Girl Shy, USA 1924. Regie: Fred C. Newmeyer und Sam Taylor. Darsteller: Harold Lloyd (Harold Meadows), Jobyna Ralston (Mary Buckingham), Richard Daniels (Jerry Meadows), Carlton Griffin (Ronald De Vore) u. a.
Leoparden küsst man nicht
Cary Grant spielt hier den Dinosaurierforscher Dr. David Huxley. Doch statt mit Dinosauriern hat er gerade die innige Bekanntschaft mit einer LKW-Ladung Hühnern gemacht, weswegen er hier etwas mitgenommen aussieht. Da Grant einen Wissenschaftler spielt, bekam er natürlich gemäß des unausrottbaren Filmklischees, dass Wissenschaftler grundsätzlich Brillenträger sind, eine kreisrunde Sehhilfe auf die Nase gesetzt. Sicherlich ist es kein Zufall, dass in dieser Komödie Grants Brille stark an das Brillenmodell erinnert, das der Stummfilmkomiker Harold Lloyd stets trug.
Leoparden küsst man nicht, USA 1938. Regie: Howard Hawks. Darsteller: Katharine Hepburn (Susan Vance), Cary Grant (Dr. David Huxley), Charles Ruggles (Horace Applegate), Walter Catlett (Constable Slocum) u. a.
Der Intrigantin und Klatschbase Sylvia (Rosalind Russell) geht gerade ein Licht auf, und deshalb guckt sie auch so verdutzt aus ihrer Brille. Vor ihr sitzt Miriam (Paulette Goddard) hoch zu Ross, deshalb schaut Sylvia so nach oben. Alle zusammen befinden sich im Scheidungsparadies Reno, um ihre Ehen zu beenden. Soeben begreift Sylvia, warum Miriam sich scheiden lassen will: Um Sylvias Mann zu heiraten! Das empört Sylvia aufs Äußerste. Es entspinnt sich folgender Dialog:
Sylvia: “Sie lausige kleine…”
Miriam: “Kommen Sie mir ja nicht mit Kraftausdrücken, sie Park-Avenue-Playgirl, ich kenne sehr viel mehr als Sie!” (Sylvia zieht Miriam erbost vom Pferd, Gekreisch, Handgemenge.)
Sylvia: “Schlagen Sie mich ja nicht ins Gesicht, ich habe eine Brille auf!”
(Miriam nimmt ihr rasch die Brille ab.) Miriam: “Jetzt aber nicht mehr”! (Miriam gibt Sylvia eine kräftige Ohrfeige. Gekreisch, Handgemenge usw.)
Sehr schön. Sylvias Brille macht einen Wandel in der Brillengeschichte deutlich. Bis in die 1920 Jahre sahen Damen- und Herrenbrillen noch weitgehend gleich aus, doch dann ging das Design von Damen- und Herrenbrillen langsam getrennte Wege. So auch hier, im Prinzip handelt es sich zwar immer noch um das alte runde Unisex-Modell, doch lassen seitliche Verzierungen diese Brille feiner und femininer wirken, sie ist damit eindeutig zur Damenbrille geworden.
Die Frauen, USA 1939. Regie: George Cukor. Darsteller: Norma Shearer (Mary), Joan Crawford (Crystal Allen), Rosalind Russell (Sylvia), Mary Boland (Flora), Paulette Goddard (Miriam), Joan Fontaine (Peggy), Phyllis Povah (Edith) u. a.
Zum täglichen Geschäft eines Privatdetektivs gehört es, in andere Rollen zu schlüpfen, um so Informationen zu erlangen, die man nie bekommen hätte, wenn man einfach seine Hundemarke gezeigt hätte. So auch hier: Philip Marlowe (Humphrey Bogart) möchte wissen, was es mit diesem verdächtigen Buchladen auf sich hat. Dazu klappt er sich vor der Tür einfach seinen Hutrand nach oben und setzt sich eine getönte Brille auf (eine Lesebrille war nicht zur Hand), in der Hoffnung, in dieser Aufmachung irgendwie als intellektueller Bücherwurm durchzugehen. Na ja, etwas schlampige Tarnung, und sehr überzeugt schien die angebliche Buchhändlerin (Sonia Darrin) davon nicht. Aber Marlowe riecht sowieso schon Lunte, denn eine Buchhändlerin ohne Brille, da stimmt etwas nicht - jedenfalls in Hollywood-Filmen. Und tatsächlich, Marlowe ertappt sie, denn sie wunderte sich gar nicht darüber, dass er eine Ben-Hur-Ausgabe von 1860 verlangte. Das bewies Marlowe, dass mit diesem Buchladen (und dieser Buchhändlerin) etwas oberfaul sein musste, denn der Roman Ben Hur erschien erst 1880. Damals hätte das jede amerikanische Buchhändlerin gewusst.
