Er lächelte ebenfalls, griff zunächst ein Stück aus dem Korb und danach einige Scheiben Sobrasada, eine Wurstspezialität der Insel, sowie etwas Schinken von einer Silberplatte, die in der Mitte des großen Tisches stand. Anschließend nahm er noch ein paar Oliven und etwas Aioli, hielt sich aber bewusst zurück, weil er wusste, dass es als Hauptgang noch gegrillten Pulpo mit Kartoffeln und Gemüse gab. Seine Eltern taten es ihm gleich und nahmen ein paar Vorspeisen, während sie eine Konversation über eine Entscheidung begannen, die das Parlament de les Illes Balears in Palma gefasst hatte.
Xavier hörte nicht zu, sondern ließ das Gespräch an sich vorbeigleiten. Er war komplett in seine Gedanken versunken und musste immer wieder an das alte Gehöft denken und daran, was dort passiert war. Irgendwann, er wusste nicht, wie oft ihn seine Mutter bereits angesprochen hatte, holten ihn ihre Worte wieder zurück in die Gegenwart. „Principito, hallo. Möchtest du noch etwas essen, sonst werde ich Ana bitten, abzuräumen und den Pulpo zu servieren.“
„Ja bitte.“ Er richtete sich auf seinem Stuhl auf und wandte sich seinem Vater zu. Gerade als er diesen ansprechen wollte, fragte ihn seine Mutter: „Wie, ja bitte? Was soll das heißen? Ja bitte, ich möchte noch etwas essen? Oder ja bitte, sie kann abräumen?“
Xavier äußerte knapp, dass er letzteres meinte und schaute dann abermals seinen Vater an, der sich wieder seine Zeitung gegriffen hatte. Während seine Mutter aufstand und den Raum verließ, um Ana Bescheid zu geben, fragte er: „Papa, darf ich dich etwas fragen?“
„Sicher mein Junge, nur zu.“
„Das Gehöft vom alten Albiol oben in den Hügeln gehört doch uns, nicht wahr?“
„Ja, warum?“
„Nur so, ich habe letztens daran gedacht, als ich mit Mama dort vorbeigefahren bin. Ich hatte mich gefragt, ob die noch leer steht. Weißt du, was damit ist?“
„Selbstverständlich, weiß ich das.“
Als sein Vater nichts weiter ausführte, hakte Xavier zögerlich nach: „Und?“
Der Conde schaute hinter seiner Zeitung hervor und seinen Sohn aufmerksam an. „Ich habe den Hof verpachtet.“
„An wen?“, brach es aus Xavier hervor.
„An Don Alfonso de Vaca.“
„An Don Alfonso? Was macht der mit einem Gehöft? Ich dachte, er ist in Madrid und sitzt dort im Parlament?“
„Nein, er ist schon seit längerem wieder auf Mallorca. Er ist bei den letzten Wahlen ins Parlament der Balearen gewählt worden und ist nun Abgeordneter in Palma. Don Alfonso hat mir nicht gesagt, warum er den Hof haben möchte. Und ich habe ihn auch nicht danach gefragt. Neugier ist keine Zier.“
Xavier langweilten die Weisheiten seines Vaters. Er blickte zu diesem herüber, der ihn durchdringend anschaute. Xavier erschrak, er konnte sich nicht erinnern, dass ihn der Conde jemals so ernst angeguckt hatte. Streng fragte dieser: „Warum? Warum interessiert dich das Gehöft so?“
„Nur so, reine Neugier“, antwortete Xavier verunsichert. Plötzlich griff sein Vater nach seinem Arm und hielt diesen fest. Der Conde beugte sich nach vorne und schaute ihn intensiv an. Dann sagte er entschieden: „Du hast dort oben nichts verloren, hast du mich verstanden? Wir haben den Hof verpachtet und daher hast du da nichts mehr zu suchen – ist das klar?“
„Was habt ihr beide denn nun wieder?“ Augenblicklich, als der Conde die Stimme seiner Frau vernahm, ließ er von Xavier ab. Beide schauten zum Türrahmen, in dem die Condesa stand und eine Schüssel mit Trauben und Pfirsichen für den Nachtisch in den Händen hielt.
„Nichts, alles in Ordnung“, sagte der Conde, griff erneut nach seiner Zeitung und vertiefte sich in seine Tageslektüre. Xaviers Mutter betrat den Raum, gefolgt von Ana, die umgehend damit begann, den Tisch abzuräumen.
„Principito, ich habe Padre Enrique getroffen und er fragt, ob du ihm bei der Vorbereitung des Gemeindefests helfen möchtest.“
„Ja, mach ich gerne. Ich geh mal bei ihm vorbei.“
Als Pfarrer der örtlichen Gemeinde war Padre Enrique regelmäßiger Gast auf dem Gut, zumal Xaviers Eltern den Priester, so gut sie konnten, bei dessen Arbeit unterstützten. Dieser hatte die Gemeinde jung übernommen und Xaviers Taufe war das erste große Sakrament, das er nach seiner Ankunft ausgeführt hatte. Das verband die beiden, und der Priester begleitete ihn als väterlicher Freund schon sein gesamtes Leben. Als Xavier den Namen hörte, fasste er den Entschluss, Padre Enrique auf die Prozession und auch auf das Symbol anzusprechen. Als Priester würde er vielleicht wissen, was die seltsame Figur zu bedeuten hatte. Mit seinem Vater konnte Xavier offensichtlich nicht darüber reden.
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