„Hör sofort auf damit. So darfst du nicht mal denken“, fuhr Louise dazwischen. „Erinnere dich lieber daran wie er dich jahrelang misshandelt hat.“
Sie seufzten einvernehmlich, worauf Ulrike hilfsbereit noch einmal die Schampusgläser auffüllte.
„Sogar sein Chef war da und hat mir sein Beileid ausgesprochen. Dann hat er von dem schweren Verlust für die Firma erzählt. Die haben echt einen großen Kranz gespendet. Was der wohl gekostet hat?“
„Ganz so schlecht war er eigentlich auch gar nicht. Wenn ich da an andere denke.“ Ulrike betrachtete versonnen ihr Glas.
„Fängst du jetzt auch noch an! Ihr seid doch wirklich nichts als…als…da fällt mir nicht mal ein Wort für ein. Nur weil so ein Pope verlogene Sprüche klopft, verändert sich in Euren Köpfen die Realität.“ Louise nahm einen Schluck und prüfte besorgt den gesunkenen Pegelstand in der Flasche. „Und wenn du an andere denkst meinst du sicher deinen ungetreuen Ehemann.“
„Meine ich nicht“, widersprach Ulrike verschnupft, „ich meine deinen ehebrecherischen Ehemann.“ Sie lehnte sich befriedigt zurück, nun war es endlich gesagt.
Louise sah sie erstaunt an. „Du irrst dich. Ich traue ihm alles Mögliche zu. Aber untreu ist er nicht. Warum sollte er? Bei mir bekommt er alles was er braucht.“
„Pah, dann solltest du mal ins Watergate, an den Landungsbrücken, gehen. Da habe ich deinen Göttergatten nämlich neulich gesehen. Mit so einem Marilyn Monroe Verschnitt. Und wenn ich dir sage wie die sich dort aufgeführt hat, wirst du mir das auch nicht glauben. Die hat sich doch tatsächlich im vollen Lokal die Hosen runtergelassen und ihm, da sie darunter nichts anhatte, ihre, ihre, na du weißt schon, gezeigt. Alle Gäste waren empört, aber das schien den Beiden nichts auszumachen. Selbst als ein Ober kam hat die sich nicht wieder angezogen. Das kann doch nur eine Nutte gewesen sein.“ Ulrike holte tief Luft. „Ich sag dir was Louise, Dein Mann ist genau so ein geiles Schwein wie meiner, dieser blöde Sack. Beide stopfen sich voll mit Viagra, berbern in der Gegend rum und lassen den Lover raushängen. Für uns bleibt dann einmal wöchentlich die eheliche Pflichtnummer.“ Sie schluchzte unglücklich. „Und du willst mir nicht mal etwas von dieser Knolle geben.“
Louises Gesicht verhärtete sich zunehmend. „Bist du ganz sicher, dass es Jakob war?“
„Darauf gebe ich dir mein Wort. Du kannst ihn ja selbst fragen.“
„Was hat dich denn in dieses Lokal verschlagen?“
„Meine Nichte hatte mich zu einer Führung durch die Hafencity eingeladen. Da sind wir dann schließlich gelandet.“
Die darauf folgende Stille wurde von Elfriede unterbrochen, die, als einzige unbelastet von derartigen Problemen, ihr Glas erhob und die befreienden Worte sprach: „Lasst uns trinken auf diesen zweiten Watergate-Skandal.“
Dem darauf folgenden Kreischen war nicht genau zu entnehmen ob es auf Begeisterung oder Verzweiflung basierte. Es waren eben Laute, die Frauen produzieren, wenn sie nicht wissen ob sie lachen oder weinen sollen.
***
Nachdem sich die beispiellose Hetzkampagne gegen käufliche Politiker im allgemeinen, sowie gegen Hans Jäger und Dirk Kurz im besonderen, durch schwindendes Verbraucherinteresse totgelaufen hatte, leckte man sich in allen politischen Lagern die Wunden.
Was war eigentlich passiert? Die gezielte Stimmungs- und Meinungsmache gekaufter Journalisten hatte Fehlentwicklungen zwischen Politik und Wirtschaft aufgedeckt und zum eigenen Nutzen thematisiert. Nun gut, man würde eben andere Wege beschreiten müssen. Die unbeantwortete Frage blieb jedoch: Wer regierte eigentlich das Land? Eine Regierung, die in freien Wahlen aus einem Parlament hervorgegangen war, die Lobby, wie manche Spötter behaupten oder eine gewinnorientierte Mediendiktatur?
Für Dirk Kurz waren diese Fragen nicht mehr relevant. Nach dem Verlust sämtlicher Ämter und dem Ausschluss aus der SPD hatte er sich ins Privatleben zurückgezogen. Er saß isoliert in seinem Arbeitszimmer und durchdachte neue Perspektiven. Auf seine mündliche Anfrage hatte „Die Linke“ bereits durchblicken lassen, dass sie nach einer angemessenen Zeitspanne, seinen Antrag auf Mitgliedschaft wohlwollend überprüfen würde. Schließlich hätten ja auch sein Vater und Großvater einst in der KPD ihre politische Heimat gefunden. Somit wusste Kurz, dass seine politische Zukunft gesichert war. Er würde diese Provinzdemagogen in Grund und Boden quatschen. Wenn er sich einmal überlegte, welche schwachköpfigen Figuren dort am Ruder drehten, war ihm eine führende Rolle in der Parteispitze so gut wie sicher.
So beauftragte er seine Frau, die ihm zwischenzeitlich als Sekretärin dienen musste, zwei Flugtickets nach Colombo in Sri Lanka zu buchen. Er beabsichtigte dort einen Großteil seiner unfreiwilligen Auszeit zu verbringen um später als braungebrannter, dynamischer Politmanager, schwierige Aufgaben zu übernehmen.
***
Als unscheinbare Randnotiz fand Jakob bei Durchsicht der Abendzeitung, die lapidare Mitteilung, dass sich Hans Jäger, früheres Mitglied des Bundestages der CDU, im Arbeitszimmer seines Hauses in Hamburg erhängt hatte.
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