Regina Zeh - Der schicksalhafte Kuss

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In meinem Buch berichte ich zunächst kurz von der Lebenssituation meiner Eltern, die sich nach dem Krieg in einer für sie neuen Umwelt zurechtfinden und einleben mussten, dann von meiner Erkrankung an Polio und der Traumatisierung durch Krankenhausaufenthalte und wie meine Familie mit meiner Behinderung zurecht kam. Es folgen Eindrücke, die ich vom achten Lebensjahr an im Krankenhaus machte; wie ich schließlich den Weg ins Leben fand und wieder – auch als Erwachsene – problematische Erfahrungen in Krankenhäusern machen musste.
Ich berichte, welche Möglichkeiten ich nutzte, um die Folgen meiner Erlebnisse zu verarbeiten und schließlich lernte, aus «Stroh Gold zu spinnen».

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Eine schwere Erkrankung wie Kinderlähmung ist für ein zweijähriges Kind ein extrem belastendes Ereignis. Die akute Polio ist im Anfangsstadium einer schweren Grippe ähnlich. Dann stellen sich aber zusätzlich Lähmungen ein, die bis zu Atemlähmungen gehen können, weil auch das Zwergfell betroffen werden kann. So schwere Verläufe sind für jeden Menschen existenzbedrohend. Bei den leichteren Verläufen sind Glieder- und Kopfschmerzen, Fieber und Erkältungssymptome zu beobachten. Bei mir war der Krankheitsverlauf leichter. Ich hatte glücklicherweise keine Beeinträchtigung der Atmung. Aber ich kam auf eine Isolierstation für zunächst acht Wochen.

Erkrankt ein Kind und wird zu Hause von der Familie gepflegt, wird es gewöhnlich auch getröstet, wenn es Schmerzen hat und weint oder sich einfach nur unwohl fühlt. In einem Krankenhaus sind dafür weder die Zeit noch das nötige Personal ausreichend verfügbar. Doch selbst wenn ausreichend viele Schwestern bereit stünden, wäre das keine Lösung. Wer kleine Kinder beobachtet weiß, dass sie nicht von irgendwem getröstet werden wollen, sondern von Mama oder Papa, je nachdem, wer in den Vorstellungen des Kindes hilfreicher erscheint. Deshalb ist das Pflegepersonal im Krankenhaus nur bedingt geeignet. Heutzutage wird es Eltern ermöglicht, ihre kleinen Kinder ins Krankenhaus zu begleiten – damals wäre das undenkbar gewesen.

Meine Mutter berichtete, dass ich nicht mehr zu ihr wollte, als ich nach acht Wochen entlassen werden sollte. Ich klammerte mich bei der Krankenschwester fest und weinte.

Man stelle sich vor: Ein kleines Kind kommt ins Krankenhaus. Es ist aus seiner Umgebung herausgerissen, keine der gewohnten Bezugsperson ist mehr da, weder Mutter noch Vater, keine Geschwister, Onkel oder Tanten, Oma und Opa – niemand. Dem Kind geht es schlecht, es hat Fieber, Schmerzen und befindet sich in einer fremden Umgebung mit fremden Leuten. Keine vertraute Stimme, kein vertrautes Essen, keine vertrauten Gerüche, keine vertrauten Spielsachen oder Spielgefährten – kein Kuscheln oder Schmusen. Für so ein Kind, das emotional noch vollständig auf seine Eltern angewiesen ist, bricht eine Welt zusammen. Alles, was zu seiner Welt gehörte, ist nicht mehr da ist weg! Einem so kleinen Kind ist nicht zu erklären, warum das so ist. Intellektuell ist es noch nicht in der Lage, die Situation zu begreifen. Das Kind fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes „von allen guten Geistern verlassen“. Es fühlt sich einer unbekannten, fremden Welt schutzlos ausgeliefert und damit existenziell bedroht. – So entsteht ein Trauma. – Dass etwas Gravierendes passiert sein muss, ist daran zu erkennen, dass das Kind nach acht Wochen Krankenhausaufenthalt nicht mehr zu seiner Mutter will – sich an der Schwester anklammert. Das Kind hatte acht Wochen keinen Kontakt zu seiner Mutter. Damals durften Kinder im Krankenhaus nur durch ein Fenster von den Angehörigen angesehen werden. Ein Besuch am Krankenbett oder gar eine Berührung war undenkbar, ja verboten.

Ein Kind könnte daraus lernen: Du darfst niemandem vertrauen, du bist alleine und musst dich schützen! Es kann auch lernen: Das Leben hat eine Menge unangenehme Überraschungen für dich parat! Sei sehr vorsichtig! Pass auf!

Meine Mutter hatte sich damals geschworen, mich nie wieder in ein Krankenhaus zu geben. Aber das war nicht möglich. Den Kontakt zu ihrer Freundin hat sie einschlafen lassen und ihr auch nie berichtet, was sie mir da mitgebracht hatte. Denn meine Mutter war überzeugt, dass ihre Freundin für meine Erkrankung verantwortlich war.

