Kunsthändler Georg Nolte (Heinz Erhardt) ist ganz Ohr. Gerade belauscht er am Nebentisch zwei Herren, die sich ein Boot kaufen, um damit einige Zeit unbeschwert auf dem Bodensee zu schippern. Da Georg selber sehr gern mal seinem Familien- und Arbeitsalltag entfliehen möchte, bietet er sich den beiden kurzerhand als Smutje an - und wird akzeptiert. Allerdings, so richtig gut kochen kann Georg nicht, wie sich dann morgens herausstellt, als er im Boot seinen beiden Bootskumpanen ein Heißgetränk serviert:
Jo: “Der Tee ist nicht zu genießen!”
Harry: “Das ist doch Kaffee, Mensch!”
Georg: “Will noch jemand von dem Kakao?”
Heinz Erhardt trägt eine dunkle Hornbrille, die schwarz wirkt, aber in Wirklichkeit dunkelbraun geflammt ist. Die Strenge des Modells wird durch die silbernen Verzierungen an den Bügeln etwas gemildert. Das Motto dieser Brille könnte lauten: “Ich trage, was ich bin”. Denn wie so oft gibt Heinz Erhardt auch hier den normalen Bürger. Die Brille sieht aus, wie man sich heutzutage eine Brille für einen damaligen biederen Buchhalter vorstellt - ein Irrtum, denn damals war sie topmodisch. Jeder damalige Optiker wird gewusst haben, was gemeint war, wenn man eine Heinz-Erhardt-Brille verlangte.
Drei Mann in einem Boot, BRD 1961. Regie: Helmut Weiss. Darsteller: Heinz Erhardt (Georg Nolte), Walter Giller (Jo Sommer), Hans-Joachim Kulenkampff (Harry Berg), Susanne Cramer (Betje Ackerboom), Ina Duscha (Grit Nolte) u. a.
Dr. Seltsam (Peter Sellers) erklärt dem US-Präsidenten (auch Peter Sellers), wie es jetzt weitergehen könnte. Die Russen haben nämlich gerade eine Stinkwut, weil sie von den Amerikanern bombardiert wurden - mit einer Wasserstoffbombe. Das bringt automatisch und unaufhaltsam die von den Russen ganz im Geheimen erfundene atomare Weltvernichtungsmaschine in Gang. Da kann man jetzt also leider nichts mehr machen. Tja. Und wie weiter? Kein Problem, erklärt Dr. Seltsam, die männliche US-Oberschicht könnte 100 Jahre in Bergwerken tief unter der Erde auf bessere Zeiten warten. Um sich die Zeit da unten zu verkürzen natürlich mit etwas weiblicher Gesellschaft: Ein Mann auf zehn Frauen. Juhu! Und alle zusammen: Witzischkeit kennt keine Grenzen, Witzischkeit kennt kein Pardon… Na klar, ein Irrer wie Dr. Seltsam muss nicht nur einen hochkomischen Namen tragen, sondern er hat natürlich auch eine auffallende getönte Rundbrille auf der Nase. So soll auch der naivste Zuschauer merken, dass mit dem Typ etwas nicht stimmt, dass der Doktor wahnsinnig - witzisch ist.
Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben, USA 1964. Regie: Stanley Kubrick. Darsteller: Peter Sellers (Captain Mandrake, Präsident Muffley, Doktor Seltsam), George C. Scott (General Turgidson), Sterling Hayden (General Ripper) u. a.
Heinrich Dorfmann (Hardy Krüger) ist restlos entnervt. Nicht genug damit, dass er zusammen mit einigen anderen Männern mitten in einer endlosen Wüste gestrandet ist, weil ihr Flugzeug dort eine Bruchlandung hingelegt hat. Noch dazu sind alle dabei zu verdursten, die unbarmherzige Wüstensonne grillt ihre Haut und zu essen gibt es nur trockene Datteln. Und als wenn das alles nicht reichen würde, muss Dorfmann auch noch ständig mit dem Bruchpiloten Frank Towns (rechts, James Stewart) debattieren, weil Towns einfach nicht begreifen will, dass er, nämlich Dorfmann, der einzige ist, der sie alle da rausholen kann. Heinrich Dorfmann ist Ingenieur, zielorientiert, effektiv und fern jeder sentimentalen Regung. Von seiner Brille darf man daher keine modischen Höhenflüge erwarten, sie wirkt so streng, kantig und sachlich wie der Mann, der sie trägt. Übrigens, obwohl Heinrich Dorfmann sich sicher nichts daraus gemacht hätte, er trägt ein Brillenmodell, das im Laufe der Jahre ein beliebter Brillenklassiker für Herren geworden ist.