Philip Marlowe (Humphrey Bogart) setzt seine Ermittlungen in einer weiteren Buchhandlung fort, diesmal aber ganz offen als Detektiv. Diese Buchhandlung scheint unverdächtig, denn die Buchhändlerin (Dorothy Malone) trägt nicht nur Brille, sie trägt sogar einen Zwicker, der ihr darüber hinaus auch noch gut steht. Ja, Zwicker wurden durchaus nicht nur von Männern getragen, sondern gerne auch von Frauen, weil sie das Gesicht luftiger erscheinen ließen als Bügelbrillen; genau das ist hier der Fall. Jedenfalls, die Buchhändlerin ist sehr kooperativ, offenbar weil sie Detektive interessant findet. Da es stark regnet, bleibt Marlowe noch ein Weilchen, und da er etwas Whiskey bei sich führt, schlägt er vor, den gemeinsam an Ort und Stelle auf den Kopf zu hauen. Weil offenbar nicht jeden Tag so interessante Kundschaft vorbeischaut, schließt die Buchhändlerin kurzerhand den Laden und lässt die Jalousie herunter, damit man ungestört ist. Bevor beide dann zu bechern anfangen und die weitere Gestaltung des Nachmittags ansteht, bittet Marlowe die Buchhändlerin, die Brille abzunehmen; der Mann denkt eben berufsbedingt gerne einen Schritt voraus. Marlowe stößt mit seinem Wunsch auf keinerlei Widerstand.
Tote schlafen fest, USA 1946. Regie: Howard Hawks. Darsteller: Humphrey Bogart (Philip Marlowe), Lauren Bacall (Vivian Rutledge), John Ridgely (Eddie Mars), Sonia Darrin (1. Buchhändlerin), Dorothy Malone (2. Buchhändlerin) u. a.
Liebling, ich werde jünger
Der Chemiker Dr. Barnaby Fulton (Cary Grant) hat keine besonders guten Augen, und deshalb muss er besonders dicke Brillengläser tragen. Gute Sehkraft kommt ihm hier gerade zustatten, denn die Sekretärin seines Chefs, Lois (Marilyn Monroe), ist ganz begeistert von der neuen Faser, die Fulton erfunden hat und aus der sich exzellente Damenstrümpfe machen lassen. Fulton wird von der begeisterten Lois sogar aufgefordert, ihr schönes bestrumpftes Bein zu berühren, doch der kann sich beherrschen; der Mann muss einen eisernen Willen haben. Interessant, dass Cary Grant in diesem Film tatsächlich über weite Strecken diese doch recht unvorteilhafte Brille trägt, was die meisten damaligen Top-Schauspieler sicher nicht akzeptiert hätten. Das führt uns zur Art und Weise, wie er diese Brille trägt: Trotz ihres unvorteilhaften Aussehens und obwohl es sich hier um eine ziemlich skurrile Komödie handelt, trägt er diese Brille durchaus nicht als ewigen Gag, sondern einfach als Brille, die er braucht, weil er sonst nichts sieht. Das beweist, dass die Wirkung einer Brille auch immer davon abhängig ist, mit welcher Selbstverständlichkeit sie getragen wird.
Liebling, ich werde jünger, USA 1952. Regie: Howard Hawks. Darsteller: Cary Grant (Dr. Barnaby Fulton), Ginger Rogers (Edwina Fulton), Marilyn Monroe (Lois Laurel), Charles Coburn (Oliver Oxley), Hugh Marlowe (Hank Entwhistle) u. a.
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