Die Unteroffiziere und einfachen Soldaten trugen das schlichte „Kepi“, welches im Jahr 1858 eingeführt worden war. Der Schnitt entsprach dem steifen und hohen Kepi der Dragoner, allerdings war das neue aus weicher Wolle gefertigt. Der kurze Mützenschirm und eine Einlage im „Deckel“ bestanden aus dickem Leder. Dazu gab es einen dicken Lederstreifen, der hinter dem Schirm in der Innenseite des Kepis eingesetzt war und den Deckel aufrichtete, wodurch das Kepi weiterhin dem der Dragoner ähnelte. Wenig später würde man diesen Lederstreifen als Versteifung weglassen und das „Forage-Cap“ würde jenen Spitznamen erhalten, unter dem es schließlich bekannt wurde: Das „Bummers“-Cap. Die einzige Verzierung des Kepis war der Kompaniebuchstabe aus Messing, der an der Front befestigt wurde.
Die Bewaffnung der Reiter bestand aus dem schweren Dragoner-Säbel, Modell 1840, und einem Colt Navy, Modell 1851. Als Eskorte eines Wagenzuges war jeder zweite Kavallerist mit einem einschüssigen Hinterlader-Karabiner vom Modell Sharps bewaffnet. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedachte, dass die Regierung einer Kompanie von hundert Kavalleristen nur zwölf Karabiner zugestand. Die beiden Begleiter der Fahrer waren mit einschüssigen Vorderlader-Gewehren bewaffnet, die allerdings über das Maynard-Zündsystem verfügten, bei dem kein einzelnes metallenes Zündhütchen aufgesetzt werden musste, sondern bei dem das Spannen des Hahns ein Band mit zwanzig „Zündpillen“ transportierte.
Obwohl der lange Ritt bislang ohne besondere Ereignisse verlaufen war, verhielten sich die Soldaten aufmerksam. Einerseits hielt sie die Kälte im Griff, andererseits bewegten sie sich durch Indianergebiet. Alles schien ungewöhnlich ruhig. Der Schnee dämpfte die Tritte der Pferde und das mahlende Rollen der Räder. Gelegentlich war das leise Schnauben eines der Tiere hörbar. Die Männer schwiegen, denn für ein Gespräch hätten sie den Mantelkragen öffnen müssen und dafür war es einfach zu kalt.
Hin und wieder sahen sie ein Tier. Einen der Bären, die es hier noch reichlich gab, ein paar Antilopen und Hasen. Von Büffeln waren nicht einmal Spuren zu finden. Einmal wurden sie von einem einzelnen Wolf beobachtet. Sicher der Späher eines Rudels. Nachts musste man achtgeben. Die angeleinten Pferde waren eine Verlockung für die Wölfe, und wenn der Mond die sternklaren Nächte erhellte, dann scheuten diese Raubtiere nicht einmal vor einem kleinen Lagerfeuer zurück.
Der Sergeant war eine Weile hinter dem letzten Wagen geblieben und kam nun nach vorne geritten. Die drei breiten gelben Winkel an seinen Armen waren noch frisch, denn er war erst vor Kurzem befördert worden. Im Gegensatz zur Dienstvorschrift bis 1858, bei der die Spitze aller Winkel nach oben gezeigt hatte, deuteten diese nun nach unten.
Der Sergeant lenkte sein Pferd neben das des Lieutenants und zog seinen Kragen ein wenig nach unten. Sofort senkte er den Kopf, denn der Wind war beißend, auch wenn er wenigstens keinen Schnee mit sich führte. „Schätze, es sind noch knappe dreißig Meilen, Sir.“
Der erfahrene Lieutenant nickte. „Ich schätze eher auf fünfunddreißig, Sarge, aber wenn wir uns ranhalten, werden wir gegen Abend endlich in Duncan sein.“
„Höchste Zeit, Sir. Mit Verlaub, mir friert langsam der Arsch am Sattel fest.“
Der Offizier lächelte. „Heute Abend werden wir uns an einem ordentlichen Ofen aufwärmen, Thad, und man hat sicher einen wärmenden Schluck Whiskey für euch Jungs übrig.“
„Nichts dagegen, Sir“, versicherte der Unteroffizier. Er deutete vor sich. „Da kommt wieder ein Waldstück. Da haben wir wenigstens Windschatten.“
„Dafür müssen wir aber die Augen schön weit offen halten.“ Der Lieutenant wies über die Landschaft. „Wir bewegen uns nun schon seit wenigstens vierzig Meilen im Gebiet der Winnebagos. Es wundert mich, dass wir noch keinen zu Gesicht bekommen haben.“
„Gefällt mir nicht, Sir. Gerade wenn man die Roten nicht sieht, dann sind sie besonders nah.“
„Wie ich schon sagte, Thad, schön die Augen offen halten. Schicken Sie zwei Mann als Vorhut voraus. Zweihundert Yards, das reicht. Und zwei Mann als Nachhut. Gleicher Abstand.“
Hier, im Freien, verzichteten sie auf diese Vorsichtsmaßnahmen, aber im Wald war das anders. Man konnte zwischen den ersten Reihen der Bäume bequem hindurchsehen, trotzdem gab es reichlich Verstecke.