Der Flug des Phoenix, USA 1965. Regie: Robert Aldrich. Darsteller: James Stewart (Kapitän Frank Towns), Hardy Krüger (Heinrich Dorfmann), Richard Attenborough (Lew Moran), Peter Finch (Harris), Ernest Borgnine (Cobb) u. a.
Michael (rechts, Peter O’Toole) sucht Rat beim Psychiater Dr. Popovich (links, Peter Sellers). Michael will nämlich seiner Frau treu bleiben, findet dieses Vorhaben aber sehr schwierig, weil er als Redakteur bei einer Modezeitschrift täglich mit schönen Frauen zu tun hat. Und die sind alle hinter ihm her! Sehr sonderbar war die Art und Weise, wie Peter O’Toole diese Rolle spielte, nämlich schwul wie ein Homofürst. Warum in diesem Film die Frauen hinter ihm her waren, erschloss sich daher keineswegs, es sein denn sie suchten jemanden, mit dem sie Plätzchenrezepte austauschen konnten, zusammen gut Kochen, dabei über moderne Kunst reden und so weiter. Oder war dieses schwule Schauspiel von Peter O’Toole ein schauspielerischer Witz über drei Ecken? Mag sein, doch sehr leicht erschließt sich der Sinn nicht. Wie dem auch sei, als Psychiater muss Dr. Popovich gemäß einer stillen Übereinkunft der Filmindustrie auf jeden Fall eine Brille tragen: Film-Psychiater werden mit Brille geboren. Da es sich um eine reichlich überdrehte Komödie handelt, nahm man außerdem die Gelegenheit wahr, Popovich eine sehr auffällige Brille mit dickem schwarzem Gestell auf die Nase zu setzen. Dazu passt dann auch seine einem Mopp ähnelnde schwarze Perücke. Kleine Anmerkung: Im amerikanischen Original war der Rollenname von Peter Sellers “Dr. Fassbender”. Für Amerikaner lustig, weil irgendwie deutsch; für Deutsche weniger lustig, weil normal. Interessant wäre die finnische Synchronfassung. Ach so, die synchronisieren ja nicht.
Was gibts Neues, Pussy?, USA 1965. Regie: Clive Donner. Darsteller: Peter Sellers (Dr. Popovich), Peter O’Toole (Michael James), Romy Schneider (Carole), Capucine (Renée), Paula Prentis (Liz), Woody Allen (Victor), Ursula Andress (Rita) u. a.
Wyatt (Peter Fonda) kuckt skeptisch aus der Wäsche. Gerade haben er und sein Kumpel (Dennis Hopper) einem Drogenhändler einen Batzen Koks übergeben, und der prüft jetzt erstmal in aller Gemütsruhe die Qualität. Erst wenn die Qualität stimmt, gibt es den Zaster, und genau darauf wartet Wyatt jetzt. Gemessen an diesem ziemlich unkonventionellen Film, in dem es um Freiheit, Drogen, freie Liebe und das ganze übrige Wunschkonzert der 68er geht, hat Wyatt eine überraschend konventionelle Brille auf. Wenn man bedenkt, dass viele junge Leute damals ziemlich ausgefallene Brillenmodelle bevorzugten, könnte er im Gegensatz dazu mit seinem Modell glatt als Beamter der mittleren Besoldungsgruppe durchgehen. Na gut, dafür waren - für damalige Verhältnisse - seine Haare zu lang. Wie dem auch sei, die Brille ist nur leicht getönt, recht elegant und passt gut zum Typ. Außerdem: Gold kann nicht jeder tragen.
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