Easy Rider, USA 1969. Regie: Dennis Hopper. Darsteller: Peter Fonda (Wyatt), Dennis Hopper (Billy), Jack Nicholson (George), Antonio Mendoza (Jesus), Warren Finnerty (Landwirt), Tita Colorado (Frau des Landwirts), Luana Anders (Lisa) u. a.
Fräulein Prysselius (Margot Trooger) - von Pippi Langstrumpf despektierlich die Prusse-Liese genannt - trägt auf der spitzen Nase ein schönes Beispiel für die klassische Gouvernantenbrille. So liefert sie Pippi natürlich reichlich Angriffsfläche für freche Bemerkungen und Attentate.
Unzählig sind daher auch die Szenen, aus denen Fräulein Prysselius lädiert hervorgeht. Vielleicht hätte sie sich einfach nicht in Pippis Erziehung einmischen sollen. Die gesamte Aufmachung von Fräulein Prysselius ist ja schon altbacken genug. Aber die Szenen, in denen sie entweder ganz ihrer Brille beraubt oder wie hier so mit Farbe übergossen wird, dass sie wie blind durch die Gegend taumelt, sind das Tüpfelchen auf dem I. Eben ein klassischer Brillenträger-Witz. Juhu, Pippi ist die Größte!
Pippi Langstrumpf, Schweden 1969. Regie: Olle Hellborn. Darsteller: Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Maria Persson (Annika), Pär Sundberg (Tommy), Margot Trooger (Fräulein Prysselius), Hans Clarin (Donner-Karlsson) u. a.
Mit Familienpatriarch Vittorio Manalese (Jean Gabin) ist nicht gut Kirschen essen. Und im Moment schon gar nicht, er steht nämlich gerade im Cockpit eines Linienjets. Was macht er da? Er hat den Jet entführt, nicht alleine natürlich, sondern mit Hilfe der zahlreichen Mitglieder seiner Ganoven-Familie. Grund für die Entführung sind die Unmassen von Juwelen, die der Jet transportiert und die natürlich in die Taschen der Manaleses wandern sollen. Die Brille von Vittorio Manalese sieht nicht umsonst sehr wuchtig aus. Es ist klar, was im Film damit signalisiert werden soll: Dieser Mann ist so unerschütterlich wie seine Brille. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Seine Gläser sind aus Panzerglas, seine Glaseinfassungen aus Gusseisen, seine Bügel aus Baustahl. Seine Brille wiegt einen Doppelzentner, aber das macht ihm gar nichts aus, denn der Mann ist aus Granit; er weiß das und alle anderen sollten es besser auch wissen, wenn sie da wieder heil herauskommen wollen.
Der Clan der Sizilianer, Frankreich 1969. Regie: Henri Verneuil. Darsteller: Jean Gabin (Vittorio Manalese), Alain Delon (Roger Sartet), Lino Ventura (Chefinspektor Le Goff), Irina Demick (Jeanne Manalese), Amedeo Nazzari (Tony Nicosia) u. a.
Zweiter Weltkrieg, von Deutschland besetztes Frankreich. Philippe Gerbier (Lino Ventura) ist Mitglied des französischen Widerstands. Er ist verhaftet worden und befindet sich nun in einem fahl beleuchteten Wartezimmer des gefürchteten Hauptsitzes des deutschen Militärbefehlshabers in Paris. Er weiß nicht, ob die Deutschen etwas über ihn wissen, aber er weiß, sie werden es herausfinden; nur die Wenigsten können ihren Methoden standhalten. Manche Schauspieler haben das Vorurteil, eine Brille würde sie ihres “Blicks” berauben oder zumindest eines Teils davon. Der Blick, das ist das, was ein Schauspieler mit den Augen darstellen kann, sozusagen sein Augenspiel. Nun, sehen Sie hier selbst die Widerlegung dieses Vorurteils. Clevere Schauspieler wie Lino Ventura machten und machen sich darüberhinaus noch einen bestimmten Brilleneffekt zunutze. Denn abhängig von der Brillenstärke wirken die Augen eines Brillenträgers leicht vergrößert. Diese leicht vergrößert wirkenden Augen geben dann, wie oben im Szenenfoto zu sehen ist, einem Schauspieler ein umso eindrucksvolleres Augenspiel.
