Er nutzte die Zeit, um sich einen Plan auszudenken wie er hier wieder lebend herauskommen würde. Jede Eventualität musste eingeplant werden, jeder Variable berechnet. Einfach kopflos loszustürmen würde ihn das Leben kosten.
Alle drei Brüder stutzten auf. „Wollen nicht?“ Links.
„Natürlich wollen wir.“ Mitte.
„Aber du hast den Vertrag nicht erfüllt.“ Rechts.
Serox berechnete die Situation weiter in seinem Kopf. Wie gut war der Schütze in der Ecke? War es überhaupt ein Schütze? Wahrscheinlich. Der Unbekannte musste schnell zuschlagen. Wenn er ihn mit einem Schwert angreifen würde, würden wertvolle Moment vergehen, die er nutzen könnte um die Hartkorns zu töten. Nein. Da war jemand mit einer Fernkampfwaffe. Vielleicht wäre er schnell genug, dem ersten Bolzen auszuweichen und dann hätte er Zeit. Kreuzbögen waren tödlich und treffsicher aber brauchten eine halbe Ewigkeit zum Nachladen. Das wäre dann seine Chance. Erst der Schütze und dann die drei Brüder. Einer nach dem anderen. Eine andere Chance sah er nicht. Möglichst langsam und vorsichtig lockerte er sein Schwert in der Scheide. Nur Augenblicke würden ihm bleiben. Nur Augenblicke bis der Schütze den Bolzen in seine Richtung schießen würde.
„Da du aber nicht geliefert hast“, redete Links weiter.
„Und dieser Kopf jedem gehören könnte.“ Wieder Mitte.
„Wirst du keinen Lohn von uns bekommen“, grinste Rechts frech.
„Ihr macht einen Fehler“, murrte Serox in Richtung der Brüder.
„Das.“
„Glauben wir.“
„Nicht.“
Der Stuhl polterte und Serox sprang auf. Er war schon immer schnell, sehr schnell sogar, und für die Hartkorns war er deutlich zu schnell. Hunderte Male hatte er sich bereits in ähnlichen Situationen wiedergefunden. Situationen, in denen er schnell reagieren musste und auch aus scheinbar unmöglichen Positionen angreifen musste. Da sollte ein kurzer Sprung von einem Stuhl ihn nicht aufhalten können, ein Katzensprung, mehr nicht. Er fühlte sich aber komisch, seltsam, irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Seine Beine. Kraftlos und schlapp knickten sie weg und ließen ihn zu Boden fallen, noch bevor er überhaupt richtig aufspringen konnte. Das war kein Bolzen, dachte er, als die Kraft gänzlich aus seinen Beinen verschwand. Niemand war so schnell mit einem Kreuzbogen, nicht der beste Schütze in der gesamten bekannten Welt hätte ihn binnen eines Lidschlags so genau treffen können. Unmöglich! Das war etwas anderes. Der Schmerz war anders, er war dumpf. Was war los mit ihm?
Die Brüder lachten laut auf.
„Glaubst du.“
„Wir kommen.“
„Unvorbereitet her?“
Sein Magen brannte auf. So musste es sich anfühlen, wenn man glühende Kohlen verschluckt hatte, es brannte wie Feuer.
„Gift? Ihr Raben ich werde euch…!“, spie er Blut in ihre Richtung. Diese feigen Hurensöhne hatten ihn tatsächlich vergiftet. Das verfluchte Bier war es. Und er war darauf reingefallen. Er verfluchte sich zum dritten Mal dafür, so dumm gewesen zu sein. Mit jedem Atemzug brannte sein Körper weiter auf. Das Blut füllte seinen Mund und brachte ihn zum kotzen. Jedes seiner Organe schmerzte, glühendes flüssiges Metall breitete sich in seinem Körper aus und ließ in zuckend am Boden in seinem eigenen Erbrochenen zappeln.
Die Brüder ignorierten ihn. Ohne besonderes Eilen zogen sie ihre bunten mit Fellen besetzten Jacken an.
„Es warten.“
„Noch Geschäfte.“
„Auf uns.“
Sagten sie zu der Person in der dunklen Ecke, die sich das ganze Schauspiel regungslos angesehen hatte. Während der Todeskrämpfe erkannte Serox den drahtigen jungen Mann, der mit dem Kreuzbogen auf der Schulter in das fahle Licht schritt.
„Argil!“, keuchte Serox mit rauer und blutiger Stimme und versuchte den jungen Mann am Knöchel zu packen.
Der junge Mann stoppte nur kurz und sah Serox in die Augen, er lächelte, sagte aber kein Wort. Das letzte Bild, das Serox sah, war die Sohle von Argils Stiefel.
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