verstand, die sagt nichts, was nicht stimmt.“
„Herr Heger, kommen Sie bitte gleich mit in die Pathologie, damit Sie Ihren Sohn auch identifizieren können. Was hatte er denn zuletzt an, auch das sollten wir wissen und vielleicht haben Sie ja auch noch ein paar Kleider hier, dann könnten wir noch die Spürhunde einsetzen, vielleicht wissen wir dann mehr, wo das Kind angeliefert wurde, denn der Eisweiher war ja nicht der Tatort, da bin ich mir sicher.“
Eugen ging inzwischen zu Öhler und Helen machte sich auf den Weg, um die Angestellten diskret zu verhören. Danach wollte sie noch mit Hans Heger sprechen, wenn er aus der Pathologie zurück war und mit ihm die Akten durchgehen.
Heger und Kirsch gingen schnellen Schrittes in die Pathologie, wo sie schon von Doktor Dorer erwartet wurden, der den kleinen Jungen auf seinem Seziertisch liegen hatte, abgedeckt mit einer grünen Decke.
Hans Heger ging aufgestützt auf Kirsch in den Raum und entdeckte das tote Kind unter der Decke. Er fing sogleich wieder zu schluchzen an.
Doktor Dorer nahm ihn behutsam an der Hand und führte ihn leise zu dem Kind, öffnete die Decke und darunter lag der Junge. Das Gesichtchen war blau verfärbt und etwas vom Wasser aufgedunsen. Die Kleider des Kindes hatte Doktor Dorer schon ausgezogen und dann lag da das nackte Kind, das einige Kratzspuren am Körper hatte.
Читать дальше