Der schwebende Sattel drehte besorgt die Vorderseite in ihre Richtung. Marmel matschte weiterhin mit dem Holzlöffel bedrückt im Brei herum. Sie war still und behielt das Geheimnis seiner wirklichen Gestalt für sich. Beruhigt wandte sich der Sattel wieder seiner Schüssel voller rostiger Nägel zu. Aber ihm wollten die Nägel nicht mehr so recht schmecken. Auch Armin vom Schwalbenacker bemerkte, dass Marmel nichts aß. Ein halbes Schnitzel im Mund, schmatzte er:
»Schmeckt es Ihr nicht, oder ist Ihr nicht wohl?«
Graf Leopold von Leafburgh sprang auf und wuselte hektisch durch das Zimmer. Er schaute unter bissige Topfblumen, lugte hinter Bilder und edle Wandteppiche.
»Ich kenne etwas, das zu jeder Zeit schmackhaft ist. Krabbeldrops! Die Dose ist bis zum Rand voll. Was für ein Glück, nicht wahr?«
Aus der Ritterrüstung angelte der Schamane ein Paket aus großen Blättern hervor, er öffnete es und hielt es Marmel hin. Auf dem Pflanzenteller lagen weiche Schokoladenbrocken, dünne Käferbeine ragten aus der Schokolade und wackelten in der Luft.
Marmel zog die Nase kraus und stupste ein Käferbein an.
»In den Drops stecken Käfer.«
»Ja, ist das nicht toll? Die Käfer waren meine Idee. Sie machen die Krabbeldrops viel spannender. Man weiß nie, wohin der Drop läuft, und es kribbelt schön auf der Zunge. Greif zu, Marmel. Du darfst dir so viel nehmen wie du willst.«
Marmel schüttelte heftig den Kopf. Sie wollte nicht mit Krabbelkäfern in Schokolade spielen. Sie wollte die Drops nicht über den Tisch flitzen lassen oder herausfinden, wie sie die Käfer von der Schokolade befreien konnte.
»Nein. Danke. Ich mag nichts essen, Herr Leopold. Ich will nach Hause«, schniefte sie.
»Da siehst du es Leopold, sie will keine Schokolade, sie will nach Hause!«, polterte der Ritter. »Sei unbesorgt, Mädchen. Ich und mein treuer Knappe werden losziehen und das Land nach einer Weisen absuchen. Sei frohen Mutes, auf Jagomus wimmeln die Weisen wie die Ameisen herum. Eine von ihnen wird wissen, wie Sie nach Hause kommt, Marmel. Morgen in aller Frühe werde ich mit meinem Knappen aufbrechen, und ich werde nicht ohne eine Weise zurückkehren. Das schwöre ich Ihr bei meiner Ehre, als Ritter Armin vom Schwalbenacker.«
Er klopfte mit der Faust kräftig auf die gewölbte Rüstung, dass ein dumpfer Knall ertönte und unter dem knackfesten Eierbrot sein Bauch wabbelte.
Marmel wischte sich mit dem Hemdsärmel durch das feuchte Gesicht, sie lächelte dankbar und ihre dunklen Augen strahlten. Nun war der Grießbrei wieder lecker, und mit einem gut gefüllten Magen schlüpfte sie ins Bett. Dass das Schlafzimmer gleichzeitig eine Vorratskammer war, wäre ein Grund gewesen, um nicht zu schlafen. Der schwitzende Käse stank im Regal vor sich hin, in der Dunkelheit pendelten die Schinken wie fette Geister an der Decke, in einer Getreidekiste knabberten Mäuse am Korn. Marmel fürchtete sich nicht vor den gruseligen Schatten und unheimlichen Geräuschen, sie war voller Zuversicht. Bald würde sie wieder Zuhause sein, dort wo es keine verrückten Schamanen gab. Sie hörte etwas durch die Regale wuseln, ein Einmachglas fiel vom Regal, das Glas zersprang auf dem kalten Steinboden und die Scherben klirrten. Aber Marmel schlummerte friedlich ein.
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