Einige Monate später. Philippe Gerbier konnte nicht nur fliehen, sondern sich sogar nach England absetzen. Doch der französische Widerstand ruft ihn zurück, er wird im besetzten Frankreich gebraucht. Er befindet sich daher jetzt in einem Flugzeug der Royal Air Force und bereitet sich darauf vor, nachts mit dem Fallschirm über Frankreich abzuspringen. Damit er beim Absprung aus dem Flugzeug oder der Landung auf dem Boden seine Brille nicht verliert, hat er sie mit Pflaster am Gesicht fixiert; eine Sicherheitsmaßnahme, die damals häufig angewendet wurde.
Armee im Schatten, Frankreich 1969. Regie: Jean-Pierre Melville. Darsteller: Lino Ventura (Philippe Gerbier), Paul Meurisse (Luc Jardie), Simone Signoret (Mathilde), Claude Mann (Claude Le Masque), Jean-Pierre Cassel (Jean François Jardie) u. a.
Ein gepflegter, elegant angezogener Herr lässt sich in einem Juweliergeschäft Geschmeide für seine Ehefrau zeigen - oder seine Geliebte, wer weiß. So weit alles in Ordnung, oder? Nein, nicht ganz. Der Herr heißt Jansen (Yves Montand) und ist ein ehemaliger französischer Polizei-Scharfschütze. Seit geraumer Zeit aber ist er dem Alkohol verfallen und daher schon lange nicht mehr im Dienste der Grande Nation. Da trifft es sich gut, dass er ein lukratives Angebot erhalten hat, bei einem Bruch mitzumachen, und genau deshalb sitzt er jetzt dort. Für die Klunker interessiert er sich eigentlich im Moment gar nicht, sondern für die Alarmanlage, weswegen sein Blick auch immer in die Ecken des Raums wandert, wo sich die Überwachungskameras befinden. Gutes Ausbaldowern ist eben alles! Seine Brille, was soll man dazu sagen? Ein gängiges Herrenmodell für diese Zeit um 1970, große Gläser, stabiles Gestell, breite Bügel, nur die braune Farbe fällt vielleicht ein wenig aus dem Rahmen; die meisten Männer trugen damals solche Brillen in Schwarz. Wie dem auch sei, diese Brille steht ihm ausgezeichnet, damit wirkt er tatsächlich - obwohl davon keine Rede sein kann - wie ein gutsituierter Mann, der mal eben 30.000 Francs aufwärts für etwas Damenschmuck ausgeben kann. Das beweist: Auch Brillen machen Leute.
Vier im roten Kreis, Frankreich 1970. Regie: Jean-Pierre Melville. Darsteller: Alain Delon (Corey), Yves Montand (Jansen), Gian Maria Volonté (Vogel), André Bourvil (Kommisar Mattei), Paul Crauchet (Hehler), François Périer (Santi) u. a.
Hier liegt Antoine Doinel, François Truffauts Held aus “Sie küssten und sie schlugen ihn”, “Antoine und Colette” und “Geraubte Küsse”. Im vierten Teil der Reihe ist er jung verheiratet. Seit er wieder einen Job hat, sieht er seine Frau Christine (Claude Jade) kaum noch - außer abends im Bett, wenn beide lesen. Sie eine Biographie über den Ballett-Tänzer Nurejew und er ein Buch über japanische Frauen. Doch während Christine auf ihre neue Lesebrille gerne verzichten würde, findet Antoine, dass sie ihr sehr gut steht. Nachdem man Bücher und Brille weggelegt hat, geht er sogar noch weiter:
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