Die ambulante physikalische Therapie (Krankengymnastik, Massagen, Elektrotherapie, Bäder, Kälte- und Wärmeanwendungen) war 1950 und 1951 noch nicht im Leistungskatalog der Pflichtkrankenkassen enthalten. Deshalb war es Ärzten nicht möglich, ambulante physikalische Therapie zu verordnen, die von den Krankenkassen übernommen wurde. Physikalische Therapie wurde in Krankenhäusern erteilt oder musste privat finanziert werden.

Da wir in einem kleinen Dorf im Landkreis Peine lebten und die Reise in die Großstadt zum Fachkrankenhaus mehrere Stunden dauerte, schien es eine gute Lösung zu sein, mich dort stationär unterzubringen. Während Schuhe und Stützapparat angefertigt wurden, stand ich jederzeit für Anproben zur Verfügung. In der Zwischenzeit konnte ich mit den notwendigen physikalischen Therapien versorgt werden, um die Nerven- und Muskeltätigkeit in meinen gelähmten Beinen anzuregen. Krankengymnastik, Massagen und Elektrotherapie konnte ich nur hier bekommen.

Meine Erinnerungen an diesen Klinikaufenthalt sind äußerst spärlich – kein Wunder, ich war ja damals erst zwei Jahre alt. Aber ein Erlebnis steht mir überdeutlich vor Augen:

Ich liege in einem 4-Betten-Zimmer, ein Bett ist rechts von mir, dazwischen eine Spielzeugkiste und ein Mann. Gegenüber sind, jeweils in den Zimmerecken, noch zwei Betten, links ist eine Tür, durch die man auf den Balkon gelangt, dieser Tür gegenüber ist die Zimmertür, in der eine große Glasscheibe ist. Ich sehe meine Mutter vor dieser Tür und sehe, dass sie weint. Ich weiß, dass sie meine Mutter ist, aber ich zeige ihr nicht, dass ich sie erkenne – sie ist es, die mich hierher gebracht hat. Ich bin ihr böse und enttäuscht, weil sie nicht bei mir ist, weil sie mich allein gelassen hat. Der Mann spielt manchmal mit mir. Es sind besondere „Spiele“, für die ich keinen Namen habe, die mich verwirren und bei denen ich mich ruhig verhalten muss, obwohl er mir manchmal weh tut. Für dieses „Spiel“ steckt er mir etwas durch die Gitterstäbe, was ich noch nicht kenne. Manchmal bringt der Mann mir Bonbons mit, Himbeerbonbons oder Goldnüsse. Seine Stimme und seine Aufforderungen habe ich noch viele Jahre lange innerlich gehört. Ich wusste immer, dass ich zu diesem Mann eine besondere Beziehung hatte.

Ich war diesem Mann ausgeliefert! Ich lag in einem Gitterbett aus Metall in einem Gipsbett. Dieses Gipsbett lag auf einem Holzbrett, das am Kopfende ca. 30 cm höher war als am Fußende. Etwa auf Gesäßhöhe war ein Loch eingelassen, und darunter stand ein Schieber (Becken), in dem alles landete, was von der Verdauung übrig blieb. Das Gipsbett war über dem Körper geformt worden. Das sah so aus, dass der Kopf, der Rücken und die Beine in einer Schale lagen. Die Beine waren gespreizt und der Genitalbereich war ebenfalls ausgespart. Das war praktisch, denn so entfiel das Windelnwechseln. (Wegwerfwindeln wurden erst viel später erfunden.) Wurde ein Kind im Gipsbett angebunden, war es ihm nicht möglich aufzustehen. Das erleichterte die Beaufsichtigung dieser Kinder. Sie konnten nur die Arme bewegen, und sie konnten keinesfalls aus dem Bett klettern.

Wie oft der Mann kam, um mit mir zu „spielen“, weiß ich nicht mehr. Aber einmal hatte er mir sehr weh getan und es war Blut im Bett. Die Schwestern waren entsetzt. Ich hatte danach Schmerzen beim Wasserlassen, es brannte schrecklich. Der Mann kam danach nicht wieder.

Die Erinnerung steht vor meinem inneren Auge wie ein altes Foto, und lange habe ich geglaubt, dass dieser Mann ein Arzt war. Im Krankenhaus gab es für mich damals nur Ärzte und Schwestern – also war dieser Mann in meinen Augen ein Arzt. Und es war ein Fehler, ihm zu vertrauen!

Nachträglich machte ich mir klar, dass schon damals Ärzte nicht die Zeit hatten, mit den Kindern auf ihrer Station zu spielen. Viel wahrscheinlicher ist, dass nach dem Krieg einige ehemalige Soldaten, die im Lazarett gearbeitet hatten, in den Krankenhäusern als Pfleger eingestellt worden waren.

Die Erinnerungen an die Details der Begebenheit mit diesem Mann stellten sich während meiner Analyse 1981 ein. Sie begannen damit, dass ich plötzlich einen regelrechten Hunger auf Himbeerbonbons und Goldnüsse bekam. Zu der Zeit lernte ich gerade, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und nicht gleich einer Zensur zu unterziehen, ob meine Wünsche sinnvoll oder unsinnig sind. Ich handelte nach der Weisung: „Was der Mensch braucht, soll er haben!“ – Ich kaufte mir diese Süßigkeiten und hatte immer genug davon bei mir.

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