Sergeant Thadeusz nickte und brüllte ein paar Befehle. Einer der Begleitfahrer war eingenickt und schreckte irritiert hoch, bis er erleichtert erkannte, dass keine Gefahr drohte. Zwei der Kavalleristen ließen sich zurückfallen, zwei andere preschten an Offizier und Sergeant vorbei und übernahmen die Spitze. Sie hielten die Karabiner unter den langen Capes verdeckt, um die Mechanismen vor Vereisung zu schützen.
Keiner der Soldaten bemerkte den einsamen Krieger, der nun schon seit einigen Stunden ihr unsichtbarer Begleiter war.
Als dieser als junger Mann auf der Suche nach seiner persönlichen Medizin und seinem Namen war, begegnete er einem mächtigen Schwarzbären, der, nur wenige Yards von ihm entfernt, an einem Bachlauf seinen Durst stillte. Die Begegnung verlief unblutig und verhalf dem Jungen zu seinem Männernamen „Thirsty Bear“. Er wurde zu einem fähigen Jäger und mutigen Krieger und seine Fähigkeiten als listiger Kundschafter waren im Stamm der Winnebagos legendär.
Er trug die lederne Hose und Jacke mit den langen Fransen, die typisch für die Waldbewohner waren. Das lange blauschwarze Haar war geteilt und zu zwei dicken Zöpfen geflochten. Thirsty Bear hatte einen Mantel aus Büffelfell um sich geschlungen und eine Pelzkappe, die seinen Kopf schützte. In seinen mit Pelz gefütterten Mokassins befand sich eine dicke Lage getrocknetes Gras und Fell. Obwohl er die Haut gut mit Fett eingerieben hatte fror er, denn er war immer wieder gezwungen sich auf den Bauch zu legen und Deckung zu nehmen, um von den weißen Soldaten nicht entdeckt zu werden.
Er gehörte zum Clan der Falken der Winnebagos und war stolz auf diese Zugehörigkeit. Die Falken waren gerühmt als Jäger und Fallensteller, obwohl die Hauptnahrungsgrundlage auf Fischfang und dem Anbau von Wildreis basierte. Aus diesem Grund lebte das Volk stets in der Nähe von Flüssen oder Seen und schickte nur gelegentlich seine Jagdtrupps gegen die Büffelherden aus.
Die Waffen des Kundschafters bestanden aus einem Bogen, einem Speer und einem guten Messer aus dem Stahl der Weißen. Es war Handelsware mit einer sehr langen, schweren und schlecht ausgewogenen Klinge. Nicht gut zum gezielten Wurf, aber hervorragend geeignet um einen Büffel zu zerlegen oder einen Feind aufzuschlitzen.
Thirsty Bear hegte keinerlei freundliche Gefühle für die Weißen, aber er war klug genug ihre Überlegenheit zu akzeptieren. Schon mehrfach hatte der Stamm diese zu spüren bekommen. Seit der Zwangsumsiedlung in das jetzige Gebiet scheuten die Häuptlinge vor einer erneuten Auseinandersetzung zurück.
Die Indianer glaubten in ihrem neuen Stammesgebiet in Ruhe gelassen zu werden, doch vor drei Jahren erbauten die Weißen eines ihrer Forts. Eine Provokation und Demonstration der Macht, denn die hölzerne Festung lag fast inmitten des Winnebago-Gebietes. Man konnte den Weißen nicht vertrauen und so waren stets Kundschafter unterwegs, die sie im Auge behielten und dem Stamm berichteten.
Thirsty Bear war nur durch Zufall auf die Weißen gestoßen. Er war ausgezogen um die Wintervorräte durch Frischfleisch zu ergänzen, als er unvermutet den kleinen Wagenzug entdeckte. Drei Wagen und drei Hände Soldaten … Von diesen Weißen ging keine Gefahr aus. Sie waren nicht auf einem Kriegszug, sondern brachten Soldatendinge zu dem Fort am Turkey River.
Der Krieger überlegte, ob er den Eindringlingen weiter folgen sollte, entschied sich dann jedoch dagegen. Wie die meisten Waldindianer war er ohne Pferd auf der Jagd und der Weg zurück zum Winterlager war weit. Er würde dem Häuptling Long Tree berichten, sich aufwärmen und dann erneut auf die Jagd gehen.
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